Gericht

Heftiges Wortgefecht im Arnsberger Raserprozess

Der Unfall ereignete sich am 1. August 2018 auf Bundesstraße 229 zwischen Hövel und Beckum, eine 70-jährige Frau aus Neheim verlor bei dem Unfall ihr Leben.

Der Unfall ereignete sich am 1. August 2018 auf Bundesstraße 229 zwischen Hövel und Beckum, eine 70-jährige Frau aus Neheim verlor bei dem Unfall ihr Leben.

Foto: Hartmut Becker

Hövel/Arnsberg.  Der inzwischen 14. Verhandlungstag im Raserprozess vor dem Schwurgericht endete abrupt nach einem heftigen Wortgefecht im Saal.

Ein kurzer Termin war der 14. Verhandlungstag im Raserprozess vor dem Schwurgericht. Dafür endete er umso heftiger nach knapp 40 Minuten. Die Emotionen schlugen bei Verteidigung und Staatsanwalt dermaßen hoch, dass sich die beiden Parteien wie Katz und Hund gegenüber standen und wild in den Saal riefen und sich gegenseitig Äußerungen verbaten. Vorsitzender Richter Klaus-Peter Teipel rief zur Mäßigung auf und brach dann - so war es im Vorfeld vorher vereinbart - die Sitzung ab. Die Opfer und ihre Angehörigen verließen den Saal erneut fassungslos.

Was war vorgefallen? Teipel hatte zuvor bekanntgegeben, dass die Kammer in der dreiwöchigen Pause

nicht untätig war. So habe man für den 18. November die ehemalige Freundin, eine Polizistin, des angeklagten Porsche-Fahrers aus Soest nochmals geladen: „Sie hat in der Zeitung von der Einlassung ihres ehemaligen Freundes gelesen, sich danach beim Staatsanwalt gemeldet“, verwies Teipel auf den 13. Prozesstag. Dort war die Mail an den Staatsanwalt, nach Protest der Verteidigung, verlesen worden. Gegenstand war der Fahrweg des Angeklagten von der Autobahnabfahrt Hüsten bis nach Beckum.

Von Amtswegen laden

Von Amtswegen habe man Interesse an einer neuerlichen Vernehmung der Polizistin, erklärte Vorsitzender Richter Teipel. In einem Email-Verkehr mit der Zeugin sei bekannt geworden, dass auch deren Tochter sowie der Lebensgefährte der Tochter Aussagen machen könnten. Daraufhin habe man auch diese zum 15. Verhandlungstag geladen, so Teipel.

Dem widersprach der Verteidiger des Porsche-Fahrers, Volker Cramer, auf das Heftigste: „Was sollen die Verwandten aussagen? Um welchen Vorfall geht es? Geht es um das Blitzen meines Mandanten in Beckum?“, fragte er die Kammer. Und antwortete selbst: „Gespräche um den Blitzer sind unerheblich.“ Dann setzte er nach: „Es verdichtet sich immer mehr der Eindruck, dass meinem Mandanten irgendetwas angehangen werden soll, koste es, was es wolle.“

200 Zeugen

Danach zerriss er die Zeugenladung noch deutlicher: Auch er könne schnell 200 Zeugen finden, die mit seinem Mandanten gesprochen hätten: „Und dann wird das Verfahren unendlich werden“, drohte er an. Gleichzeitig brachte er schon jetzt einen USA-Besuch seines Mandanten in dieser Zeit zur Sprache. Schließlich betonte Cramer seine Einschätzung: „Die Verwandten werden die Lügen stützen.“ Gleichzeitig zog er in Erwägung, dass die Aussagen der ehemaligen Freundin nicht mehr zu verwerten seien, da sie als Polizistin Pflichten habe, die sie nicht wahrgenommen hätte. Auch hier beruhigte der Vorsitzende Richter, dass sich am 18. November alles zeigen werde.

Weitere Antrag

Danach stellte Volker Cramer dann den Antrag, den Fahrer des Radarwagens aus dem MK nochmals zu laden. Staatsanwalt Klaus Neulken lehnte die neuerliche Vernehmung als nicht relevant ab. Das aber erzürnte die Gegenseite. Nun zerriss auch Constantin Kirschbaum, der Rechtsanwalt des Unfallfahrers aus Hemer (Audi), die Ermittlungsarbeit der Behörden: „Der Zeuge hat gesagt, dass er als letzten geblitzten Wagen einen roten Porsche sah. Er konnte aber nicht sagen, ob bei den zuvor gemessenen acht anderen Fahrzeugen ein Porsche war. Es sollte endlich auch mal entlastend ermittelt werden.“ Letztlich sei der Zeuge aus dem Radarwagen der einzige, der einen roten Porsche registriert habe: „Selbst mein Mandant sprach immer von einem silbernen Wagen, den er gesehen hat.“

Verteidiger sieht Hexenjagd

Rechtsanwalt Volker Cramer schob nach: „Es wird eine Hexenjagd auf meinen Mandanten gemacht.“ Von Anfang an sei alles getan worden, um einen Schuldigen zu finden. Seine Vorwürfe richteten sich gegen die Ermittlungsbehörden, die „schlampige Ermittlungen“ geführt hätten. Dem hielt immer wieder Staatsanwalt Klaus Neulken entgegen, dass das Wort „schlampig“ nicht in den Gerichtssaal gehöre. Vorsitzender Richter Teipel unterbrach dann die Sitzung, als nur noch wild durcheinander gerufen wurde.

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