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Arnsberger Band Relations: Ein Blick hinter die raue Fassade

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Wer sind wir, was machen wir und warum lieben wir, was wir tun?

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Oeventrop.  Die Band Relations spielt Hardcore-Metal in ganz Deutschland. Michael Risse und Roman Lorusch erzählen, wie sie es so weit geschafft haben.

Auf der Couch im Proberaum sitzen zwei junge Männer, die zwischen den wilden Postern fast schon fehl am Platze wirken. Sie haben einen Bürojob in der Logistik oder sind Schichtleiter. Was die beiden aber verbindet, ist ihre Leidenschaft für Musik. Roman Lorusch und Michael Risse haben vor fünf Jahren ihre fünfköpfige Band „Relations“ gegründet und die ist alles andere als gewöhnlich.

Aber zurück zu den Anfängen: Risse spielt Schlagzeug, seit er acht Jahre alt ist. „Mein Vater hat hobbymäßig Schlagzeug gespielt. Wir hatten einen Raum im Keller gedämmt und ja, dann habe ich das auch mal ausprobiert“, erzählt der 28-jährige Neheimer. Später hat er dann versucht, seinen Musikgeschmack mit seiner Leidenschaft fürs Schlagzeug zu verbinden – wie auch sein Bandkollege Roman Lorusch.

Der 27-Jährige hat sich zwar mal an der Gitarre probiert, das sei aber „nicht seins“ gewesen. Stattdessen habe er sich als Jugendlicher mal am Singen und Songschreiben probiert und Gefallen daran gefunden. „Ich war von anderen Sängern begeistert und wollte das auch mal machen.“ Nicht so leicht, wie es vielleicht klingt, denn Lorusch liebt – wie auch Risse – Hardcore-Metal, eine Musikrichtung, in der gerne mal lautere Töne angeschlagen werden. „Und deshalb schreie ich nebenberuflich“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Hinter dem Scherz stecken mehr als leere Worte, auch wenn das Schreien auf der Straße und das auf der Bühne sich laut Lorusch mehr unterscheiden, als man denkt. „Ich habe viel geübt, um einen Weg zu finden, meine Stimme nicht kaputt zu machen.“

Vorurteile stimmen nicht

Wie verhält es sich denn mit den Vorurteilen, die bei vielen Leuten beim Namen „Metal“ im Kopf herumspuken. „Zwischen Hardcore-Metal und Metal gibt es einen großen Unterschied“, sagt Lorusch.

Hardcore sei aus dem Punk heraus entstanden, habe sich irgendwann mit Metal vermischt und diese einzigartige Musikrichtung kreiert. „Diejenigen, die zu den Hardcore-Shows kommen, kann man mit der Metalszene nicht vergleichen. Das sind keine langhaarigen Kuttenträger.“ Bandkollege Risse pflichtet ihm bei: „Klar geht es auf den Konzerten auch richtig ab, aber der Respekt ist immer da. Die ganzen Vorurteile mit viel Pöbeln und so, die kann ich nicht unterstützen. Für Außenstehende mag das vielleicht so aussehen, ist es aber nicht.“

Ausgleich zum Alltag

Denn egal, ob vor oder auf der Bühne: Für die meisten sind Konzerte der Ausgleich zum Alltag. Auch für die Band, die sich deshalb gerne öfter treffen würde, wenn die Schichtarbeiten ihnen nicht immer wieder einen Strich durch die Rechnung machen würden. „Im Probenraum können wir einfach Kopf ausschalten und loslegen“, sagt Lorusch.

Und wenn die Musik nicht helfen kann, haben die anderen Bandmitglieder immer ein offenes Ohr füreinander. „Wir sind Freunde“, stellen die beiden klar. „Ab und zu treffen wir uns auch einfach nur so oder sitzen nach der Probe noch auf ein Bier zusammen. Das gehört genauso dazu.“

Kleine Band auf großen Bühnen

Wie schafft man es, innerhalb von fünf Jahren so zu wachsen, dass man bereits auf vielen Bühnen Deutschlands gestanden hat? „Spielen, spielen, spielen“, sagt Lorusch. Die Hardcore-Metal-Szene sei familiär, da laufe ganz viel über Kontakte.

