Frauenhilfe

Dolmetscher müssen neutral sein

Lena Baader und Uschi Plenge von der Frauenberatungsstelle über ihre Arbeit mit Flüchtlingsfrauen und neues Fortbildungen für Dolmetscher.

Foto: Ted Jones

Lena Baader und Uschi Plenge von der Frauenberatungsstelle über ihre Arbeit mit Flüchtlingsfrauen und neues Fortbildungen für Dolmetscher. Foto: Ted Jones

Arnsberg.   Die Frauenberatung in Arnsberg berät seit 2015 mehr geflüchtete Frauen, die kein Deutsch können. Übersetzer brauchen Empathie und eine Schulung .

Seit den Flüchtlingsströmen 2015 hat die Zahl an Beratungen für geflüchtete Frauen zugenommen, erzählt Uschi Plenge, Diplompädagogin in der Frauenberatungsstelle. Die Sprache kann bei diesen Gesprächen eine Hürde sein. Denn nicht alle Hilfesuchenden sprechen Deutsch oder Englisch.

„Zuerst aktivieren wir unsere eigenen Fremdsprachenkenntnisse.“ Dies funktioniere oft bei Frauen aus afrikanischen Ländern, die auf Englisch beraten werden können, erklärt die Pädagogin. Wenn Frauen mit einfache Anliegen haben, wie „Was kann ich meinen Sozialbescheid verstehen?“, könnten die Beraterinnen auf Bekannte zurückgreifen, die übersetzten.

Kulturelle Feinheiten

Doch in der psycho-sozialen Beratung sei dies nicht möglich. Wenn Frauen in die Beratung kommen, die Gewalt oder sexuellen Missbrauch erfahren haben, müsse eine Dolmetscherin speziell ausgebildet sein, erklärt Plenge. Ihre Kollegin Lena Baader sagt, dass Übersetzter darauf achten müssten, neutral zu sein. Sie sollen sensibel und kulturspezifisch übersetzten. Die Frauenberatung Arnsberg hat dazu eine Fortbildung für Dolmetscher organisiert. Die Sozialpädagogin Sabine Rauch hat den 27 Teilnehmern erläutert, was sie bei ihrer Tätigkeit beachten müssen.

„Die Dolmetscher müssen wissen, für wen sie arbeiten“, sagt Baader. Für die Frauenberatung heiße dies, dass es eine Übersetzerinnen sein muss und kein Mann. Sie müsse sehr neutral bleiben können. Plenge führt aus: „Was bei der Polizei zum Beispiel wichtig ist, ist bei uns Fehl am Platz.“ Wenn eine Frau mit Gewalterfahrungen zu ihnen komme, solle sie nur das erzählen zu dem sie bereit sei. Denn für die Frauenberatung sei erstmal nur wichtig zu klären, ob die Hilfesuchende sicher und geschützt sei. Ihre Geschichte solle sie in ihrem Tempo erzählen können.

Würde eine Dolmetscherin die Frau, wie bei einer polizeilichen Vernehmung, nach Details fragen und zu einer Antwort drängen, sei dies für die Beratung schlecht. „Es muss das übersetzt werden, was gesagt wird“, erklärt Plenge. Wichtig sei immer, dass sich eine Übersetzerin ihrer Rolle bewusste sei. Sie soll „ein Sprachrohr“ sein und nicht in Beratungen eingreifen. „Dolmetscherinnen müssen auch Pausen aushalten und nicht reinfuchteln. Wie ,Ja, sag doch mal!’“, beschreibt die Pädagogin. Auch wenn solch ein Eingriff als Hilfe gedacht sei.

Offene Sprachstunde in Unterkunft

Ein wichtiger Punkt des Seminars sei gewesen, dass Dolmetscher auch ihre eigenen Grenzen kennen müssten. Ein Beispiel sei das Thema Homosexualität, was in einigen afrikanischen Ländern ein Tabu ist. Wenn ein Sprachvermittler damit selbst ein Problem habe, könne er ein Gespräch über dieses Thema nicht neutral wiedergeben und solle so einen Auftrag besser ablehnen. Ein kollektives Bewusstsein wie beispielsweise eine Kriegserfahrung bei syrischen Flüchtlingen und einem Dolmetscher aus Syrien könne hilfreich sein, um sich in die Person einzufühlen oder auch ein Hindernis.

Für die tägliche Arbeit der Beraterinnen sei es auf einer anderen Sprache mit Dolmetschern natürlich schwieriger. „Es ist einfach nicht so unmittelbar“, sagt Plenge. Doch nicht nur das Gespräch an sich, sondern auch die Sitzpositionen in einer Beratung, die übersetzt wird, sei wichtig. Die Frau dürfe sich nicht als Bittstellerin fühlen, sonder müsse sich wohl fühlen.

Die Frauenberatung bietet auch in der Flüchtlingsunterkunft selbst eine offene Sprechstunde an. „Dort arbeiten wir mit den Frauen auch kreativ“, sagt Baader. Sie spreche dort mit den Frauen über verschiedene Themen. Wenn sich eine Frau eine intensive Beratung wünsche, werde ein Einzelgespräch vereinbart. Mit Flyern in verschiedenen Sprachen erklären die Pädagoginnen ihre Arbeit.

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