Zukunft Pflanzen

Auf dem Arnsberger Lüsenberg ist Nachhaltigkeit gefragt

Birgit Bader und Martin Niedermeier vor einer Abgrenzung aus Totholz.

Birgit Bader und Martin Niedermeier vor einer Abgrenzung aus Totholz.

Foto: Martin Haselhorst

Arnsberg.   Der Schrebergartenverein setzt auf ökologisches Arbeiten und betreibt einen Projektgarten gemeinsam mit einem Kindergarten.

Kleingärtner genossen selten den Ruf, die Speerspitzen gesellschaftlicher Trends zu sein. Dem Gärtnern auf Parzellen haftete sogar eher etwas Rückständiges an. Heute weiß man es besser: Die Schrebergärten können eine wichtige Rolle in Sachen Umweltschutz und ökologisch nachhaltigem Gärtnern spielen. Ein Beispiel vom Arnsberger Lüsenberg.

An einem der schönsten Flecken Arnsbergs erstrecken sich die 42 Gärten der 77 Jahre alten Kleingartenanlage Lüsenberg am Hang entlang. Tolle Aussichten auf die gegenüber im Ruhrtal aufsteigenden Hügel und auf das in den Abendstunden angestrahlte Arnsberger Schloss. Und in direkter Nachbarschaft zu ohnehin schöner Natur mit Wald und Streuobstwiesen. Die Gärten sind kein Fremdkörper, sondern passen sich ideal ein.

Seit zwei Jahren Kooperation mit einem Kindergarten

Das liegt an kreativen Ideen des Vereins: Im zweiten Jahr betreiben die Lüsenberger Kleingärtner auf einer ihrer Parzellen einen Projektgarten in Kooperation mit dem Kindergarten am naheliegenden Marienhospital.

Zweimal wöchentlich in den Spitzenzeiten kommen die Kinder auf den Lüsenberg und arbeiten im Garten von Vorstandsmitglied Martin Niedermeier nachhaltig und ökologisch bewusst im Garten.

Gartenprodukte gemeinsam mit den Kindern verwertet

Sie pflanzen Bohnen, Kartoffeln, Kürbis und Zucchini. Im Garten finden sie Sauerampfer, Beeren und Tomaten. „Es ist ein klassischer Nutzgarten mit Gemüse ganz ohne Chemie“, sagt Martin Niedermeier, „und daraus haben wir mit den Kindern auch schon exzellente Eintöpfe gekocht“.

Unterdessen hat Vorsitzende Birgit Bader den Blick nur auf den Boden gerichtet. Und immer wieder findet sie etwas zum Reinbeißen. Mal nascht sie vom Bärlauch, beißt auf Gänseblümchenblüten („das sind falsche Kapern!“) und probiert den Löwenzahn und die Rosenblätter. „Es ist doch erstaunlich, was man in unserem Garten alles essen kann“, sagt sie. Auch das lernen Kinder im Projektgarten.

Das Schrebergartenwesen ist gesetzlich streng reguliert

Zugegeben: Eine Schlossparkgärtnerei findet auf dem Lüsenberg nicht statt. Ist aber auch übrigens gar nicht erlaubt. Das Schrebergartenwesen ist gesetzlich streng reguliert. Tatsächlich dürfen die Parzellen nicht rein für Ziergärten und Freizeitgestaltung genutzt werden. Nutzgartenanteile sind Pflicht.

Die Lage des Lüsenbergs bringt andere Aspekte mit sich. Da die Kleingartenanlage von ausgewiesenen Naturschutzzellen umgeben ist, dürfen auf dem Areal Bäume nicht wahrlos gefällt werden. Auch das trägt zur Naturbelassenheit der Anlage bei.

„Wir leben in der Natur“

„Wir haben hier kaum noch technische Gärten“, freut sich Martin Niedermeier, „die sind ja auch für die Natur echtes Gift“. Auch die Vorsitzende des Vereins freut sich darüber: „Wir leben hier mit der Natur“, sagt Birgit Bader. Zu Besuch kommen auch Rehe, Dachs und sogar Waschbär. „Und auch die haben ja ihre Berechtigung“, so Martin Niedermeier.

Klar - da knabbert das Reh auch schon einmal am Hochbeet. Und da holen sich auch Vögel und Igel das, was ihnen einen Garten zu bieten hat. Und doch schafft Martin Niedermeier auch für sie im Projektgarten Schutz- und Lebensräume. Anstelle eines Zaunes zu einer großen Nachbarwiese stapelt er Totholz zu einer Begrenzung. „Das ist gut für die Tiere“, sagt er.

Es findet auch ein Gedankenwechsel statt

Vor Jahren wäre das in einer Kleingartenanlage alles noch undenkbar gewesen. Heute ändern sich die Ansichten und auch Satzungen. So ist zwar Tierhaltung im Schrebergarten weiterhin verboten, jedoch dürfen jetzt einzelne Bienenstöcke aufgestellt werden.

Vor allem aber findet mit dem Generationen- auch ein Gedankenwechsel statt. „Die jungen Leute kommen mit ganz anderen Ideen und Ansichten“, sagt Birgit Bader.

Chemie ist verpönt

Sie haben auch ökologisch ganz andere Ansprüche und Vorstellungen. „Es gibt da bei uns nur noch ein paar wenige, die nach alten Methoden arbeiten“. Chemieeinsatz ist ohnehin schon über die Satzung verpönt.

Im Kleingartenverein Lüsenberg wird der Blick auf die Zukunft gerichtet. Familien werden in den Fokus genommen - und das gelingt auch über den Projektgarten, über die Kleingartenidee.

„Wir wollen gerne neue Pächter mit Kindern“

„Wir wollen gerne neue Pächter mit Kindern“, sagt Vorsitzende Birgit Bader und verweist auf den immer stark frequentierten Spielplatz direkt nebenan am Vereinsheim.

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