Arbeitswelt

Japaner informieren sich in Neheim über Unternehmenskultur

Masaichiro Kitagawa (6. von links) ist Präsident der japanischen Ingenieurgesellschaft Ryoki. Mit einer Delegation besucht er die Neheimer Ingenieure Schmidt und Willmes. Patrick Reibeholz, Willy, Jens und Barbara Willmes sowie Alexandra Eikel tauschen sich mit den Gästen aus.

Masaichiro Kitagawa (6. von links) ist Präsident der japanischen Ingenieurgesellschaft Ryoki. Mit einer Delegation besucht er die Neheimer Ingenieure Schmidt und Willmes. Patrick Reibeholz, Willy, Jens und Barbara Willmes sowie Alexandra Eikel tauschen sich mit den Gästen aus.

Foto: Katrin Clemens

Neheim.   Sauerländer Erfahrungen sind gefragt: Ingenieure aus Japan wollen in Sachen Work-Life-Balance und Familienfreundlichkeit von Neheimern lernen.

„Sauerland meets Japan“ heißt es aktuell in Neheim: Ingenieure aus dem japanischen Kanazawa wollen Einblicke in die Arbeit der Ingenieur GmbH Schmidt und Willmes gewinnen. „Wir sind hier, um uns über Unterschiede in den Firmenkulturen zu informieren“, sagt Masaichiro Kitagawa, Präsident der Ingenieurgesellschaft Ryoki. „Bei uns ist zum Beispiel die Ansicht etabliert, dass es bewundernswert ist, wenn jemand sehr lange arbeitet.“

Überlastung und drastische gesundheitliche Probleme seien oft die Folge, das habe er selbst beobachten können. Die reguläre Arbeitswoche sei zwar auch in Japan 40 Stunden lang, das Überstundenkonto jedoch sei enorm hoch. Das zeige die Überlegung, in Japan eine Zahl von mehr als 100 Überstunden pro Arbeitnehmer und Monat zu verbieten.

„Es muss darum gehen, eine bessere Work-Life-Balance zu finden“, meint Kitagawa. „Nur so kann man ein Volk zu wirklichem Wohlstand führen.“ Produktivitätssteigerungen um jeden Preis seien aus seiner Sicht nicht der richtige Weg.

Zahl der Ingenieurinnen

Um ein konkretes Projekt geht es bei dem Besuch der Delegation in Neheim nicht, sondern um einen offenen Austausch. „Es ist Netzwerkpflege, dafür muss Zeit sein“, sagt Willy Willmes. Spannend sei aus seiner Sicht auch der Austausch über Frauen in technischen Berufen und Führungspositionen.

„Wir beschäftigen einige Ingenieurinnen, auch als Projektleiterinnen“, so Willmes. Einen Wandel habe er während seiner bisherigen Berufsjahre miterleben können. „Als ich in den 70er-Jahren studiert habe, gab es in unserem Fachbereich nur eine einzige Frau.“

Ideal des männlichen Familienernährers

Heute liegt der Frauenanteil unter allen erwerbstätigen Personen mit Ingenieurabschluss nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft im Bundesdurchschnitt bei 17,8 Prozent, in NRW sei er noch niedriger.

Unter den mehr als 300 Beschäftigten von Ryoki gibt es bislang nur eine einzige Ingenieurin – Kitagawa will die Zahl gerne erhöhen. Laut deutschem Institut für Japanstudien ist das Modell des männlichen Familienernährers in Japan noch stark in Gesellschaft, Politik und Unternehmenskultur verankert.

Es zeigten sich seit einigen Jahren aber Anzeichen für einen Wandel, der sich nicht zuletzt auf einen steigenden Anteil erwerbstätiger Frauen, irregulärer Beschäftigungsverhältnisse und Arbeitnehmer mit ausländischen Wurzeln zurückführen lasse.Die Delegation aus Kanazawa will nun Impulse aus dem Sauerland mit zurück nach Asien nehmen.

Hier finden Sie noch mehr Nachrichten, Fotos und Videos aus Arnsberg.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben