Wie Menschen Corona erleben

Arnsberger Corona-Tagebuch: „Ich lebe mit dem Risiko“

Thomas Sauerland: Der an MS erkrankte Neheimer lebt mit dem Riskiko

Thomas Sauerland: Der an MS erkrankte Neheimer lebt mit dem Riskiko

Foto: Privat

Arnsberg.  Thomas Sauerland aus Neheim leidet unter Multipler Sklerose und sitzt im Rollstuhl. In der Pandemie ist er daher besonders vorsichtig

Thomas Sauerland aus Neheim erhielt 1997 den Befund Multiple Sklerose (MS) – eine entzündliche Erkrankung des Zentralen Nervensystems, die das Gehirn und das Rückenmark umfasst und meist im frühen Erwachsenenalter beginnt. Der 51-jährige Informatiker erlebt die Pandemie im Rollstuhl. Seit fünf Jahren ist er für seine Mobilität notwendig. Für Sauerland heißt die Pandemie, sich noch mehr einzuschränken als andere Menschen. Er gehört zur Risikogruppe. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. In seinem Corona-Tagebuch steht vielleicht ganz was anderes als bei anderen. Schauen wir mal rein. Das Tagebuch von Sauerland beginnt schon im Februar 2020.

„Ich gehöre zu zwei Risikogruppen“

„Als die ersten Meldungen über Coronafälle in den Medien erschienen, dachte ich mir, da braut sich was zusammen. Es wird schlimmer als wir denken. Als am 16. März der Lockdown ausgerufen wurde, hieß es für meine Familie, wir müssen uns unbedingt gesund halten. Ich habe mich sehr oft mit meiner Familie im Garten an der frischen Luft aufgehalten. Seit März haben wir unsere Kontakte reduziert. Ich muss vorsichtig sein. Als die Schulen wieder geöffnet wurden, haben wir noch mal mit unseren Kindern über weitere Vorsichtsmaßnahmen gesprochen. Ich vertraue ihnen und sie halten sich daran. Es klappt super. Mein Hausarzt hat mich noch mal darauf aufmerksam gemacht, dass ich zu zwei Risikogruppen gehöre. Mein Aufenthalt an der Luft beschränkt sich auf unseren Garten und dem Gassi-Gehen mit unserm Hund. Ab und zu „gehe“ (mit dem Elektro-Scooter) ich noch in den Discounter. Damit ich mal eine andere Umgebung sehe.

Gassigehen und kleine Einkäufe mache ich nur zu ganz bestimmten Uhrzeiten. Zeiten, an denen nicht ganz so viele Menschen unterwegs sind. Dass es eine zweite Welle der Pandemie geben wird, habe ich schon im Mai vermutet. Ein gemeinsames Weihnachten können wir uns abschminken, sagte ich im Gespräch mit meiner Familie. Den Urlaub haben wir schon im März abgeschrieben. Wenn ich die ganzen Verschwörungstheoretiker sehe, kann ich deren Meinung nicht für voll nehmen. Jeder soll und darf seine Meinung haben. Sie sollten es aber so initiieren, dass sie keine weiteren Menschen anstecken und das Virus verbreiten. Für mich ist das purer Egoismus und meiner Meinung nach unsozial. Eine Maskenbefreiung, die mir empfohlen wurde habe ich abgelehnt. Ich kann nicht über Maskenverweigerer meckern und selber keine tragen. Da müssen wir durch.

Ich arbeite momentan im Homeoffice, telefoniere und mache Fernwartungen. Trotzdem gibt es Dinge, die lassen sich nur vor Ort machen. Da überlegt man schon, muss ich unbedingt dahin oder gibt es eine andere Möglichkeit. Beim Thema Impfstoff bin ich froh, dass die Forschung schon so weit ist.

„Ich bin kein Impfgegner“

Ich bin voller Hoffnung. Ich bin kein Impfgegner, aber trotzdem werde ich mich als Risikopatient mit MS nicht sofort impfen lassen. Ich habe gelesen, dass eine Studie unterbrochen werden musste, da sie bei einem Patienten Nebenwirkungen hervorgerufen haben soll. Er soll vermutlich MS-Symptome gehabt haben. Sonst habe ich alle Impfungen, die mich als MS-Patient schützen. Ich hoffe, dass auf der letzten Seite meines Coronatagebuches steht, alles gut überstanden.“

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