Laute Spielzeugpistolen auf dem Prüfstand am Neumarkt

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Arnsberg. Ob Cowboy oder Indianer: Gerade in der Karnevalszeit sind Spielzeugwaffen bei Kindern besonders beliebt. Doch nicht immer sind die Geräte einwandfrei. Arbeitsschützer der Bezirksregierung testen den Schalldruck.

Erst einmal Ohrstöpsel anlegen. "Und jetzt Ruhe, Messung läuft!", sagt Versuchsleiter Horst Figur. Detlef Seidel hat zudem eine Schutzbrille aus Plexiglas angelegt. Er legt den Trommelrevolver auf ein Stativ und drückt achtmal ab, solange, bis das Magazin leer ist. Für den Versuchsaufbau haben die Mitarbeiter vom Mess- und Prüfdienst Mikrofone aufgestellt. Dazwischen ist ein Stativ platziert. Zwischen den Mikrofonen und der Schallquelle, sprich dem Pistolenlauf, müssen exakt 50 Zentimeter liegen. Die Messungen mit zwei Spielzeugfabrikaten sollen zeigen, ob beim Abfeuern Lärm entsteht, der oberhalb des Grenzwerts von 125 Dezibel (dB) nach der Spielzeugnorm liegt.

"Allerdings dürfen sie nicht in geschlossenen Räumen und nicht in Augen- , Ohr- oder Gesichtsnähe abgefeuert werden. Gehörschäden sind bereits zwischen 115 und 120 Dezibel und schon bei kurzer Einwirkung möglich", warnt Arbeitsschützer Hermann Driller. Im Laborversuch erreichen die Modelle aus Kunststoff und Metal in der Spitze 129 beziehungsweise 132 Dezibel. Was gilt es noch zu beachten: Auf dem Spielzeug selbst oder auf der Verpackung muss das CE-Zeichen, sowie der Name und die Anschrift des Herstellers erkennbar sein. Bei Spielzeugwaffen mit kleineren Bauteilen muss zudem der Warnhinweis "Für Kinder unter 3 Jahren nicht geeignet" oder das entsprechende Symbol stehen. Knallpistolen, Knallrevolver und Knallgewehre dürfen laut Spielzeugrichtlinie nur mit Amorces (Knallmunition für Spielzeugwaffen) betrieben werden. Sie dürfen weder Flammen erzeugen, Teile zum Glimmen bringen oder Splitter erzeugen.

Im zweiten Schritt unternehmen die Arbeitsschützer noch eine so genannte "Quermessung", um die seitliche Abstrahlung des Knalls zu messen. Egal, wie groß und aus welchem Material die Spielzeugfabrikate sind: Die Grenzwerte unterscheiden sich nicht.

"Verkauf kann untersagt werden"

Wie sich ein Schuss in unmittelbarer Nähe der Ohrmuschel anhört, testen die Arbeitsschützer mit Hilfe eines Dummys. "Der Messaufbau ist schwieriger", sagt Horst Figur. "Aber wir tasten uns daran", gibt er sich optimistisch. Detlef Seidel hält die Spielzeugpistole neben das Ohr des Dummy-Kopfs, in dem ein Stabmikrofon das menschliche Ohr simuliert. Die Messung führt Erstaunliches zu Tage. Der Lärm ist um ein Vierfaches höher, als im erstem Experiment. Zudem ist die Metallausführung der Pistole um ein Doppeltes lauter als die Kunststoffvariante.

Ein Versuch wäre nicht vollständig, wenn er nicht auch im "Freifeld" außerhalb des Labors durchgeführt würde. Und so geht es nach draußen. Mitten auf dem Arnsberger Neumarkt stellen die Prüfer ihre Versuchsanordnung erneut auf. Während die Autos lärmen und Passanten vorbeischlendern, feuert Detlef Seidel erneut das Magazin leer. Die Messungen ergeben nun einen Wert zwischen 132 und 136 Dezibel. "Die Werte geben uns eine erste Orientierung", sagt Horst Figur. "Anhaltspunkte für eine unzulässige Überschreitung des Lärmgrenzwertes liegen vor." Ob die Werte tatsächlich über dem Grenzwert liegen, muss die Bundesanstalt unter normierten Laborbedingungen bestätigen. Werden die ersten Messergebnisse dort bestätigt, haben die Arbeitsschützer der Bezirksregierung eine rechtliche Handhabe, den Verkauf der "zu lauten" Pistolen zu untersagen.

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