Gesundheit

Hochsauerlandkreis fördert junge Mediziner mit Stipendium

Marie-Luise MacKenzie (rechts) macht einen Teil ihrer Facharztausbildung in der Hausarztpraxis von Allgemeinmediziner Dr. Arnold Geueke.

Marie-Luise MacKenzie (rechts) macht einen Teil ihrer Facharztausbildung in der Hausarztpraxis von Allgemeinmediziner Dr. Arnold Geueke.

Bad Fredeburg.   Das Medizinstipendium des Kreises soll junge Ärzte in die ländliche Region locken. Viele der Bewerber kommen ursprünglich aus dem Sauerland.

Dass die verbockte Klausur hinter den Bauchschmerzen eines Patienten steckt oder wie lange jemand mit einer leichten Erkältung krankgeschrieben werden sollte, sind die Diagnosen, die Marie-Luise MacKenzie am Anfang ihres Praxisalltags nicht so leichtgefallen sind.

„Es waren ehrlich gesagt eher diese einfachen Sachen, die am Anfang eher herausfordernd waren.“ Denn das medizinische Wissen und typische Krankheitssymptome habe sie gut im Studium und im Praktischen Jahr als Ärztin im Klinikum Arnsberg gelernt.

Die 28-Jährige macht seit August ihre Facharztausbildung zur Allgemeinmedizinerin in der Hausarztpraxis von Arnold Geueke in Bad Fredeburg. Die junge Frau hat sich mit einem Stipendium vom Hochsauerlandkreis dazu verpflichtet, nach dem Studium in der Region als Ärztin zu arbeiten. „Man verpflichtet sich, für die gleiche Zeit im HSK zu arbeiten, wie man im Studium unterstützt wurde“, erklärt die junge Ärztin. Das seien bei ihr zwei Jahre gewesen.

Nachwuchs fördern

Durch den ersten Zeitungsartikel über das Stipendienprogramm sei MacKenzie auf das Angebot gestoßen – genauer ihre Tante. Das Stipendium sei eine sehr gute Unterstützung und auch eine finanzielle Erleichterung gewesen, sagt MacKenzie. „Neben dem Medizinstudium zu arbeiten ist kaum möglich.“ Das Programm des Hochsauerlandkreises könne sie weiterempfehlen. Es schränke die Bewerber nicht ein, denn die Absolventen hätten die Auswahl, in einem flächenmäßig großen Kreis zu arbeiten und würden sich durch das Stipendium nicht auf eine Stadt oder eine bestimmte Klinik festlegen.

Auch ihr Chef Arnold Geueke ist von dem Programm „begeistert“. Der Kreis fördere die Absolventen und bringe so benötigte Nachwuchsmediziner in den Kreis. „Und es nimmt natürlich auch den Druck“, sagt Geueke über die finanziellen Vorteile für Studenten.

An MacKenzies beruflichen Werdegang hätte sich zwar auch ohne das Stipendienprogramm nicht viel geändert, aber sie ist froh, diese Unterstützung gehabt zu haben.

Gute Betreuung in der Praxis

Die junge Frau stammt aus Menden und ist kein Fan von Großstädten. „Zum Studium habe ich mich für Tübingen beworben, weil die Stadt nicht so groß ist.“ Deswegen habe sie auch nicht in Bochum studieren wollen. Nach dem Abschluss an der Universität wäre sie wahrscheinlich in die Nähe ihrer Heimat Menden zurückgegangen. „Ich wäre sicherlich nicht so tief ins Sauerland gegangen“, meint die 28-Jährige.

Schon in der Schulzeit sei ihr aber klar gewesen, dass sie in der Allgemeinmedizin oder als Palliativmedizinerin arbeiten möchte. „Ich wollte nach meinem Praktischen Jahr in der Klinik unbedingt in die Arztpraxis“, schildert die junge Frau. Vor allem schätze sie die Abwechslung. Als Gynäkologe oder Kardiologie würde ein Arzt immer nur die gleichen Gebiete betrachten und nicht den gesamten Patienten. Geueke erklärt: „Die Niederlassung als Hausarzt ist einfach gelebte Medizin.“ Sie seien Familienmediziner, weil sie oft Vater, Mutter und Kind betreuen.

