Autismus

Autismusambulanz: Damit der Alltag keine Stolperfalle wird

Das Team der Autismusambulanz Arnsberg (von links), Madlen Körneke, Stefanie Schmidt Sarah Gleie-Weber, Josefine Schmidt und Eva Sülzle, mit seinem Chef Ralph Post vom DRK-Ortsverband Hamm. Foto:Torsten Koch

Das Team der Autismusambulanz Arnsberg (von links), Madlen Körneke, Stefanie Schmidt Sarah Gleie-Weber, Josefine Schmidt und Eva Sülzle, mit seinem Chef Ralph Post vom DRK-Ortsverband Hamm. Foto:Torsten Koch

Arnsberg.   Fünfköpfiges Team der Autismusambulanz Arnsberg hilft – auch mit moderner Kommunikationstechnik.

Dan Aykroyd kennen viele aus Filmen wie Ghostbusters oder Blues Brothers – wenigen hingegen ist bekannt, dass der kanadische Schauspieler an Autismus leidet. Leidet? „Ich komme damit klar“, sagt der heute 66-Jährige.

Doch das trifft nicht auf jeden zu. Auch im Hochsauerlandkreis leben autistische Menschen – wer von ihnen Hilfe braucht, findet sie bei der regionalen Autismusambulanz des Deutschen Roten Kreuzes.

Schwerpunkt ist ambulante Betreuung

Vor zwölf Jahren im DRK-Kreisverband Hamm gegründet, gibt es inzwischen weitere Standorte – in Soest und Arnsberg. Vom Gebäude in der Hansastraße aus sind die fünf Mitarbeiterinnen des „Teams Arnsberg“ täglich im Raum Arnsberg/Sundern/Olsberg/Schmallenberg unterwegs, denn Schwerpunkt ist ambulante Betreuung – in Kindergärten, Schulen, im Elternhaus oder am Arbeitsplatz. Ein ebenso abwechslungsreicher wie fordernder Job: Keine zwei Menschen im Autismus-Spektrum sind gleich (mehr dazu im Infokasten).

Betreut werden von Arnsberg aus derzeit knapp 50 Menschen – im ­Alter zwischen zweieinhalb und 25 Jahren, mit Diagnosen wie Frühkindlicher Autismus, Atypischer Autismus oder Asperger-Syndrom. Die betreuenden Damen sind hoch qualifiziert; haben ein Universitäts- oder Fachhochschulstudium in Heil-, Sozial-, Rehabilitationspädagogik, Pädagogik oder Psychologie absolviert, sind außerdem autismusspezifisch fortgebildet. Im Alltag unterstützen können sie ihre Klienten am besten in deren gewohnter Umgebung – wie viel Fingerspitzengefühl dafür nötig ist, erklärt Teammitglied Sarah Gleie-Weber an folgendem Beispiel:

Unstrukturierte Tage

Einer ihrer Schützlinge ist 15 Jahre alt und besucht das Gymnasium; ein „schlaues Kerlchen“ mit zahlreichen Einsern im Zeugnis; doch es gibt Tage, an denen der junge Mann „unstrukturiert“ ist, wie er es selbst nennt. An schlechten Tagen kann das z.B. dazu führen, dass er sich plötzlich nicht mehr allein ankleiden kann. Diplom-Heilpädagogin Gleie-Weber und ihre Kolleginnen helfen ihren Betreuten, wieder Struktur in den Alltag zu bringen, entwickeln Pläne. Schwierig, weil Autisten nicht selten kaum sprechen und soziale Kontakte scheuen.

„Unterstützten-Kommunikation“

Um Bedürfnisse und Wünsche ­besser kommunizieren zu können, kann auch auf technische Kommunikationsgeräte zurückgegriffen werden: Diese Geräte reichen von einer simplen sprechenden Taste bis hin zu Tablets mit einer besonderen App, die Hunderte von Symbolen zur Auswahl und zum Kombinieren anbietet. Diese „Unterstützten-Kommunikation“, kurz UK genannt, steht ab sofort auch dem Arnsberger Ambulanzteam zur Verfügung. „Das DRK kann Betroffenen verschiedene Kommunikationsgeräte für alle Formen der Beeinträchtigung anbieten“, erklärt Ralph Post. Wer von der Autismusambulanz betreut wird, erhalte außerdem die Möglichkeit zur Ausleihe, so der Fachliche Leiter weiter. „Klienten oder deren Eltern ­können sie ausleihen und zuhause ausprobieren, um herauszufinden, mit welchem Gerät ihnen Kommunikation im Alltag am besten gelingt“, so Post während seines Besuchs in Arnsberg am Mittwoch.

Kompletter UK-Satz

Seinen Mitarbeiterinnen überreichte er einen kompletten UK-Satz: Das einfachste Gerät, ein „GoTalkButton“ spielt auf Knopfdruck einen kurzen Satz ab, der zuvor aufgesprochen wurde. Ein komplexer Button gibt bis zu fünf verschiedene Nachrichten wieder. Anspruchsvollere Geräte wie „GoTalk 9plus“ verfügen über neun Tastenfelder mit Bildern und Symbolen, die fünffach unterlegt sind und damit über 40 verschiedene Bezeichnungen liefern. Das erwähnte Tablet mit App ist der „Rolls Royce“ unter den Kommunikationsgeräten. „Das Konzept der DRK-Autismusambulanz hat auch die Aktion Mensch überzeugt, die das Projekt jetzt mit 5000 Euro gefördert hat“, freut sich Ralph Post. Seinem Team sind solche Geräte übrigens vertraut: Einige Klienten haben schon eigene angeschafft, unterstützt von den Krankenkassen.

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