„Wir haben bei einem Konzert in Bremerhaven eine Nürnberger Band kennengelernt und uns gut mit ihnen unterhalten“, berichtet Risse. „Die haben uns dann nach Nürnberg eingeladen und jetzt laden wir sie zu uns ein.“ So einfach geht das manchmal, wenn auch nicht immer.

Gleichzeitig sei die Metal-Szene aber auch größer, als man vielleicht denken mag, sagt Lorusch. „Einer der großen Schwerpunkte dieser Szene befindet sich im Ruhrpott. Da gibt es ganz viele Hardcore-Metal-Bands.“ Im ländlichen Sauerland hingegen sehe das schon wieder ganz anders aus.

Als nächstes will „Relations“ im Osten spielen

Und wo hat „Relations“ schon auf der Bühne gestanden? „Wir haben eigentlich schon überall gespielt“, sagt Lorusch. Im Norden, im Süden, im Westen, in ganz vielen Städten von Deutschland. „Nur der Osten fehlt uns“, wirft Risse ein. „Da müssen wir uns mal mehr bemühen, dass wir auch da spielen können.“ Sein Bandkollege nickt zustimmend.

Außerdem sind sich die beiden in einer weiteren Sache einig: „Es ist auch so, dass Leute für uns auf ein Konzert kommen. Das ist echt eine tolle Anerkennung, aber es war ein langer und steiniger Weg dorthin für uns.“ Für „Relations“ hat er sich jedenfalls gelohnt.

Aus Zwei mach Fünf – Wie entstand die Band

Michael Risse und Roman Lorusch haben bereits in einer anderen Band gespielt. Als die aber getrennte Wege ging, haben sie die Band „Relations“ ins Leben gerufen. „Da haben wir 2014 und 2015 dann ein paar Leute mit an Bord geholt und das war’s“, erzählt Risse. Gemeint sind damit die Bandkollegen: Florian Schmidt als zweiter Sänger, Jakob Dannenberg an der Gitarre und Christian „Nudel“ Ludewig am Bass.

Ihr Gitarrist war schon in der ersten Band mit dabei, ihr zweiter Sänger ist ein guter Kumpel gewesen und ihren Bassisten haben sie schon als Jugendliche mit seiner damaligen Band spielen sehen. Dabei hatte die Band 2014 noch einen anderen Bassisten. Der hatte aber aus persönlichen Gründen keine Zeit mehr für die Band, auch wenn sie bis heute noch guten Kontakt pflegen und er immer mal wieder als Aushilfe einspringt.

Ihr jetziger Bassist Ludewig ist mit seinen 39 Jahren ein ganzes Stück älter als die übrigen Bandmitglieder, aber jung im Herzen. Die Chemie stimmte jedenfalls sofort, als die Band den Familienvater vor fünf Jahren fragte, ob er bei ihnen mitmachen will.

Ländliche Gegend ein Problem

Außerhalb des eigenen Freundeskreises Musiker zu finden, sei aber schwierig, wie Lorusch und Risse gestehen. „Relations“ hat lange nach einem zweiten Gitarristen gesucht, die Suche aber irgendwann aufgegeben. „Im Sauerland sind wir einfach zu ländlich“, sagt Lorusch. Da sei es schwer, passende Musiker zu finden, die auch Interesse hätten, Hardcore-Metal zu spielen.

„Und wir sind ja auch keine Band, die nur ab und zu ein wenig zusammen trommelt“, ergänzt Risse. Die Bandmitglieder versuchen zumindest alle zwei Wochen zusammen zu proben, wenn die unterschiedlichen Arbeitszeiten es zulassen, sie machen Konzerte in ganz Deutschland und haben 2018 ihr erstes Album „From Birth to Death“ (deutsch: Von der Geburt bis zum Tod) veröffentlicht.

Nicht nur ein sporadisches Hobby, sondern eine ernstzunehmende Leidenschaft, die natürlich auch ins Geld geht. „Da muss man bereit sein, auch mal ein wenig Geld zu investieren“, sagt Lorusch ehrlich.

Die anderen Teile der Serie HSKultur finden Sie hier.

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