Grundschul-WM

Eine Rarität: Drei männliche Lehrer an einer Grundschule

Grundschul WM Auslosung: St Michael-Schule

Foto: Ted Jones

Grundschul WM Auslosung: St Michael-Schule Foto: Ted Jones

Arnsberg.   An St.-Michael-Schule Neheim fiebern gleich drei Kollegen bei Grundschul-WM mit.

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Grundschule sucht Mann. Die Primarstufen der Stadt haben nämlich ein Problem. In den Kollegien mangelt es an männlichen Pädagogen. Grundschule ist fast allerorts Frauensache. Nicht aber an der Grundschule St. Michael in Neheim. Der Auslosung zu dem von unserer Zeitung in Kooperation mit dem Sportbüro der Stadt Arnsberg initiierten sportpädagogischen Projekt Grundschul-Weltmeisterschaft wohnten auch drei Männer als Lehrer der Schule bei.

Gute Quote

Drei von 18 – diese Quote kann sich sehen lassen. Fast alle anderen Grundschulen in Arnsberg und Sundern sind fest in Frauenhand. Die St. Michael-Schule weiß die Vorzüge zu schätzen. Und die liegen nicht daran, dass bei der Vorbereitung der Auslosungsfeier Männer die technischen Vorarbeiten an Beamer und Musikanlage durchführen können. „Einer Grundschule tut es einfach gut, wenn auch Männer die Kinder unterrichten“, sagt Schulleiterin Brigitte Bracht, „für die Kinder ist es wichtig, dass sie auch Männer als Vorbildcharakter erleben“. Das gelte insbesondere in einer Zeit, in der immer mehr Kinder nicht mehr in klassischen Familienverbänden leben und „vaterlos“ aufwachsen.

Für Andreas Wiengarn gab es zu seinem Beruf Grundschullehrer nie eine Alternative. „Ich wollte nie etwas anderes machen“, erzählt der 39-jährige Lehrer. Seit dem Jahr 2007 unterrichtet er an der St. Michael-Schule. Noch länger dabei ist Guido Roderfeld. Der 50-Jährige kam im Jahr 2001 an die größte Arnsberger Ein-Standort-Schule. Seit Beginn des laufenden Schuljahres ist mit Marc Werner auch noch ein dritter Mann im Kollegium.

Warum ist das andernorts nicht so? „Grundschule gilt immer noch als unattraktiv für Männer!“, bedauert Brigitte Bracht. In den Köpfen sei noch zu oft der Gedanke, dass Grundschule und Kindergarten nur etwas für Frauen sei. Guido Roderfeld, der an der St. Michael-Schule längst zum Inventar gehört, kann das nicht nachvollziehen. „Ich finde diesen Job schön“, sagt er. Schon immer sei er in der Jugendarbeit auf dem Lande in der KJG aktiv gewesen und habe dort Kinder und ihre Förderung im Blick gehabt.

Image-Problem

Auch er kennt das Image-Problem des Grundschullehrer-Berufs. „Einige meinen, diese Arbeit sei weniger wertvoll und wichtig als die an weiterführenden Schulen oder an Gymnasien“, sagt Schulleiterin Brigitte Bracht, „dabei bieten wir doch gerade an unseren Schulen die ganze Bandbreite des Lehrerberufs und müssen so innovativ wie kaum eine andere Schulform sein“. Sie ist jedenfalls froh, ihre drei Männer im Team zu haben. Das mache in der Stimmung innerhalb eines Kollegiums einen Unterschied und könne auch bei der Integrationsarbeit helfen. „Zu Beginn haben muslimische Jungen ab und an nicht den nötigen Respekt vor den Frauen“, erzählt Brigitte Bracht. Hier könnten Kollegen dann helfen sowohl die Kinder als auch deren Eltern die Spielregeln zu erklären. „Aber auch so sind wir als Männer wichtig als eine Bezugsperson für die Jungen“, meint Andreas Wiengarn.

Im Rahmen der Serie an Auslosungsveranstaltungen an den Grundschulen in Arnsberg und Sundern wurden jetzt jedenfalls unter dem Jubel der Kinder auch die ersten Männer zu „Nationaltrainern“ der Länder ihrer Klassen ernannt. Das ist ebenfalls fester Bestandteil der Zeremonie wie die feierliche Berufung der Kinder zu Mitgliedern „ihrer“ Nationalteams und Botschafter „ihrer“ Länder.

Das Grundschul-WM-Motto „Kinder entdecken die Welt“ ist bei der wohl multikulturellsten aller heimischen Schulen ohnehin schon Programm. Für die Neheimer St. Michael-Schüler geht die WM-Reise aber nach Lateinamerika. Zwölf süd- und zentralamerikanische Länder lagen im Lostopf - viele waren aber auch den doch so weltbewanderten Michael-Schülern noch nicht bekannt. Und so staunten sie bei der Präsentation über Indios, merkwürdige und wilde Tiere und außergewöhnliche Landschaften.

Weit oben auf der Wunschliste der Kinder stand Kuba mit seinen schönen Stränden. Die Fußball-Kenner unter den Kindern hatten andere Favoriten. Entsprechend groß war der Jubel bei der Klasse 2c und 2b, dass sie jetzt als Brasilien und Argentinien in die Qualifikationsspiele zur Grundschul-Weltmeisterschaft gehen werden.

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