Schiedswesen

Ingrid Dormann aus Oeventrop sorgt als Schiedsfrau für Recht

Ingrid Dormann aus Oeventrop ist Schiedsfrau für Oeventrop, Rumbeck und Uentrop.

Ingrid Dormann aus Oeventrop ist Schiedsfrau für Oeventrop, Rumbeck und Uentrop.

Foto: Wolfgang Becker

Arnsberg.   Kein Ehrenamt wie jedes andere, aber ein Ehrenamt von großer Effektivität - die Schiedsfrau beziehungsweise der Schiedsmann.

Schiedsfrauen und Schiedsmänner arbeiten eher im Verborgenen. Sie helfen, Streitigkeiten aus der Welt zu schaffen und sorgen so vielfach für unkomplizierte Lösungen abseits der Gerichte. Damit sind die Schiedsfrauen und -männer ein wichtiges Glied im gesellschaftlich-juristischem Gefüge.

Schiedsfrau - was ist das denn überhaupt?

Eine spannende Sache! Es hat absolut nichts mit Schiedsrichter zu tun. Und geschieden wird man bei mir auch nicht. Eine solche Anfrage gab es tatsächlich schon. Eine Schiedsperson hilft vielmehr auf unterer Ebene mit, dass Menschen sich wieder vertragen - oder eine Lösung für ein strittiges Problem finden.

Ist das alles ehrenamtlich?

Jawohl, das ist es. Es gibt eine kleine Aufwandsentschädigung dafür.

Wird man in ein solches Amt berufen oder gewählt?

Wir werden vom Rat der Stadt jeweils für fünf Jahre gewählt und vom Direktor des Amtsgerichts vereidigt.

Ist eine besondere Ausbildung erforderlich?

Schiedsleute werden für ihr Amt geschult durch Seminare beim Bund Deutscher Schiedsmänner und -frauen. Mindestens so wichtig wie Sachwissen ist jedoch die Fähigkeit, Menschen mit Empathie zu begegnen.

In welchen Fällen werden Schiedsleute in Anspruch genommen? Ist ein Anwalt erforderlich?

Die Mehrzahl unserer Fälle sind sogenannte bürgerliche Rechtsstreitigkeiten, die sich im Bereich des Nachbarrechts bewegen. Dazu gehört zum Beispiel das, was sich an Hecken und Zäunen zwischen Nachbarn abspielt. Wie das Beschneiden von Hecken und Bäumen, das Einhalten der Grundstücksgrenzen, das Vermeiden von störendem Lärm/Gerüchen. Auch für Strafsachen sind wir zuständig, zum Beispiel bei Körperverletzung, Bedrohung, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch oder Beleidigung. Man kann sich durch einen Anwalt vertreten lassen oder ihn zur Schiedsverhandlung als Beistand mitbringen.

Welche Rechtskraft hat ein Schiedsspruch?

Finden die Parteien für sich eine Einigung, die sie beiderseits akzeptieren, so nennt man das einen Vergleich. Der gilt 30 Jahre - ebenso wie ein erzielter Vergleich vor Gericht.

Kann Widerspruch eingelegt werden?

Nein. Die Natur eines Vergleichs besteht ja eben darin, dass eine Lösung erzielt wird, die von beiden Parteien, wenn nötig mit sanfter Unterstützung der Schiedsperson, ausgehandelt, schriftlich festgehalten und durch Unterschrift und Siegel bestätigt wird.

Müssen die Parteien einen solchen Termin überhaupt wahrnehmen?

Bei bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten ruht das Verfahren, wenn eine Partei nicht erscheint. In Strafsachen kann bei Nichterscheinen ein Ordnungsgeld verhängt werden. Eine entsprechende Belehrung darüber ist der Ladung zum Termin beigefügt.

Wie hoch ist die Erfolgsquote?

Die liegt bei über 50 Prozent. Laut einer großen Erhebung in Zusammenarbeit mit einer Universität vor einigen Jahren liegt sie damit sogar geringfügig über der Erfolgsquote der Gerichte.

Was ist das Schöne an diesem Amt?

Es mag banal klingen: Für mich ist es ein befriedigendes Gefühl, wenn sich zwei Personen einigen und das nach der Schiedsverhandlung durch Handschlag bekräftigen. Wieder eine Miniportion mehr Frieden in einer unfriedlichen Welt.

Gibt es auch eine hässliche Seite?

So krass möchte ich das nicht formulieren. Ich finde es enttäuschend bis befremdlich, wenn ich hin und wieder erleben muss, dass erwachsene Menschen sich unfähig zeigen, dem andern überhaupt in Ruhe zuzuhören.

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