In China: Wesco wittert große Chancen

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Peking. Egbert Neuhaus sprüht in Chinas Hauptstadt Peking vor Begeisterung. Der Chef des Haushaltswaren-Herstellers wittert hier große Chancen für seine Familienfirma. Chinas Mittelschicht wächst, auch wenn die Weltwirtschaft kriselt.

Experten sehen das auch so. Binnen zehn Jahren werde die Zahl der wohlhabenden Haushalte im Riesenland auf knapp 40 Millionen steigen, prognostizieren Experten. Das sei eine "enorme Kaufkraft". China, lange Werkbank der Welt, mausert sich zum interessanten Absatzmarkt - auch für Wesco.

Der Sauerländer Hersteller poppigbunter Mülleimer hat ein klares Ziel. "Wir wollen der Mercedes bei den Küchenutensilien sein, aber nicht ganz so viel kosten", sagt Neuhaus allen Gesprächspartnern auf seiner einwöchigen Erkundungsreise: Journalisten, Verbands-Vertretern, politischen Funktionären.

Chinas Mittelschicht ist bereit, für Höherwertiges tiefer in die Tasche zu greifen. Wesco hat das bereits getestet. Der bisher in China erzielte Umsatz hat aber noch einen kleinen Anteil am Jahresgesamterlös von 34 Millionen Euro.

Seit etwa zehn Jahren arbeiten die Arnsberger mit dem Hongkonger Haushaltswaren-Hersteller Gainex zusammen. Steven Lien, Sohn des Firmengründers, kümmert sich seit einiger Zeit darum, dass Wesco-Produkte auch in China zu haben sind: Im Gainex-Geschäft in Hongkong zum Beispiel. Aber auch in einem Haushaltswaren-Laden in einem Pekinger Luxuseinkaufszentrum im Finanzviertel. Im Laden sind noch andere europäische Haushaltswaren zu finden - die Wesco-Ecke grenzt an ein Regal mit Bettwäsche und an eine Fläche mit Wäschegestellen.

Damit sind Neuhaus und Lien unzufrieden: "Eigene Läden müssen her." Geplant sind zwei Shops in Peking. In Hongkong öffnet bald ein eigener Laden. "Wir wollen auch in die Millionenstädte Nanjing, Shengzen, Schanghai", sagt der Wesco-Chef. Sein Ziel in den nächsten Jahren: 10 bis 15 Shops in China.

Zudem missfallen Neuhaus in der Pekinger Wesco-Ecke die - vom Ladeninhaber festgesetzten - Preise. "Die müssen in China runter." Zum Beispiel kostet ein Mülleimer, der in Deutschland mit 230 Euro zu den teureren gehört, umgerechnet etwa 520 Euro. Und noch etwas muss geändert werden: die Produktpalette. Bisher fertigt Wesco in den Werken in Hüsten und Sachsen neben Mülleimern Brotboxen und Küchenaccessoires. "Für den chinesischen Markt müssen wir kleinere Mülleimer fertigen", sagt Neuhaus. "Und Brotboxen braucht kaum jemand, dafür Vorratsbehälter für Reis."

Auf die firmeneigene, fünfköpfige Design-Abteilung kommt also einiges zu. Auf die zwei deutschen Wesco-Werke aber auch. Denn die Beschäftigten sollen den Löwenanteil der Haushaltswaren für den chinesischen Markt fertigen. Die Sachen werden dann nach China verschifft - das ist dank der Finanzkrise viel günstiger geworden, da die Schifffracht-Raten einbrachen. Neuhaus möchte aber nicht ausschließen, große Mülleimer, die für öffentliche Räume gedacht sind, irgendwann auch in China fertigen zu lassen - "zusammen mit der Familienfirma Lien". Die Hongkonger betreiben Werke in China.

Neuhaus weiß aber, dass die technisch aufwendige Fertigung in Deutschland viele Vorteile bietet: "Hier haben wir alles, inklusive der Qualität, unter Kontrolle", sagt er. Das ist in China wichtig, wie Neuhaus in Peking erfuhr. Bei einem Abendessen sagte ihm ein hochrangiger politischer Funktionär: "Deutsche haben ein gutes Image, denn sie sind zuverlässig und halten ihr Wort - ´Made in Germany´ ist hier etwas Positives."

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