Risikopatienten

Corona in Neheim: Physiotherapie im Ausnahmezustand

In der Neheimer Physiotherapiepraxis „Trimed“ sehen sich Lukas Greis (links) und Tobias Nowack gemeinsam mit dem Team gut vorbereitet, einen ausreichenden Vorrat an Handschuhen, Mundschutzen und Desinfektionsmitteln konnten sie anlegen.

In der Neheimer Physiotherapiepraxis „Trimed“ sehen sich Lukas Greis (links) und Tobias Nowack gemeinsam mit dem Team gut vorbereitet, einen ausreichenden Vorrat an Handschuhen, Mundschutzen und Desinfektionsmitteln konnten sie anlegen.

Foto: Katrin Clemens

Neheim/Sundern.  Trotz der Gefahr durch das Coronavirus ist Physiotherapie für viele Patienten notwendig. Die Therapeuten verschärfen ihre Hygiene-Maßnahmen.

Einen Ausnahmezustand bedeutet die Coronakrise auch in der Physiotherapie. Die Therapeuten müssen die Hygienemaßnahmen verschärfen, Terminabsagen und Kursausfälle bereiten ihnen finanzielle Sorgen. Risikopatienten müssen wiederum für sich persönlich abwägen, ob sie die Therapien fortführen.

So auch Arnsbergs frühere stellvertretende Bürgermeisterin Rosi Goldner. Seit drei Jahren besucht sie regelmäßig die Neheimer Praxis „Trimed“. Mit ihren 75 Jahren gehört sie gleichzeitig zur Risikogruppe und hält sich gemeinsam mit ihrem Mann an die Empfehlung, derzeit besser zuhause zu bleiben. Einkäufe lassen sich die Goldner bringen. Wie aber mit der Physiotherapie verfahren? Diese Frage war für Rosi Goldner wie für viele andere Betroffene zunächst nicht einfach zu beantworten.

„Ich habe immer wieder abgewogen und auch mit den Therapeuten darüber gesprochen“, sagt sie. „Ich bin aber zu dem Schluss gekommen, dass ich auf Lymphdrainage und Krankengymnastik nicht verzichten will.“ Denn ohne die Therapien leide sie unter Schmerzen. „Ich bin absolut dankbar, dass der Betrieb aufrecht erhalten bleibt“, sagt Goldner. „Solche Einrichtungen sind sehr, sehr wichtig für viele Menschen.“ Dabei denke sie vor allem an Menschen, die noch viel dringender auf die therapeutischen Maßnahmen angewiesen seien als sie selbst, etwa Krebspatienten.

Strengere Vorschriften zur Hygiene

Wie andere sogenannte Heilmittelerbringer dürfen Physiotherapeuten nach aktueller Rechtslage nur noch medizinisch notwendige Leistungen erbringen, die ein Arzt verordnet hat. Und das auch in nur in Einzelbehandlung. „Kurse sind nicht mehr gestattet, aber die hatten wir ohnehin als Vorsichtsmaßnahme bereits eingestellt“, erklärt Lukas Greis, der die Trimed-Praxis gemeinsam mit Tobias Baader und Tobias Nowack führt. Für alle 19 Mitarbeiter der Praxis hat sich der Arbeitsalltag bereits drastisch verändert.

„Wir haben praxisintern Teams gebildet, die wochenweise im Wechsel arbeiten“, erklärt Nowack. Für den Fall, dass ein komplettes Team beispielsweise in Quarantäne müsste, wäre also immer noch ein zweites einsatzbereit. „Wir sind gut vorbereitet, auch mit hygienischen Mitteln, um den Betrieb aufrechtzuerhalten“, sagt Greis.

Für alle Therapeuten im Haus gelten jetzt strengere Hygienemaßnahmen, um eine Verbreitung des Coronavirus zu verhindern. „Wir haben ohnehin ein hohes hygienische Niveau, um Risikopatienten möglichst wenig Gefahren auszusetzen“, sagt Nowack. Nun tragen die Therapeuten Handschuhe und Mundschutz, die Empfangstheke ist mit einer zusätzlichen Schutzwand ausgestattet worden, Oberflächen und Türklinken werden häufiger desinfiziert als normalerweise.

Warten auf finanzielle Hilfen

Gerade Schmerzpatienten, Menschen mit neurologischen Erkrankungen und Patienten in der Krebsnachsorge sind auf die Therapien angewiesen. Das sieht auch die Sunderner Physiotherapeutin Miriam Nagel so. „Bei manchen Patienten müsste man quasi bei null anfangen, wenn die Therapie über mehrere Wochen ausfallen würde“, sagt sie. Deshalb macht sie weiter auch Hausbesuche, trägt Handschuhe und desinfiziert zusätzlich noch häufiger als sonst die Hände, die schon jetzt darunter leiden.

Trotzdem ist sie als Solo-Selbstständige genau wie die Therapeuten in der Neheimer Praxis von vielen Terminabsagen betroffen und sieht sich bereits einer finanziellen Gratwanderung gegenüber. In Neheim sagen die Geschäftsführer, dass sie die aktuelle Situation finanziell über einige Wochen tragen können, aber nicht als Dauerzustand. Deshalb hoffen sie alle auf möglichst schnelle Nachsteuerung in der Politik, die bisher noch keine Hilfen für die Heilmittelerbringer in Deutschland beschlossen hat.

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