Innovation

Ideenschmiede für smarte Forstwirtschaft sitzt in Neheim

Per Datenbrille Holz vermessen und Linien für den Schnitt festlegen: Ein Wissenschaftler der RWTH Aachen beim Betrachten des „Smart Forest Labs“. Reale Experimente sollen folgen.

Per Datenbrille Holz vermessen und Linien für den Schnitt festlegen: Ein Wissenschaftler der RWTH Aachen beim Betrachten des „Smart Forest Labs“. Reale Experimente sollen folgen.

Foto: Andreas Böhm, RIF

Neheim.  Mit der Datenbrille in den Wald: Wissenschaftler, Unternehmer und Forstleute entwickeln in Neheim digitale Lösungen für Waldarbeit der Zukunft.

Aus dem traditionellen Forstarbeiter mit Axt und Säge wird der „Smart Forst Worker“ der Zukunft mit sprachgesteuerten Geräten an seiner Seite und 3D-Brille auf der Nase. Die Realität liegt aktuell dazwischen, längst haben moderne Geräte Einzug in den Forst gehalten. Sie smarter zu machen, mit Sensoren auszustatten und zu vernetzen: Das ist das Ziel der Arbeiten im „Kompetenzzentrum Wald und Holz 4.0“.

Vor einem Jahr ist das mit sechs Millionen Euro geförderte Projekt gestartet. Wissenschaftler, Unternehmer und Forstwirte entwickeln gemeinsam technische Lösungen, um die Waldarbeit „sicher, effizient und produktiv für die Zukunft“ zu machen, erklärt Thilo Wagner, Leiter des Forstlichen Bildungszentrums in Neheim. Dort ist das neue und deutschlandweit einzigartige Kompetenzzentrum angegliedert.

Intelligente Systeme sollen die Forstarbeit erleichtern

„Geplant ist es, ein Smart Forest Lab einzurichten, in dem verschiedene Technologien angebunden und getestet werden“, sagt Frank Heinze, Projektleiter vom Dortmunder RIF Institut für Forschung und Transfer. Experimentiert wird zum Beispiel mit Mixed-Reality-Brillen, die den Forstwirten das Vermessen und Zersägen des Holzes erleichtern sollen.

Drohnen könnten in Zukunft vermehrt Informationen darüber liefern, in welche Richtung Bäume fallen, um die Sicherheit der Arbeiter zu erhöhen. Sie sei gerade in Zeiten von Klimawandel und Trockenheit im Wald ein wichtiges Thema, erklärt Wagner, denn mit der Trockenheit steigen auch die Gefahren durch herabfallendes Totholz.

Es geht es aber auch darum, Schäden im Wald zu verhindern. Maschinen könnten mit Sensoren ausgestattet werden, die die Bodenfeuchte im Wald messen. „So erhalten wir Daten darüber, welche Waldwege aktuell befahrbar sind“, erklärt Projektleiter Heinze. Per Ampelsystem wird dann angezeigt, welcher Weg trocken und gut befahrbar ist, bei welchem es auf das Gewicht des Fahrzeugs ankommt und welcher besser nicht befahren werden sollte, um eine Komprimierung des Bodens und Schäden am Wurzelwerk der Bäume zu vermeiden.

Was aktuell an Modellen im Miniaturformat getestet wird, soll in der nächsten Projektphase in die Realität umgesetzt werden. So will man die Forstarbeit erleichtern sowie sicherer und effizienter machen – Sorge vor Arbeitsplatzverlusten dadurch müsse jedoch niemand haben, versichert Wagner. Der Mensch bleibe bei der Forstarbeit unverzichtbar. Im Gegenteil liege die Hoffnung darauf, dass ein modernisiertes Berufsbild auch für mehr Interesse bei Nachwuchskräften sorgen werde.

Bundesweites Interesse an ersten Ideen

Die ersten Fortschritte und Ideen aus dem Sauerland sind gefragt. Vertreter des Kompetenzzentrums sind unter anderem an einen Runden Tisch zur Digitalisierung in der Forstwirtschaft berufen worden, auf Initiative von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner.

„Es geht vor allem um Vernetzung“, so Wagner. Das Team des Kompetenzzentrums präsentiert seine Ergebnisse auf großen Fachmessen und Tagungen bundesweit, ist aber auch regional und lokal vernetzt, zum Beispiel mit dem Digitalen Forum Arnsberg und anderen Unternehmen aus der Region.

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