Waffenhandel

Arnsberger „Umarex-Prozess“ geht in Schlussphase

Der Neheimer Angeklagte hinterließ DNA-Spuren auf vielen gefundenen Waffen.

Der Neheimer Angeklagte hinterließ DNA-Spuren auf vielen gefundenen Waffen.

Foto: Guido Kirchner / dpa

Arnsberg/Neheim.  Arnsberger „Umarex-Prozess“ um Handel mit aus gestohlenen Waffenteilen montierten Pistolen steht vor dem Ende. Bald werden die Plädoyers verlesen.

Fünf von ehemals sechs Angeschuldigten – gegen einen wird wegen derzeitiger Erkrankung ein Verfahren später eröffnet – sitzen auf den Anklagebänken, neben ihnen jeweils zwei Verteidiger. Mit dem achten Verhandlungstag ist ein baldiges Ende des sogenannten „Umarex-Prozesses abzusehen. Ein 47-jähriger Mitarbeiter des Neheimer Unternehmens auf Bergheim hatte über Jahre Einzelteile von Schusswaffen entwendet und aus der Firma herausgeschmuggelt. Er montierte sie zuhause zu schussfertigen Pistolen und verkaufte sie an einen Zwischenhändler aus Menden, über den sie auch an einen 27-jährigen Hagener gelangten. Gegen diesen richtete sich jetzt hauptsächlich die Beweisführung.

Über 80 Waffen vermutet

Es ist die Rede von mindestens 80 Pistolen Walther P22 und vier PK 380 Pistolen, die der Neheimer auf den Markt gebracht haben soll. Den Weiterhandel in Hagen will der 27-Jährige Hagener betrieben haben, weil er Geld zur Befriedigung seiner Drogensucht benötigte. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung und einer angemieteten Garage fand die Polizei neben Waffen auch Utensilien zum Aufbau einer Cannabis-Plantage. Dieses Vorhaben bestritt der Mann aus Hagen.

Mit dem Zwischenhändler aus Menden hatte sich der Neheimer jeweils an dem Speiselokal „Alte Poststation“ in Wickede-Wimbern getroffen. Seine gekauften Pistolen wurden bei Polizeirazzien in ganz Deutschland gefunden. Man mutmaßt, dass sie bei Rockerkriegen eingesetzt wurden. Ein Sachverständiger des Landeskriminalamtes Düsseldorf bestätigte, dass man die DNA des Arnsbergers, des früheren Beschäftigten bei Umarex, und die des Hageners auf den Waffen gefunden habe. Von diesem auch auf Drogenutensilien.

Ein weiterer Gutachter, ein Psychiater, gab ein Gutachten über die Schuldfähigkeit des 27-jährigen Hageners ab. Nach eigenen Angaben habe er früh schon mit dem Konsum von Marihuana begonnen, später sei er auf Kokain umgestiegen. Labortechnische Belege dafür gebe es aber nicht. Er fühle sich wie ein Pulverfass, sei schnell gereizt, habe vergeblich versucht, sich umzubringen. Nach der Auswanderung aus dem Kosovo habe er den Realschulabschluss erworben und erfolgreich in einigen Berufen gearbeitet: bis er der Drogensucht verfiel.“

Es liege allerdings keine Persönlichkeitsstörung vor“, so der Gutachter, der es aber für nötig erachtete, den Probanden in einer Entziehungsanstalt (siehe Infobox) unterzubringen, weil die Gefahr besteht, dass er infolge seines Hanges weitere Straftaten begehen wird. Ansonsten attestierte der Sachverständige ihm volle Schuldfähigkeit. Mit der Vernehmung des Angeklagten aus Hagen und den beiden Gutachten wurde die Beweisaufnahme abgeschlossen. Am nächsten Verhandlungstag, dem 23. Januar, werden die Plädoyers des Staatsanwaltes und der Verteidiger erfolgen. Ob dann auch die Urteile gesprochen werden können, ließ der Vorsitzende Richter offen.

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