Ausbildung

Fleischer: Ein Beruf mit ungeahntem Potenzial

Fleischer-Azubi Kai Sombrowskian seinem Arbeitsplatz in der Fleischerei Veh in Neheim. Grobes – und später feines – Zerlegen von angelieferten Fleischstücken ist nur eine Facette seines vielseitigen Berufes. Foto:Torsten Koch

Fleischer-Azubi Kai Sombrowskian seinem Arbeitsplatz in der Fleischerei Veh in Neheim. Grobes – und später feines – Zerlegen von angelieferten Fleischstücken ist nur eine Facette seines vielseitigen Berufes. Foto:Torsten Koch

Neheim.   Kai Sombrowski (21) lernt bei Veh in Neheim – und schätzt seinen sicheren und abwechslungsreichen Job als Fleischer.

Ein wenig kurios war seine Entscheidung für die Ausbildung zum Fleischer schon, räumt Kai Sombrowski ein – aber auf jeden Fall goldrichtig! Warum kurios?

„Weil ich mich ursprünglich in einem sozialen Beruf gesehen habe“, erklärt der 21-Jährige. Nach Grundschule und Realschulabschluss in Neheim „baute“ Kai in Olsberg das Fachabi, wartete danach in seiner neuen Heimat ­Meschede auf einen Studienplatz.

Aber dann kamen ernste Zweifel auf – irgendwie passte alles nicht mehr. Weil Kai ein zupackender Typ ist – und außerdem Geld verdienen will – war schnell klar: eine Ausbildung im Handwerk soll es sein! Stellt sich die Frage: „Warum ausgerechnet zum Fleischer?“

„Ich esse gerne Fleisch“, meint der junge Mann und lacht, „außerdem war ich einfach neugierig auf diesen Beruf.“ Ein Beruf, der im Hochsauerlandkreis derzeit allerdings mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen hat. „Das hat vor allem damit zu tun, dass viele Schulabgänger völlig falsche Vorstellungen damit verknüpfen“, weiß Heinrich Veh. „Viele denken leider, da stehst du täglich knöcheltief im Blut“, so der Neheimer Fleischermeister, der seit April 2017 Kais Chef ist:

„Ja, ich hab mich dort beworben“, erzählt der inzwischen wieder in der alten Heimat wohnende Azubi. Beim Ehepaar Veh hat er damals einen guten Eindruck hinterlassen: „Du machst drei Wochen Praktikum bei uns – und wenn’s passt, bilden wir dich aus“, waren schnell Nägel mit Köpfen gemacht. Und es passte! Als Seiteinsteiger kann Kai Sombrowski seine Lehrzeit sogar verkürzen, steigt nach den Sommerferien ins dritte Ausbildungsjahr ein. „Im September habe ich Zwischenprüfung, nächstes Jahr mache ich meinen Abschluss“, blickt er in die Zukunft. Eine Zukunft, die ungeahntes Potenzial aufzeigt. „Wenn es gut läuft, hoffe ich auf eine Festan­stellung“, so der angehende Fleischergeselle, „und habe dann einen sicheren Arbeitsplatz.“

Meisterschule, Studium im Bereich Lebensmitteltechnik oder ein Job als Fleischkontrolleur – mittelfristige Perspektiven gibt es reichlich. Doch schon jetzt wird es Kai nie langweilig: „Der Beruf bietet eine sehr große Bandbreite“ sagt er.

„Einmal pro Woche ist ­Berufsschule“

Gegen 6 Uhr morgens starten er und seine Kollegen in den Tag, der mit diversen Aufgaben ausgefüllt ist – definitiv jedoch nicht mit eigener Schlachtung: Rinder- und Schweinehälften werden an mehreren ­Wochentagen – frisch und aus der Region – angeliefert, müssen grob und später fein zerlegt werden.

Die Herstellung von vielfältigen Wurstsorten und von Spezialitäten für den Grill gehören ebenso zum Alltag wie Zusammenstellung ­besonderer Kundenaufträge oder ­Bestücken des Partyservices.

„Und einmal pro Woche ist ­Berufsschule“, ergänzt Kai ­Sombrowski, „im Berufskolleg am Eichholz.“ Er kommt noch in den Genuss kurzer Wege, während künftige Fleischerazubis zum „Theorie ­büffeln“ wohl nach Dortmund fahren müssen.

Offensives Werben um Nachwuchs

Wie gesagt, es herrscht im Hochsauerlandkreis derzeit wenig Interesse am Fleischerberuf, so ­wenig, dass dieses Fach in Alt-Arnsberg nicht mehr unterrichtet wird...

Um das zu ändern, geht Heinrich Veh in die Offensive: „Wir sprechen unseren Nachwuchs direkt an, auch in Schulen und auf Job­börsen, so der Neheimer, auch Obermeister der Fleischer-Innung Hochsauerland. Schließlich isst nicht nur Kai Sombrowski gerne Fleisch...

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben