Corona-Tagebuch

Deutsch-Syrer bittet: „In Corona-Zeit füreinander da sein!“

Samawal Karkoutly aus Arnsberg zieht in Coronazeiten Vergleiche zwischen seiner alten Heimat Syrien und Deutschland.

Samawal Karkoutly aus Arnsberg zieht in Coronazeiten Vergleiche zwischen seiner alten Heimat Syrien und Deutschland.

Foto: privat

Arnsberg.  Deutsch-Syrer Samawal Karkoutly appelliert mit syrischem Sprichwort an Corona-Solidarität: „Ein kleiner Stein kann großen Wasserkrug stützen“

Der 44-jährige Samawal Karkoutly kam im Jahr 2012 aus Syrien nach Deutschland. In seiner Heimatstadt Damaskus arbeitete er als Finanzmanager. Seit 2017 besitzt er die deutsche Staatsbürgerschaft. In Arnsberg lebt er mit seiner Frau und zwei Kindern, ist vielfach ehrenamtlich engagiert und arbeitet als Teamleiter der Buchhaltung einer Immobilienfirma. Schnell lernte er nach seiner Ankunft in Arnsberg Deutsch und brachte sich die Sprache autodidaktisch und bei der Volkshochschule in Kursen bei.

Corona in Syrien

„Wenn man an die Menschen in Syrien denkt, wie sie in der Corona-Zeit versuchen zu überleben, kriegt man die Krise! Der Tod gehört dort zum Alltag. Allerdings machen sich die Leute nicht viele Sorgen wegen Corona. Nicht, weil sie daran nicht glauben, sondern weil sie andere Prioritäten haben. Man kann keine hygienischen Regeln beachten, wenn man zum Beispiel stundenlang zusammen mit hunderten von Leuten in einer Reihe stehen muss, um sein Brot kaufen zu können. Noch surrealer ist, wenn vor der Tür eines Labores Massen von Leuten nah aneinander stehen, damit sie einen Coronatest machen lassen können. Der Satz „Es geht um unsere Existenz“ hat dort eine ganz andere Bedeutung.

Die Menschen in Deutschland haben auch Sorgen, „um ihre Existenz“, wofür man vollstes Verständnis hat, da viele Betriebe dicht machen mussten und viele Menschen arbeitslos geworden sind. Allerdings sind die Vorteile in Deutschland hoch zu schätzen. Eine kleine finanzielle Hilfe könnte viel retten und ein kleiner Stein kann einen großen Wasserkrug stützen. Das sagt so ein syrisches Sprichwort. Als Kind, hat man gelernt, sein Lebensniveau mit denjenigen zu vergleichen, die ärmer als man selber sind, nicht mit denen, die reicher sind. So kann man die Gnaden besser erkennen und lernt, diese zu schätzen.

„Ich muss nur dankbar sein“

Als Syrer-Deutscher kann ich nichts dafür, dass ich alles zwischen Deutschland und Syrien automatisch und unbewusst vergleiche. Und wenn ich über Existenz spreche, muss ich nur dankbar sein, dass ich in Deutschland lebe, trotz aller Corona-Schwierigkeiten. Denkt mal nach, wie gut es Euch doch eigentlich geht während der Corona-Zeit trotz der ganzen Probleme.

Lasst uns füreinander da sein und uns gegenseitig unterstützen. Sei es eine kleine Bestellung bei einem Imbiss, oder eine Sporthose, die man kauft und diese dann vielleicht spendet. Auch wenn alle Läden wieder aufmachen dürfen, soll die Unterstützung nicht aufhören. Geht ein zusätzliches Mal pro Monat zum Friseur oder kauft dem Nachbarn ohne Grund beim kleinen Dekoladen drüben ein Geschenk.

Zu guter Letzt wünsche ich allen Menschen in Deutschland, Syrien und der Welt Frieden, Liebe, Wohl, Durchhaltevermögen, aber vor allem Gesundheit. Und immer erinnern, dass ein kleiner Stein den großen Wasserkrug stützen kann.“

Das Corona-Tagebuch will unterschiedliche Perspektiven von unterschiedlichen Menschen aus Arnsberg und Sundern auf die Corona-Zeit eröffnen. Erfahren Sie mehr hier in unserem Newsletter .

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