Wildschweine

Arnsberg: Wildschweine sorgen für erhebliche Schäden

Josef Rickert auf seiner „durchgefrästen“ Wiese auf dem Arnsberger Lüsenberg. Hund Cora verschwindet in den tiefen Furchen.

Josef Rickert auf seiner „durchgefrästen“ Wiese auf dem Arnsberger Lüsenberg. Hund Cora verschwindet in den tiefen Furchen.

Foto: Wolfgang Becker

Arnsberg.  Jagdpächter Heinrich Kammer rechnet angesichts der Gesamtsituation noch mit einer deutlichen Zunahme von Schäden auf Wiesen- und Ackerflächen.

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Die von Wildschweinen angerichteten Schäden sind in Arnsberg erheblich angestiegen. Und Jagdpächter Heinrich Kammer geht davon aus, dass dies im weiteren Verlauf des bevorstehenden Winters „noch deutlich zunehmen wird“. Aus vielerlei Gründen.

Einer, der davon die Nase restlos voll hat, ist Josef Rickert: Schwarzkittel haben sein gepflegtes, etwa 3000 Quadratmeter großes Wiesengelände auf dem Lüsenberg seit September nun bereits zum siebten Mal völlig auf links gedreht.

„Fünfmal haben wir die große Fläche in mühevoller Handarbeit wieder hergerichtet“

Wie ein Übungsgelände, über das schwere Kettenfahrzeuge mit Tempo hinwegmarschiert sind. So lässt sich der aktuelle Zustand des Areals beschreiben, auf dem Josef Rickert und dessen Familie normalerweise die Ruhe des Naherholungsgebietes Lüsenberg genießen. Doch das ist vorbei. Derzeit überwiegt der Ärger. Und harte körperliche Arbeit.

Denn in den vergangenen Wochen haben Futter suchende Wildschweine die Oase der Familie Rickert mehrfach heimgesucht. „Und fünfmal, „sagt Josef Rickert, „haben wir die große Wiesenfläche in mühevoller Handarbeit wieder hergerichtet.“

Die Wildschweine kommen immer wieder - und machen jede Motivation zunichte

Vergebliche Liebesmühe: Die Schwarzkittel kamen schon zweimal zurück und pflügten die von Bäumen und einer properen Hütte bestandene Wiese an der Nordseite des Lüsenbergs um. Und zwar wieder gründlich. Und wohl nicht zum letzten Mal.

Doch nun haben Josef Rickert und sein insgesamt fünfköpfiges - darunter seine zwei Söhne - Helferteam resigniert:

„Wir haben uns bereits die vergangenen Samstage mit letztlich vergeblicher Arbeit um die Ohren gehauen. Doch nun fehlt uns allen einfach die Motivation.“

Das Wiederherrichten der Wildschwein-Schäden ist eine harte körperliche Arbeit

Denn eine derart verunstaltete Wiese lasse sich nicht mal eben wieder in einen vernünftigen Zustand zurückversetzen. „Man muss vielmehr die herausgerissenen Grassoden wie ein Puzzle mühselig zusammensetzen und dann noch festtreten. Das ist schon harte körperliche Arbeit.“

Auch eine Entschädigung, hat sich der Arnsberger kundig gemacht, sei nicht zu erwarten. „Dies wäre nur möglich, wenn wir etwas angebaut hätten. So aber müssen wir nun sehen, wie wir damit klarkommen.“

Lüsenberg-Anrainer hätte sich mehr Unterstützung vom Jagdpächter erhofft

Allerdings hätte sich Josef Rickert mehr Unterstützung von zuständigen Jagdpächter erhofft. Durch eine gezielte Bejagung. Doch der Jagdpächter habe sich angesichts der Gesamtlage außerstande gesehen, entsprechend einzugreifen. „Er hat uns lediglich gezeigt, wie man ein durchpflügtes Areal wieder herrichten kann. Mehr ist leider von dieser Seite nicht passiert.“

Jagdpächter: „Wir unternehmen alles Menschenmögliche“

Was Jagdpächter Heinrich Kammer auf Anfrage unserer Zeitung auch so bestätigt:

„Wir unternehmen zwar alles Menschenmögliche, um die Schwarzwildschäden einzudämmen, aber auf Wiesen und Äckern ist die Chance gering, dass man Wildschweine erfolgreich bejagen kann.“

Weil die nächtlichen Sichtverhältnisse an den Stadträndern schlecht seien und der Einsatz von Nachtzielgeräten und Taschenlampen bei der Wildschweinbejagung streng verboten sei. Was eine starke Einschränkung bedeute.

Nächtelang vergeblich angesessen

Zudem, so Kammer, könne man nicht Nacht für Nacht ansitzen, denn auch die Jäger - mit Ausnahme der Ruheständler - müssten schließlich tagsüber arbeiten.

Hinzukomme: „Wildschweine sind heute hier, morgen da. So dass man auch oft nächtelang vergeblich ansitzt.“

Bessere Chancen auf belichteten Flächen

Bessere Chancen zur Bejagung, erklärt Heinrich Kammer, habe man dagegen auf den besser belichteten freien Flächen im Stadtgebiet selbst.

So sei beispielsweise im ebenfalls stark in Mitleidenschaft gezogenen Eichholz um 2 Uhr morgens ein Wildschwein von einem Balkon herunter erlegt worden.

Sicherheit der Menschen hat Vorrang

„Doch das höchste Gut bei der Jagd ist die Sicherheit. Und eine innerstädtische Bejagung ist immer mit Risiko verbunden.“ Auch das dürfe man nicht vergessen, gibt der Jagdpächter zu bedenken.

Grundsätzlich aber, so Kammer, seien die von Schwarzwild durch Nahrungssuche angerichteten Schäden in diesem Jahr extrem, praktisch eine Fortsetzung des Seuchenjahres 2008. „Und es wird trotz vieler Jagderfolge noch zunehmen, weil der Wildschwein-Bestand weiter gestiegen ist.“

Die große Trockenheit in 2018 und 2019 sorgt für Nahrungsmangel im Wald

Der Grund für das Verhalten der Tiere: „Durch die große Trockenheit in 2018 und 2019 ist die Buchen- und Eichelmast in den Wäldern weggefallen. Daher suchen die Tiere jetzt ihre Nahrung auf Wiesen und Äckern.“ Und eben auch im unmittelbaren Stadtgebiet.

Vor diesem Hintergrund, räumt Heinrich Kammer unumwunden ein, gebe es auch nur wenig Chancen auf Wiederherrichtung der geschädigten Flächen im sogenannten befriedeten Gebiet. Weil die Ackerflächen Vorrang hätten.

So habe man gerade erst eine solche im Alten Feld wieder aufbereitet, nachdem dort die Wildschweine gewütet haben. „Aber für die Instandsetzung der innerstädtischen Flächen fehlen uns Zeit und Leute.“

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