Einen weiteren Vorteil sieht MacKenzie auch in der guten Betreuung innerhalb der Arztpraxis, wenn sie einmal eine Frage zu einem Patienten habe, müsse sie nur ins Nebenzimmer gehen. Geueke betont, dass es am Anfang vor allem die handwerklichen Dinge des Berufes seien, die gelernt werden müssten. Zum Beispiel psychosomatische Symptome, also körperliche Leiden, die von seelischen Problemen verursacht werden, seien als Anfänger schwieriger zu erkennen. MacKenzie sagt: „Vor dem ersten Hausbesuch wusste ich auch nicht genau, wie ich mich richtig verhalte.“ Denn man komme in die private Umgebung eines Patienten.

Stammpatienten für MacKenzie

Mittlerweile habe Marie-Luise MacKenzie schon ein paar Stammpatienten, sagt Geueke. Die junge Ärztin findet an er Arbeit in der Hausarztpraxis schön, dass sie die Patienten und so auch ihre medizinische Vorgeschichte kennt. Wo sie nach ihrer Facharztausbildung und der Verpflichtung im HSK bleiben möchte, weiß MacKenzie noch nicht. Zunächst muss sie aber nach ihrer Ausbildung in der Landarztpraxis noch in der Inneren Medizin arbeiten. „Prinzipiell möchte ich im Sauerland bleiben“, sagt MacKenzie. Eine eigene Praxis als einzelne Ärztin kann sich die junge Frau nicht vorstellen, da sie den Austausch mit den Kollegen schätze. Zudem sei eine Einzelpraxis auch eine hohe Verantwortung den Patienten gegenüber.

Auch ihr Chef Arnold Geueke führt seit 1991 die Hausarztpraxis und die Kinderarztpraxis zu zweit. Mittlerweile arbeiten vier Ärzte in der Praxis. Geueke schätzt die Arbeit seiner jungen Kollegin und bildet sie gerne aus. Er bespreche täglich mit ihr die Vorgehensweise bei den Patienten und die Diagnosen der jungen Assistenzärztin. Doch der Mediziner denkt schon an die Zeit nach der jungen Ärztin und wünscht sich, dass er einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin für Marie-Luise MacKenzie finden kann und hat bereits mit der Suche begonnen.

HSK finanziert Medizinstipendium

Mit dem „Medizinstipendium HSK“ sollen junge Mediziner ins Sauerland gelockt werden, erklärt Dr. Peter Kleeschulte, Leiter des Kreisgesundheitsamtes. Kleeschulte ist Arzt für Innere Medizin und Vorsitzender des Vereins „DoctorJob“, der das Programm unterstützt.

Das Stipendium für Medizinstudenten werde komplett vom Hochsauerlandkreis finanziert. Studierende in dem Programm erhielten 500 Euro pro Monat. Der Verein betreue die Werbung für das Programm und organisiere Treffen mit den Stipendiaten. Pro Jahr unterstütze der Kreis fünf Stipendiaten, erklärt Kleeschulte. Insgesamt seien es im Moment 23, vier davon haben das Studium schon absolviert und praktizieren im Hochsauerland.

Es handele sich um ein fortlaufendes Programm. Das Stipendium richte sich an Studenten, die das Physikum bestanden haben. Dies sei in der Regel im vierten Semester. Die Bewerber müssten zudem an einer deutschsprachigen Universität studieren. Sie verpflichten sich mit dem Stipendium, nach dem Studium die gleiche Zeit, die sie gefördert wurden, auch im HSK zu arbeiten – in der Regel seien dies vier Jahre.

Kreis hofft auf "Klebe-Effekt"

Das Programm sei sehr erfolgreich, sagt Kleeschulte. „Wir haben bereits viele Kollegen gewinnen können, die im HSK verankert sind.“ Menschen, die in der Region verwurzelt seien, wüssten, was auf sie zukomme. „Sie kommen ganz bewusst zurück.“

Die Chance, dass sie auch nach der Zeit, die sie sich verpflichtet haben, weiter im Sauerland bleiben und arbeiten, sei daher groß. Kleeschulte spricht von einem „Klebe-Effekt“. So seien auch die meisten Bewerber für das Programm hier aus der Region, beispielsweise aus Schmallenberg, Ense, Meschede, Arnsberg, Sundern oder Olsberg. Die Stipendiaten seien für ihr Studium an verschiedenen Universitäten über das ganze Bundesgebiet verstreut.

Der Verein „DoctorJob“ setzt auf eine starke Vernetzung unter den jungen Medizinern aus dem Stipendienprogramm.

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