Vatertagsfeiern

Im Kühlakku Schnaps geschmuggelt

Foto: WR

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Polizei und Rettungsdienste sehen mit gemischten Gefühlen dem Vatertag entgegen. Mehrere Stellen in Arnsberg und Sundern haben sich zu Treffpunkten entwickelt, zu denen Hunderte Wanderer strömen, um spontan zu feiern.

„Wir wollen den Leuten nicht den Spaß verderben”, sagt Sunderns Polizei-Chef Rudolf Figgen im WR-Interview. „Aber wir appellieren dringend an alle Teilnehmer, die Grenzen nicht zu überschreiten.”

Der Sorpesee bei Langscheid und der Hennesee bei Meschede gehören zu beliebten Zielen der Wandergruppen, die am 1. Mai und auch am Vatertag angesteuert werden. „Am Sorpesee waren zuletzt rund 600 Besucher, die sich spontan zu einer Abschluss-Party zusammenfanden”, weiß der Leiter der Sunderner Polizeiwache, Rudolf Figgen. Am Hennesee sollen es fast 3000 gewesen sein.

Was manchen negativ auffällt: Immer mehr Jugendliche trinken exzessiv, und der Müll, der nach den spontanen Partys hinterlassen wird, nimmt immer mehr zu. Einen ganzen Tag lang musste der Ruhrverband beispielsweise am Sorpesee mit mehreren Beschäftigten aufräumen. Weil die Partys in der Regel nicht angemeldet sind, kann auch niemand dafür haftbar gemacht werden. Daher appellieren die Grundeigentümer und die Polizei an die Teilnehmer, sich verantwortlich zu zeigen, keinen Müll zu hinterlassen — und vor allem was das Trinken von Alkohol angeht, kein schlechtes Beispiel für Kinder und Jugendliche zu sein.

2500 feiern in Dreihausen

Seit 19 Jahren bereits ist „Dreihausen” bei Bergheim das Ziel von Wandergruppen - und es werden immer mehr. „Im letzten Jahr waren etwa 2000 bis 2500 Besucher hier”, sagt Klaus Alteköster, Wirt der „Almhütte” und Veranstalter des Vatertagstreffens. Auch in diesem Jahr wird wieder mit etwa gleich vielen Gästen gerechnet.

Dabei ist die Open-Air-Party rund um die Almhütte weniger ein Treffen echter Väter: Discjockeys sorgen für Festival-Atmosphäre, und so strömen vor allem Jugendliche und junge Erwachsene dorthin. Mit Bier, Bollerwagen, und, so im letzten Jahr, einer leicht bekleideten GoGo-Tänzerin darauf.

Damit bei dieser organisierten Party nichts ausufert, hat Veranstalter Klaus Alteköster im Vorfeld mit Polizei und Ordnungsamt den Rahmen abgesprochen. 22 private Security-Mitarbeiter sind während der Party im Einsatz. Die kontrollieren das Gelände und den Zugang. „Dort gibt es dann auch Alkoholkontrollen — wer unter 18 ist, muss den Schnaps abgeben.”

Dabei ist das mit den Kontrollen gar nicht so einfach. „Voriges Jahr haben wir einer Gruppe junger Mädchen die Schnapsflaschen am Eingang abgenommen”, erinnert sich Alteköster. Doch im Laufe des Tages wurden die Mädels immer betrunkener — bis die Security feststellte, dass der Schnaps in die Kühlakkus gefüllt worden war, und sich die Mädchen damit abschossen.

Kontrollen wird es auch jetzt wieder geben — und dabei wird man auch darauf achten, wieviel Bier die Gäste mit auf die Almwiese bringen. „Gegen einen Kasten auf dem Bollerwagen habe ich ja nichts”, sagt Alteköster. „Aber im vorigen Jahr rückten Gruppen an, die hatten drei, vier 50-Liter-Fässer samt Zapfanlage dabei. Das wollen wir eindämmen.”

Interview"Feiern: Ja. Aber in vernünftigem Rahmen"

Die WR sprach mit Rudolf Figgen, Leiter der Polizeiwache in Sundern.

WR: Der 1. Mai und Vatertag sind beliebte Tage, an denen Gruppen manchmal feuchtfröhlich unterwegs sind. Was stört Sie aus polizeilicher Sicht daran? Rudolf Figgen: Nichts! Niemand will dies Brauchtum verhindern, niemand will den Gruppen den Spaß verderben. Aber wir wollen, dass das nicht aus dem Ruder läuft. Und das ist in den vergangenen Jahren immer öfter der Fall gewesen.

Können Sie ein Beispiel nennen? Am 1. Mai haben mehr oder weniger spontan an der Sorpetalsperre rund 600 vorwiegend junge Leute gefeiert. Am nächsten Tag blieben dort Müllberge liegen, die der Ruhrverband mit einem großen Kostenaufwand beseitigen musste.

Das ist aber dann doch eher ein Problem, das den Ruhrverband betrifft, oder? Sicher. Aber es ist ja auch nur ein Aspekt. Es gab brenzlige Situationen, was die Sicherheit im Straßenverkehr anging. Da war eine Gruppe, die auf einem fahrbaren Gestell einen Stromgenerator samt superlauter Musikanlage vor sich herschob. Nach Ende der Veranstaltung gingen sie, viele davon angetrunken, damit über die Landstraße zurück nach Hachen. Ich darf mir gar nicht vorstellen, was hätte passieren können, wenn in der Hexenloch-Kurve ein Motorradfahrer in die Gruppe gerast wäre, die dort unterwegs war. Wir sind mit den uns bekannten Jugendgruppen aber im Gespräch, um Rahmenbedingungen für die Zukunft abzustecken, damit so etwas nicht wieder passiert.

Zum Glück ist nichts passiert. Oder gab es in diesem Rahmen Verletzte?Schnaps macht bekanntlich aggressiv. Dies hat zur Folge, dass wir dann besonders in den Abendstunden immer wieder zu Schlägereien ausrücken müssen. Dass dies nicht ohne Verletzte abgeht, liegt in der Natur der Sache. Aber auch Unbeteiligte kommen zu Schaden. Bei der Party in der Nähe des Dammes tanzten im letzten Jahr ein paar Jugendliche „Pogo” — sie stießen sich gegenseitig hin und her, wie das dabei üblich ist. Dabei wurde eine ältere Frau aus Versehen angerempelt. Sie stürzte und zog sich einen Oberschenkelhalsbruch zu. Wer dafür verantwortlich ist, konnte aber leider bis heute nicht geklärt werden.

Gab es bei dieser Party keine Ordner oder Security? Nein — denn es gibt ja auch keinen Veranstalter, der so etwas organisieren könnte. Deshalb können wir als Polizei auch nur an alle Teilnehmer insgesamt appellieren, sich vernünftig zu verhalten. Gerade was das Trinken angeht - da sollten gerade die Älteren auch Vorbild sein. Es darf bei den Kindern und Jugendlichen nicht der Eindruck entstehen: „Hier ist es gesellschaftlich anerkannt, wenn man sich betrinkt. Also kann auch ich mich von der Welt trinken.” Feiern: Ja. Aber bitte in einem vernünftigen Rahmen.

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