Homeoffice

Corona: Redaktion Arnsberg arbeitet im Ausnahmezustand

Veronika Szary - unsere Online-Expertin im Homeoffice. 

Veronika Szary - unsere Online-Expertin im Homeoffice. 

Foto: Veronika Szary / WP

Arnsberg.  Lokalredaktion Arnsberg/Sundern arbeitet während Corona-Krise unter experimentellen Bedingungen professionell und diszipliniert unter Hochdruck.

Kurz vor 12 Uhr mittags. Das Handy zur Hand, einen Link klicken, das Passwort eingeben und schon sitzen wir zusammen. Im digitalen Konferenzraum: In den Coronazeiten schalten sich die Redaktionsleiter unserer Zeitung täglich zusammen, um sich auszutauschen. Es geht vor allem um Themen der Arbeitsorganisation. Zum Schutz vor Ansteckung mit dem Virus und zum Verhindern der Ausbreitung hat sich der Arbeitsalltag der Redaktionen von einen Tag auf den anderen komplett verändert.

Homeoffice - ja, das war auch vorher in Einzel- und gut begründeten Fällen immer schon möglich. Jetzt aber sind alle elf Lokalredaktionen zwischen Arnsberg, Hagen und Bad Berleburg weitestgehend geräumt. Ebenso wie die Titelredaktion, das Online-Team und der BlattmacherDesk mit Blattmachern in Hagen. Fast alle Kollegen sind im Homeoffice. Nur wo nur noch eine Person in der Redaktion sitzt oder große räumliche Abstände möglich sind, bleiben Kolleginnen und Kollegen am angestammten Arbeitsplatz.

Diszipliniert und professionell

Alles ist anders. Wo sonst im persönlichen Austausch von Angesicht zu Angesicht Themen besprochen und entwickelt wurden, schaltet sich die Lokalredaktion nun telefonisch zusammen. Das alles läuft äußerst diszipliniert und professionell. Und doch merken wir im Team jetzt mehr denn je, wie sehr wir doch auch unsere leibhaftige Gesellschaft zu schätzen wissen.

Klar doch, wir sind vernetzt. Über Handy, E-Mail und interne Chatprogramme. Die schon zuvor eingespielte Nutzung dieser Instrumente zahlt sich nun in der Coronakrise aus. Die Redaktionen sind nicht nur handlungsfähig, sondern sie stellen sich durch kooperatives Arbeiten zwischen Blattmachern, Reportern, den Online-Spezialisten und der Chefredaktion den besonderen Herausforderungen der Coronalage und liefern zuverlässigen und verantwortungsbewussten Journalismus auf allen Kanälen.

Und auch unsere „Gegenüber“ passen sich an. Das Klinikum Hochsauerland lädt in diesen Tagen nicht mehr zur Pressekonferenz mit persönlicher Anwesenheit ein, sondern schickt den Link und die Einwahldaten für eine Video-Pressekonferenz zu. Recherche und Interviews machen wir - wo möglich - jetzt telefonisch, per Mail oder Whats App. Das Bild von sich lassen die Gesprächspartner machen oder schießen ein Selfie. Geht auch - soll aber natürlich kein Zustand sein. Nix geht am Ende über den persönlichen Kontakt.

Mehr als Chronisten

Wir machen unseren Job. Dabei sind wir doch in dieser Situation ja mehr als sonst nicht allein Chronisten einer Entwicklung, sondern auch Opfer. Wie unsere Leserinnen und Leser sind wir schockiert über die Bilder aus Italien, haben Angst vor dem Kollaps unseres Gesundheitssystem und eigener Erkrankung, sorgen uns um unsere Familien, Freunde, Kinder, Kollegen und unsere Eltern und Großeltern.

Da bedarf es trotz räumlicher Trennung auch ab und an aufmunternder Worte unter Kollegen. Und da tut es auch gut, wenn sich einer der Chefs zwischendurch mal persönlich meldet und schreibt: „Ich finde, dass wir gerade sehen, wieviel Engagement und Leidenschaft wir in den Redaktionen haben“, schreibt Torsten Berninghaus aus der Chefredaktion am späten Freitagabend in einer persönlichen Mail, „dass unter den Umständen solche Produkte entstehen, ist ein kleines Wunder!“. Es ist gut, dass wir alle viel im Gespräch bleiben, unsere Arbeit anerkennen und respektieren. Und da dürfen wir auch ganz wichtige Kollegen auf dem Weg von Ereignis und Nachricht zur Leserschaft nicht vergessen: Unsere Zusteller sind früh morgens trotz Corona zuverlässig unterwegs, als wollten sie sich gegen die Pandemie stemmen. Die Krankheitswelle hat sie zum Glück noch nicht erwischt. Homeoffice geht für sie nicht.

„Es ist alles etwas ungewohnt, die normalen Abläufe gestalten sich doch etwas langsamer. Doch allmählich arrangiere ich mich mit der ungewöhnlichen, aber leider wohl noch länger anhaltenden Situation“, so der Arnsberger Reporter Achim Gieseke. Vorsorglich hat er sich zu Hause einen weiteren Bildschirm angeschafft. „Was natürlich fehlt, ist der direkte Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen“, so Gieseke.

Zuhause bei mir lässt der Blick in den Garten die Coronasorgen nur für einen Moment vergessen. Gerade verabschiedet sich der Sohn zur Arbeit. Er arbeitet in der Pflege im Krankenhaus – er wird nahe dran sein an dem, was uns vielleicht noch erwartet. Ich bin heute lokaler Chef vom Dienst – bei mir laufen die Fäden der Reporter zusammen. Sie schreiben ihre Texte, liefern Bilder und bereiten den Inhalt online auf. Und das möglichst auf sicheren und stabilen Leitungen - viele Menschen unseres Unternehmen sind wie über all in der Wirtschaft im Homeoffice, da müssen Leitungsressourcen intelligent genutzt werden.Warum nicht alle Texte auf WP.de kostenlos sein können

Wasserfarbe an den Füßen

Neu ist die Situation auch für unsere Lokalsportredakteure. „In Zeiten der Coronakrise arbeiten wir im Homeoffice, haben aber auch die Sauerlandsport-Redaktion besetzt. Ich bin jetzt seit einer Woche von zu Hause aus aktiv – da kommt es zu kuriosen Situationen. Unsere Zweijährige freut sich ziemlich, dass Papa mehr daheim ist, stürmt schon mal das Arbeitszimmer und fordert lautstark, dass wir unsere Füße mit Wasserfarben anmalen sollen – während ich gerade ein wichtiges Telefonat führe. Dafür haben aber alle Verständnis“, erzählt Lokalsportredakteur Philipp Bülter.

Kleiner Kollege mit Papp-Laptop

Unsere Onlinerin Annika Rinsche hat ihren Sohn zu Hause. Der hat jetzt einen Laptop aus Pappe bekommen und fühlt sich nun schon wie ein echter Kollege. Andere Redakteure haben jetzt beim Arbeiten ihre Haustiere um die Füße – Hund und Katze finden das gut. Kollege Torsten Koch kann der Sache aber noch etwas anderes abgewinnen: „Zu Hause ist der Kaffee besser!“.

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