Pferde in Panik

Liebesgruß per Hubschrauber - Stute verliert ihr Fohlen

Dieser SAR-Bundeswehr-Hubschrauber flog im Tiefflug über Holzen. Ein ungeborenes Fohlen starb, als die Pferde in Panik gerieten.

Dieser SAR-Bundeswehr-Hubschrauber flog im Tiefflug über Holzen. Ein ungeborenes Fohlen starb, als die Pferde in Panik gerieten.

Foto: Privat

Holzen.  Ein Soldat bringt seiner Freundin Blumen per Hubschrauber. Der Tiefflug versetzt Pferde in Panik: Eine Stute verliert ihr ungeborenes Fohlen.

Der extreme Tiefflug eines Bundeswehr-Rettungshubschraubers sorgt Holzen für Aufruhr. Das Manöver flog der Pilot nämlich nicht wegen eines Notfalls: Eine romantische Geste war anscheinend der Grund für die spektakuläre Aktion, die nicht nur einige Menschen vor Ort erschrocken hatte. Eine in Panik geratene Stute verlor ihr ungeborenes Fohlen.

Mann wirft Paket aus Hubschrauber

Es war ein sonniger Tag in Holzen. Die Stimmung in dem kleinen von Weiden und Wiesen umgebenen Dorf im Hochsauerlandkreis war vermutlich gelassen, den warmen Sommertemperaturen angepasst. Zunächst seien es die vibrierenden Fensterscheiben ihres Hauses gewesen, die eine Holzenerin aufhorchen ließen. Doch beim Blick nach draußen sah sie die Pferde auf ihrer hauseigenen Koppel wild umherlaufen, vor Panik seien sie später kaum zu beruhigen gewesen.

Der Grund war ein Hubschrauber, der sich am Ortsrand im extremen Tiefflug direkt über der Pferdekoppel der Holzenerin befand. Auf der Wiese unter ihm wartete eine Frau, der kurz darauf aus dem nur wenige Meter über dem Boden schwebenden Hubschrauber ein weißes Paket zugeworfen wurde. Wie sich nun herausstellte, waren Blumen darin, die Liebeserklärung eines 44-jährigen Rettungsfachmannes an seine Freundin.

Stute verliert ungeborenes Fohlen

Doch was als romantische Geste gedacht war, endete für eins der Pferde tragisch: Eine Stute verlor ihr ungeborenes Fohlen, die Holzenerin hatte die Pferde nach dem Ereignis tierärztlich untersuchen lassen. Sie schaltete einen Anwalt ein, um Regressansprüche geltend machen zu können.

Doch vor allem empörte sie die Absicht hinter dem Tiefflug: Weil es sich eben nicht um einen tatsächlichen Einsatz handelte, habe sie die Polizei informiert, die daraufhin Anzeige erstattete. Immerhin hätten die Konsequenzen noch weitaus gravierender sein können, wären die Pferde aus Panik etwa von der Koppel auf die viel befahrene Straße galoppiert, so die Holzenerin.

Dass ein Übungsflug der Luftrettung, wie sie vermutet, für private Zwecke missbraucht werde, sei nicht hinnehmbar. Auch nicht, dass sich der Pilot auf den Wunsch des Rettungsfachmannes eingelassen und den „Abstecher“ nach Holzen eingelegt habe. Für die Aktion hat sich der 44-jährige, der die Liebesbotschaft abgeworfen hat, später bei der Holzenerin entschuldigt. Wie sie sagt, habe ihm das Verhalten im Nachhinein sehr leid getan und er wisse, dass er Mist gebaut habe. Doch die Pferdehalterin sei immer noch entsetzt: „Wie kann man nur im Tiefflug über eine Tierweide fliegen?“, fragt sie sich. „Das ist doch streng verboten.“

Die Bundeswehr schweigt zu dem Vorfall

Ob das verboten ist und mit welchen Konsequenzen der Pilot sowie der Rettungsfachmann möglicherweise rechnen müssen, wird auch im Internet und insbesondere in sozialen Netzwerken heiß diskutiert.

Welches disziplinarische Verfahren die beiden tatsächlich zu erwarten haben, darüber hat die zuständige Pressestelle der Bundeswehr, die Division „Schnelle Kräfte“ aus Stadtallendorf, bisher keine Angaben gemacht. Aus Datenschutzgründen wolle man sich dort nicht zu laufenden Ermittlungen äußern, heißt es. Intern werde der Sache aber nachgegangen.

Von offizieller Seite der Bundeswehr wurde bislang auch noch nicht bestätigt, dass es sich bei dem Vorfall in Holzen um einen „zweckentfremdeten Übungsflug“ eines SAR-Hubschraubers gehandelt hat. Die Polizei hält sich auch noch mit näheren Auskünften zu dem Tiefflug zurück, hat aber inzwischen Ermittlungen wegen möglicher Verstöße gegen das Luftverkehrsgesetz eingeleitet. Recherchen unserer Zeitung bei der Luftaufsicht Münster, dem Luftfahrtbundesamt sowie der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen waren erfolglos. Die zuständigen Stellen verwiesen auf die Bundeswehr. Auf Nachfrage hieß es lediglich, dass es sich bei einem Tiefflug nicht um einen Flugunfall handle und es große Unterschiede zwischen dem zivilen und dem militärischen Flugbetrieb gebe

Hintergrund: Aufregung auch bei Flugmanöver in Olpe

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Hubschrauber der Bundeswehr in der Region für Aufregung sorgt: Bereits im August 2018 unterflog ein Hubschrauber eine Talbrücke des Biggesees in Olpe.

Hubschrauber unterfliegt Talbrücke
Hubschrauber unterfliegt Talbrücke

In einem Video wurde das Flugmanöver damals aufgezeichnet. Es zeigt, wie der Pilot einmal aus Richtung Sondern und einmal aus der Gegenrichtung kommend die Brücke unterquerte.

Es stellte sich heraus, dass der Hubschrauber „im Rahmen eines taktischen Ausbildungsfluges über den Bereich der Biggetalsperre flog“, wie ein Sprecher des Luftfahrtamtes der Bundeswehr in Köln sagte.

Das besondere Einsatz- und Anforderungsspektrum der Bundeswehr stelle an die Piloten hohe Anforderungen, hieß es weiter. Alle Bestimmungen seien damals eingehalten worden.

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