Ehrung

Hüsten: Bundesverdienstkreuz für Arzt Dr. Hans-Heiner Decker

Der Hüstener Arzt Dr. Hans-Heiner Decker (rechts) erhält das Bundesverdienstkreuz aus den Händen von Regierungspräsident Hans-Josef Vogel (links).

Der Hüstener Arzt Dr. Hans-Heiner Decker (rechts) erhält das Bundesverdienstkreuz aus den Händen von Regierungspräsident Hans-Josef Vogel (links).

Foto: Wolfgang Becker

Hüsten.  Dr. Hans-Heiner Decker setzt sich als Bezirksleiter der Kassenärztlichen Vereinigung für Verbesserungen im Gesundheitssystem ein.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande wurde am Mittwochnachmittag der Hüstener Arzt Dr. Hans-Heiner Decker ausgezeichnet. Den Orden übergab Regierungspräsident Hans-Josef Vogel, der damit Deckers langjähriges ehrenamtliches Engagement in der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) sowie Deckers Einsatz für Flüchtlinge in Arnsberg würdigte. Unsere Zeitung sprach mit Dr. Decker über sein soziales Engagement.

Sie engagieren sich seit 1993 in verschiedenen Funktionen in der KVWL. 2005 wurden Sie Leiter der KVWL-Bezirksstelle Arnsberg. Was motiviert Sie für diese Arbeit?

Erfolgreiche ärztliche Arbeit hängt auch von einem guten Gesundheitssystem ab, in dem die Behandlung von Patienten integriert ist. Als Arzt kann man hier an Grenzen wie die Budgetierung von ärztlichen Leistungen stoßen, mit denen ich mich als politischer Mensch nicht einfach abfinden will. Wenn das System zu eng gezurrt ist und dadurch Patienten wie Ärzte belastet werden, will ich mich für eine Verbesserung des Systems einsetzen, auch wenn ich weiß, dass ich nur ein kleines Rädchen im bundesweiten Gesundheitssystem bin.

Was gehörte zu Ihren Erfolgserlebnissen, die sie ermutigt haben, sich weiter ehrenamtlich zu engagieren?

Schon vor einigen Jahren trug ich zur Neuregelung des Ärztlichen Notdienstes bei - und ich finde, dass wir ein gutes System etabliert haben. Im Hochhaus am Hüstener Karolinen-Hospital wurde eine Notfallpraxis für Patienten aus dem gesamten Arnsberger Stadtgebiet sowie aus Wickede und Ense eingerichtet. Aus allen drei Kommunen nehmen niedergelassene Ärzte abwechselnd den ärztlichen Notdienst wahr, der werktäglich nach Schließung der Hausarztpraxis sowie an Wochenenden und feiertags besteht. Die Häufigkeit, in denen niedergelassene Ärzte einen Notdienst übernehmen müssen, hat dadurch abgenommen. Wir konnten insofern den Beruf des Arztes im ländlichen Raum attraktiver gestalten, weil er nicht mehr so häufig mit Notdienst dran ist. In Ballungsräumen wie dem Ruhrgebiet gibt es deutlich mehr Ärzte, auf die die Anzahl der Notdienste verteilt werden kann. Wir haben hier für eine Annäherung zwischen Stadt und Land gesorgt.

Es gibt lange Wartezeiten auf einen Facharzttermin. Einer heimischen Patientin, die im März in einer Hautarztpraxis anrief, wurde für Oktober ein Termin angeboten.

Es wäre zu kurz gegriffen, nur die Anzahl niedergelassener Ärzte in einem Fachbereich erhöhen zu wollen. Das muss auch mit einem größeren Budget für diese Gruppe der Fachärzte begleitet werden, denn der Wunsch nach mehr Fachärzten in einem speziellen Bereich hat nur dann Sinn, wenn der zu verteilende Budget-Kuchen auch vergrößert wird. Ansonsten könnte ein zusätzlicher Facharzt nicht mehr Leistungen abrechnen als die schon vorhandenen Fachärzte. Die Facharztpraxen würden sich gegenseitig kannibalisieren. Im Endeffekt muss also mehr Geld ins System, was bekanntlich sehr schwierig zu erreichen ist.

Mit dem Bundesverdienstkreuz wird auch Ihr Engagement für Flüchtlinge gewürdigt. Wie ist Ihre besondere Beziehung zu Flüchtlingen entstanden?

Mein Vater ist damals im Krieg als Soldat aus Prag geflohen. Unsere Familie weiß, was Flucht bedeutet. Für mich war es selbstverständlich, dass ich 2015, als sehr viele Flüchtlinge nach Arnsberg kamen, Asylsuchende in der Notunterkunft ärztlich versorgte und auch Eingangsuntersuchungen vornahm. Ich wollte es aber nicht bei rein ärztlicher Versorgung bewenden lassen. Ich nahm fünf junge syrische Männer in unserem Wohnhaus auf, die ein bis zwei Jahre blieben. Noch heute habe ich Kontakt zu ihnen und helfe bei Bedarf.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben