Sauerland-Museum

Die Neandertaler sind zurück

Die Neandertaler sind da: Während stellv. Museumsleiterin Dr. Ulrike Schowe

Die Neandertaler sind da: Während stellv. Museumsleiterin Dr. Ulrike Schowe

Foto: Ted Jones

Arnsberg.   Die Altsteinzeit macht sich im Sauerland-Museum breit: Neandertaler ziehen ein. Und auch für die Frauenquote wird etwas getan.

Er ist zurück - nach rund 30.000-jähriger Abwesenheit. Und macht sich auf, bald wieder eine Höhle zu beziehen. Im Kellergewölbe des „Landsberger Hofes“. Dort wird künftig der Herr Neandertaler mit seiner hochschwangeren Lebensabschnittsgefährtin in der neuen Dauerausstellung des Sauerland-Museums seinen Wohnsitz nehmen. Das lebensechte Eiszeitjäger-Paar ist gerade aus der Herstellerwerkstatt eingetroffen.

Neandertaler haben starken Bezug zur Region

So wird nicht nur an Neubaukomplex und Neugestaltung des Museum-Altbaus gearbeitet, sondern ebenso an der neu konzipierten Dauerausstellung, die im Frühjahr 2018 eröffnet wird.

Eines der prägnantesten Exponate ist: der Neandertaler. Schließlich hat der „Homo neanderthalensis“ einst in der Region gelebt, gejagt, geliebt und auch den Tod gefunden.

Altsteinzeit liegt mit Balver Höhle direkt vor der Haustür

Letzteres zum Beispiel im Ringen mit Höhlenbären im nahen Balve. „Denn in der unwirtlichen Eiszeit haben die Neandertaler mit den Bären um diesen geschützten Wohnraum gekämpft,“ sagt Museumsleiter Dr. Jürgen Schulte-Hobein.

„Angesichts der enormen Funde bei den Grabungen 1938 in der Balver Höhle „liegt die Altsteinzeit praktisch direkt vor unserer Haustür“. Und sei daher in der Ausstellung entsprechend zu berücksichtigen.

Lebensecht

Was nicht ohne lebensechte Figuren geht. Dafür zeichnet Lisa Büscher verantwortlich, die in ihrer Berliner Werkstatt „lifelike“ nach neuesten forensischen Forschungsergebnissen zwei Neandertaler geschaffen hat: einen Jäger und eine schwangere Frau, die jetzt - zum Stückpreis von ca. 16.000 Euro - angeliefert wurden.

Lisa Büscher ist eine weltweit anerkannte Kapazität

„Die Nachbildungen sind sehr gut geworden,“ freut sich Schulte-Hobein über das Resultat künstlerisch-wissenschaftlichen Schaffens. Dies auch, weil die für ein modernes Museum enorm wichtige Qualität der Exponate stimme.

Was nicht verwundert. „Weltweit gibt es nur eine Hand voll Spezialisten, die Urzeitmenschen als lebensechte Modelle fertigen können. Davon in Europa nur drei,“ so stellv. Museumsleiterin Dr. Ulrike Schowe. „Eine ist Lisa Büscher.“

„Verstärkung“ kommt in moderner Kleidung

So darf man sagen: Die beiden Neandertaler sehen schon „verdammt“ gut aus. Und bald erhält das Duo sogar Verstärkung durch eine weitere Neandertalerin. Auch, um die Frauenquote im Museum anzuheben. Denn die Frauen, sagt der Museumsleitung, sehen in der Geschichtsdarstellung meist unterrepräsentiert.

Doch die Neandertalerin wird nicht etwa im „Fell“ daherkommen, sondern in der Kleidung einer Museumsaufsicht.

In der neuen Höhle wartet ein ganz alter Bekannter

„Weil wir zeigen wollen,“ so Schulte-Hobein, „dass der Neandertaler in seinem tatsächlichen Aussehen von uns modernen Menschen nicht so weit entfernt war, wie bislang angenommen. In entsprechender Kleidung würde er heute in einer Menschenmenge überhaupt nicht auffallen.“

In der Museums-Höhle, deren aufwändiger Bau im kommenden November beginnt, wartet auf Familie Neandertaler übrigens ein „Freund“ aus ganz alten Balver Zeiten: Höhlenbär „Hugo“. Mit gefletschten Zähnen.

Für Interessierte: Einen Einblick in die Arbeiten von Lisa Büscher bekommt man unter http://www.lifelike-figures.com

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