Padberg-Prozess

Lebenslänglich für zweifachen Mord

Foto: Sergej Lepke

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Arnsberg. In diesen Tagen vor 20 Jahren fand einer der spektakulärsten Prozesse der Nachkriegszeit am Arnsberger Landgericht statt. Vor dem Schwurgericht wurde der Mord- und Entführungsfall „Padberg” verhandelt.

Auf der Anklagebank vor 20 Jahren im Arnsberger Landgericht: Der damals 33-jährige arbeitslose Betonfacharbeiter Detlef Meyer, der in Eslohe die 57-jährige Waltraud Padberg und ihren fünfzehnmonatigen Enkelsohn Patrick umgebracht hatte.

Gut einen Monat lang wird an sechs Prozesstagen verhandelt, bis am 2. November 1989 der damalige Vorsitzende Richter, Dr. Ewald Franzmann, das Urteil verkündet: Lebenslange Haft wegen zweifachen Mordes, schweren Raubes, räuberischer Erpressung und Freiheitsberaubung. Der Saal ist an jenem Freitag bis auf den letzten Platz gefüllt.

Als der Verurteilte, von acht Polizisten eskortiert, den Gerichtssaal verlässt, um im vergitterten Polizeiwagen die Fahrt in die Haftanstalt anzutreten, herrscht beim Landgericht aufatmen, dass man einen so riesigen Prozess, der an jedem Verhandlungstag von zig Medienvertretern aus der gesamten Bundesrepublik und vielen Schaulustigen begleitet wurde, reibungslos über die Bühne gebracht hatte.

Frage nach dem Warum

Dass es sich bei Meyer um den Doppelmörder gehandelt hat, stand für die Kammer nach den sechs Verhandlungstagen zweifelsfrei fest. Was auch nach Abschluss des Prozesses blieb, war die Frage nach dem Warum?

Die Beweisaufnahme hatte folgenden Tathergang ergeben: Am 12. November 1988 war Meyer gegen 18 Uhr maskiert und mit einer Pistole bewaffnet in das Haus der Esloher Familie Padberg eingestiegen. Er war wohl auf Geld aus, weil er hohe Spielschulden in der Spielbank Hohensyburg angehäuft hatte. Insgesamt wollte Detlef Meyer 1,2 Millionen Mark erpressen.

Kampf mit Patricks Großmutter

Im Haus war es dann zu einem Kampf mit der Großmutter des kleinen Patricks gekommen, die sich dem Entführer in den Weg gestellt hatte. Meyer, so Dr. Franzmann in der Urteilbegründung, habe die Frau erwürgt, weil diese dem Eindringling die Maske vom Gesicht gerissen habe. Patrick schließlich sei gestorben, weil er geschrien habe und Meyer deshalb Angst bekam, entdeckt und gefasst zu werden.

Einige Kommentatoren fragten sich später, ob Habgier, das Gericht hatte dieses Mordmerkmal festgestellt, und die Angst entdeckt zu werden, eine letzte Erklärung für die Ermordung des Kleinkindes waren?

"Ich möchte nichts sagen"

Von Meyer gab's während des gesamten Verhandlungsverlaufs dazu keine Stellungnahme. Das einzige, was er dem Schwurgericht sagte, war: „Ich möchte nichts sagen.”

Wie die Westfälische Rundschau jetzt von der Staatsanwaltschaft erfuhr, sitzt Meyer auch heute noch in einer NRW-Haftanstalt ein.

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