Internet

Chaos Computer Club in Arnsberg

Chaos Computer Club Köln zu Gast in Arnsberg

Chaos Computer Club Köln zu Gast in Arnsberg

Foto: WP

Arnsberg.   Samstagmittag. Die 250 Jahre alte Marienglocke im Glockenturm von Arnsberg schlägt zwölf. Drei Gestalten zucken zusammen: Umgeben von Kabelgewirr sitzen Anselm, Aras und Fabian in der Kuppel des historischen Turmes und zählen die Schläge.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Samstagmittag. Die 250 Jahre alte Marienglocke im Glockenturm von Arnsberg schlägt zwölf. Drei Gestalten zucken zusammen: Umgeben von Kabelgewirr sitzen Anselm, Aras und Fabian in der Kuppel des historischen Turmes und zählen die Schläge. Die drei bringen neueste Technik in das alte Gemäuer, um das Arnsberger Freifunknetz zu optimieren. Sie sind Teil einer fast 20-köpfigen Gruppe von Freifunk-Aktivisten und Mitgliedern des Chaos Computer Clubs (CCC) aus Köln, Berlin und Arnsberg, die am vergangenen Wochenende an der weiteren Ausweitung des Freifunk-Netzes arbeiteten.

Vernetzte Stadt

Mit einer Miniatur-Satellitenschüssel – einer Richtfunkantenne – versuchen die technikaffinen Studenten aus Köln eine Verbindung zu anderen Aktivisten aufzubauen, die Posten auf dem Gelände einer Fabrik am anderen Ende Arnsbergs bezogen haben. Auch anderswo im Stadtgebiet geschieht dasselbe: Auch vom Bringhof in der Hammerweide wurde eine Verbindung zum Rathaus in Neheim aufgebaut. Diese Verbindungen sollen eines Tages das Rückgrat des großen Arnsberger Freifunknetzes bilden, das schon jetzt eines der größten zusammenhängenden offenen Netzwerke Deutschlands ist und in Zukunft von Gierskämpen über die Rüdenburg bis nach Neheim allen Besuchern und Bürgern kostenlosen Zugang zum Internet verschaffen soll.

Zunächst allerdings soll das Netz auf drei Achsen in Alt-Arnsberg laufen: An Steinweg, Neumarkt und Altem Markt, wo das Netz seit Juli verfügbar ist, dann noch auf der Clemens-August Straße und vom Brückenplatz bis zum Gutenbergplatz.

Freies Internet für Jeden

Damit dieses Netz in Zukunft auch zuverlässig arbeitet, sind die Teilnehmer des Jugendprojekts U23 des CCC der Einladung des Verkehrsvereins Arnsberg gefolgt, um an der Optimierung des Arnsberger Freifunks zu arbeiten. „Die Idee hinter dem Freifunk-Projekt ist ja, das jeder Zugang zu einem Netzwerk haben soll, über das er sich mit Menschen austauschen kann, und das ohne Zensur und kostenlos“, so erklärt Anselm, der in Bonn Informatik studiert und im Freifunk-Verein KBU (Köln, Bonn und Umgebung) aktiv ist, die Philosophie hinter dem Projekt. Er spricht vom „digitalen Glas Wasser“, das man keinem ausschlagen solle.

„Unser Ziel ist die Digitalisierung des Standorts Arnsberg“, sagt Daniel Wagner. Mitglied im Freifunk-Verein und Ratsmitglied der Piratenpartei in Arnsberg. Konkret heißt das: Über das offene WLAN-Netz der Stadt kann in Zukunft jeder mit der richtigen technischen Ausstattung beispielsweise Musik vom Rechner zuhause aufs Handy streamen, um beispielsweise gemütlich im Freibad Storchennest Musik zu hören. Gottesdienste können aus den Kirchen in Altersheime übertragen werden, Einkäufe in der Arnsberger Innenstadt sind von Zuhause aus möglich und auch Behördengänge werden erleichtert. Sogar das Abschließen eines Internetvertrags könnte eines Tages überflüssig werden. „Prinzipiell ist das Ziel, dieselbe Geschwindigkeit zu bieten, wie die großen Internetprovider“, so Hans-Jörg Etzler vom Verkehrsverein Arnsberg zu dem Vorhaben in der Zukunft. Dies sei momentan hier aber technisch noch nicht möglich.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (1) Kommentar schreiben