Restrukturierung

BJB in Neheim kündigt Abbau weiterer 50 Stellen an

Der Strukturwandel in der Lichttechnik betrifft das Neheimer Traditionsunternehmen stark.

Der Strukturwandel in der Lichttechnik betrifft das Neheimer Traditionsunternehmen stark.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Neheim.  Das Lichttechnik-Unternehmen BJB Neheim verkündete den Abbau weiterer 50 Stellen an. Auch Weihnachts- und Urlaubsgeld steht zur Diskussion.

Beim Lichttechnik-Unternehmen BJB in Neheim müssen sich die Mitarbeiter offenbar auf weitere personelle Restrukturierungsmaßnahmen einstellen. Ende vergangener Woche suchte Geschäftsführer Philipp Henrici das Gespräch mit dem Betriebsrat und kündigte für Montagmorgen eine Belegschaftsversammlung an, auf der die Mitarbeiter des Traditionsunternehmens über nötige Maßnahmen informiert werden sollen. Wie diese aussehen, wollte Henrici am Wochenende noch nicht sagen. Zunächst sollte die Belegschaft am Montag informiert werden. Die erfuhr dann, dass bis zu weitere 50 Stellen so zeitnah wie möglich abgebaut werden sollen. Auch über das Weihnachtsgeld 2019 und das Urlaubsgeld 2020 müsse gesprochen werden. Die IG Metall zeigt sich „geschockt“ und verweist auf einen gültigen im Vorjahr ausgehandelten Tarifvertrag, der den Mitarbeitern bis Juni 2020 den Job garantiere.

Umsatzrückgang

Als Gründe nennt Geschäftsführer Philipp Henrici im Gespräch mit unserer Zeitung den aktuellen Umsatzrückgang von 83 Millionen im Vorjahr auf nun 76 Millionen Euro. Für das kommende Jahr werde sogar nur mit 74 Millionen Euro gerechnet. „Wir müssen alles tun, um die Ergebnisse zu verbessern“, so Henrici. Dazu gehöre auch das Drehen an der Kostenschraube. Verzögerte Projekt und aktuelle und sich anbahnende Konjunkturflauten in der Weltwirtschaft seien Ursache für die Umsatzrückgänge. Die Budgetierung für das kommende Jahr, so Henrici, müsse auf „einem realistischen Ansatz“ basieren. Es müsse konservativer als zuletzt geplant werden.

Sozialplan soll verhandelt werden

Philipp Henrici möchte nun mit dem Betriebsrat einen Sozialplan aushandeln. „Ohne wird es auch diesmal nicht gehen“, sagt er. Aktuell hat BJB am Standort Neheim noch 346 Mitarbeiter - konzernweit seien es rund 500. Die neue Personalabbau soll nicht allein Arnsberg treffen. Einschnitte werde es aber im Werkzeugbau geben. „Zwei Standorte können wir uns nicht mehr leisten“, so Henrici. Aktuell gibt es Werkzeugbau in Neheim und in Spanien. Henrici sieht eine Transfergesellschaft für betroffene Mitarbeiter möglichen Weg.

Strukturwandel ist zähes Geschäft

Ziel müsse es jetzt sein, die Umsätze zu stabilisieren und die Ergebnisse zu verbessern. „Wir haben viel erreicht mit unseren neuen Produkten“, so Henrici, „der Prozess des Strukturwandels ist aber schwer und zäh“. Aufträge und Projekte aus Amerika und im Bereich Optik hätten sich verzögert. Es würden zwar neue Projekte gewonnen, doch „wir verdienen erst Geld damit, wenn unsere Kunden mit den neuen Produkten auch Erfolg haben und Gewinn machen“, erklärt Philipp Henrici. Das könne bis zu eineinhalb Jahre dauern.

Ein Deja vu: Erst Ende vergangenen Jahres, kurz vor Beginn der Adventszeit, bot BJB 74 Mitarbeitern den Wechsel in eine Transfergesellschaft an. Für 28 Mitarbeiter sollte es Vorruhestandslösungen und Auflösungsverträge geben. Die Firma BJB trennte sich im Neheimer Werk von 102 Mitarbeitern. Hierfür hatte die Geschäftsleitung - wie bei vorangegangenen Personaleinschnitten - mit dem Betriebsrat einen Sozialplan ausgehandelt. Der Deal damals: 74 Mitarbeitern wurde der Wechsel in eine Transfergesellschaft zum 15. Dezember 2018 angeboten. Wer dieses Angebot nicht annehmen wollte, sollte betriebsbedingt gekündigt werden. Von 28 weiteren Mitarbeitern hat sich BJB bereits durch Auflösungsverträge oder Vorruhestandslösungen getrennt. Noch nicht entschieden war damals die Frage, ob die Firma BJB ihren Geschäftsbereich (Automation/Verdrahtungsmaschinen) outsourcen wird.

IG Metall verweist auf Tarifvertrag

Verbunden damit war aber auch ein neuer Tarifvertrag, der nach Auskunft der IG-Metall-Bevollmächtigten Carmen Schwarz, den Mitarbeitern finanzielle Einbußen abverlangt und zugleich eine Beschäftigungsgarantie bis Juni 2020 gegeben habe. „Wir waren erschrocken, als wir jetzt gehört haben, dass die wirtschaftliche Situation so schlimm ist“, sagt Carmen Schwarz. Sie wolle die Lage nun von einem externen Sachverständigen bewerten lassen, ehe die IG Metall ihr Vorgehen mit der Belegschaft abstimmen will. Für Carmen Schwarz sei die Verhandlung über einen Sozialplan eng an die Frage einer Öffnung des geltenden Tarifvertrags gekoppelt.

BJB zählte Ende im Neheimer Stammwerk mitte des vergangenen Jahres noch knapp 450 Mitarbeiter, weltweit sind es etwa 600. Im Verlauf des Jahres 2018 hatte Philipp Henrici immer wieder darauf hingewiesen, dass auch in 2018 mit „roten Zahlen“ und Verlusten zu rechnen sei. Jetzt läuft auch 2019 nicht wie geplant.

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