Schwangere Frauen in Sorge

Klinikum Hochsauerland: Keine Hand-Fehlbildungen in Hüsten

Sind so kleine Hände: In Hüsten, so das Klinikum auf Nachfrage, habe es in 2018 und 2019 keine Fälle von Handfehlbildungen bei Neugeborenen gegeben.

Sind so kleine Hände: In Hüsten, so das Klinikum auf Nachfrage, habe es in 2018 und 2019 keine Fälle von Handfehlbildungen bei Neugeborenen gegeben.

Foto: istock / iStock

Hüsten.  Das Klinikum Hochsauerland hat in Hüsten in 2018 und 2019 keine der in anderen Städten gehäuften Fehlbildungen an Händen von Babys registriert.

Kommende Eltern sind in Sorge. Nach dem Bekanntwerden von der Geburt von drei Neugeborenen mit fehlgebildeten Händen innerhalb weniger Monate in einer Gelsenkirchener Klinik und in der Folge vieler ähnlicher Fälle in verschiedenen Krankenhäusern rätseln Mediziner über Zusammenhänge oder zufällige Häufungen. Im Karolinen-Hospital Hüsten des Klinikums Hochsauerland hat es offenbar keine Auffälligkeiten gegeben.

Das lässt zumindest Dr. Norbert Peters, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, über den Pressesprecher des Klinikums auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilen. „Ich habe ich die Rückmeldung erhalten, dass in 2019 und 2018 im Karolinenhospital Hüsten keine Geburten zu verzeichnen waren, bei denen Babys mit missgebildeten Händen oder Armen zur Welt kamen“, teilt er mit.

In den Fällen, die nun bundesweit, vor allem aber im Ruhrgebiet, für Aufsehen sorgten, ging es um Neugeborene, bei denen die Hand oder einzelne Finger nicht mitentwickelt wurden. „Meist entstehen solche Fehlbildungen im ersten Drittel der Schwangerschaft“, so das Klinikum Hochsauerland. Kurz vor und während der Geburt seien sie wegen der Ultraschall-Bedingungen nicht erkennbar, so dass sie erst nach der Geburt bei der Untersuchung des Neugeborenen auffallen.

Das Klinikum Hochsauerland mit seiner Geburtsstation - ein zentraler Anlaufpunkt für viele Schwangere aus dem ganzen Sauerland, der nahen Börde und auch aus dem Märkischen Kreis - zählte in den beiden vergangenen Jahren jeweils an die 1600 Geburten pro Jahr. Eine Zahl, die auch in diesem Jahr wieder erwartet wird. „Dass nun kein Fall in den vergangenen zwei Jahren bei uns aufgetreten ist, heißt nicht, dass das auch hier passieren kann“, so Richard Bornkessel.

Erste Untersuchung bei U1

„Die Beurteilung der Extremitäten ist integraler Bestandteil der ersten Untersuchung U1“, erklärt Dr. Norbert Peters. Bei Feststellung Fehlbildungen gleich welcher Art würden grundsätzlich die Pädiater hinzugezogen. „Ein zentrales Fehlbildungsregister existiert in Deutschland nicht, so dass wir über keine belastbaren Zahlen zur Häufigkeit verfügen“, sagt Dr. Norbert Peters.

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Sollten Fehlbildungen vor der Geburt erkannt werden, stellt sich die Frage nach medizinischen Eingriffs- und weitergehenden Untersuchungsmöglichkeiten. „Eine pauschale Antwort ist nicht möglich“, sagt Dr. Norbert Peters, „Fehlbildungen aufgrund von Anlagestörungen sind naturgemäß nicht behandelbar“. Anders aber verhalte es sich beim sogenannten Amnionstrangsyndrom.

Was ist das? „Aus bisher ungeklärter Ursache kommt es zu Einreißungen der inneren Eihaut und der Ausbildung von fibroseartigen Strängen, die dann zum Abschnüren und Absterben von Gliedmaßen führen können“, erklärt der Chefarzt des Klinikums, „solche Komplikationen sind sehr selten, können aber, wenn durch Ultraschall erkannt, mittels fetalchirurgischer Maßnahmen während der Schwangerschaft therapiert werden“.

Faktoren der Früherkennung

Dafür aber müssen sie erst einmal erkannt werden. Die Erkennung solcher Fehlbildungen - die Mediziner sprechen von „fetalen Disorganisationen“ - sei von vielen Faktoren abhängig. Zum einen vom Ausmaß der Fehlbildung - zum Beispiel, ob es sich um das Fehlen eines ganzen Armes, einer Hand oder „nur“ einzelner Finger handelt. Zum anderen aber auch von der Qualität des Ultraschallgerätes und von der Expertise des Untersuchers. Auch die Untersuchungsbedingungen sind nicht immer gleich: Das Ultraschall-Ergebnis bei stark übergewichtigen Frauen könne ebenso beeinträchtig sein.

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