Bundestagswahl

Cronenberg sieht realistische Chance auf Mandat

Interview mit Carlo Cronenberg.

Foto: Ted Jones

Interview mit Carlo Cronenberg. Foto: Ted Jones

Müschede.   Der Unternehmer Carlo Cronenberg will in den Bundestag einziehen. Dafür hat er über die Liste der FDP gute Chancen.

Der Arnsberger Unternehmer und Kreisvorsitzende Carlo Cronenberg möchte wie einst sein verstorbener Vater Dieter-Julius für die FDP in den Bundestag einziehen. Bei der Bundestagswahl am 24. September steht er als Direktkandidat seiner Partei zur Wahl, kämpft vor allem aber um Zweitstimmen für die Liberalen.

Was macht einen erfolgreichen Unternehmer zu einem guten Politiker?

Carlo Cronenberg: Ein Unternehmer kann umsetzen und schätzt die Folgen einer Entscheidung gut ein. Gute Unternehmer erkennen zukünftige Entwicklungen, ziehen strategische Schlüsse daraus und können entscheiden. Das fällt klassischen Politikern oft schwer. Ein Unternehmer muss aber auch akzeptieren und lernen, dass man Kompromisse schließen muss, wenn man sich auf die Politik einlässt.

Was motiviert Sie, den HSK im Bundestag in Berlin vertreten zu wollen?

Das Sauerland ist meine Heimat. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass die Menschen im HSK Angst haben, hier im ländlichen Raum in den Bereichen Digitalisierung, Gesundheitsversorgung und Infrastruktur abgehängt zu werden. Da will ich ein neues Denken. Außerdem hatten die kleinen Unternehmer und Mittelständler, von denen es viele im Hochsauerland gibt, zuletzt im Bundestag keine Lobby mehr.

Mit welchen Erwartungen der Menschen im HSK sehen Sie sich konfrontiert?

Das Thema, das mir überall begegnete, war der Fachkräftemangel. Und das nicht nur bei den großen Unternehmen, sondern durch alle Branchen. Um hier Abhilfe zu schaffen, fehlt ein Einwanderungsgesetz. Die Bürokratie auf allen Ebenen nervt auch alle. Die Infrastrukturprobleme des ländlichen Raumes beschäftigen die Menschen ebenso.

An welchen Stellen in Berlin würden Sie als Bundestagsabgeordneter Akzente setzen wollen?

Es wird mir darum gehen, die mittelständische Wirtschaft zu stärken. Ich würde mich daher auch für den Wirtschaftsausschuss melden wollen. Im Haushaltsausschuss würde ich gerne an Steuerentlastungskonzepten mitarbeiten. Ein starkes Europa ist für mich ein Herzensthema, für das ich mich gerne im Europaausschuss einsetzen würde. Gerne würde ich aber auch Sozialpolitik machen. Ich weiß aber, dass die Vergabe der Ausschusssitze nicht immer ein Wunschkonzert ist.

Tut dem Land eine Große Koalition gut?

Nicht gut. In der plötzlichen Finanzkrise vor zehn Jahren war es sicher wichtig, dass das ganze Land hinter Entscheidungen steht. Da hatten wir eine Staatskrise, und da war es kein schlechter Umstand. Aber sicher nicht als dauerhaftes Modell. So hat man es sich bequem und die politischen Ränder stark gemacht. Es kommen riesige Umwälzungen auf unsere Gesellschaft zu. In einer großen Koalition werden diese nicht im erforderlichen Maße kontrovers diskutiert.

Wie definieren Sie gute Oppositionsarbeit?

Die Opposition kam zuletzt nicht mehr aus der Mitte der Gesellschaft. Das war nicht gut. Eine Opposition muss das Regierungshandeln kritisch hinterfragen und alternative Konzepte anbieten. Im nationalen Sinne muss man natürlich auch mal kompromissbereit sein. Auch vor Oppositionsarbeit sind wir nicht fies...

Wie realistisch schätzen Sie Ihre Chancen ein, in den nächsten Bundestag einzuziehen?

Ziel der FDP ist es, die dritte Kraft im Bundestag zu werden. Dafür setze ich mich als Kandidat ein. Auf Platz 14 der NRW-Reserveliste habe ich eine realistische Chance auf das Mandat. Wenn die FDP in NRW auf 8,5 Prozent der Zweitstimmen kommt, müsste ich es geschafft haben.

Der FDP-Wahlkampf ist stark auf Christian Lindner fokussiert. Wie stehen Sie dazu und wieviel Lindner steckt in Ihnen?

Ich habe meine eigene Kampagne gestartet, weil es mir wichtig ist, meine eigenen Akzente im Wahlkampf zu setzen. Rheinländer wie Lindner sind vielleicht rhetorisch besser, wir Westfalen sind bodenständiger. Wir ergänzen uns doch gut. Das trifft auch beruflich zu – Linder ist Politprofi, ich bin als Unternehmer ein Praxisprofi. Lindner ist ein begnadeter Wahlkämpfer. Das würde ich von mir jetzt nicht unbedingt sagen.

wp.de/btw2017

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