Beziehungsdrama

Arnsberg: Messerstecher zeigt Selbstmordversuch auf Facebook

Der Prozess findet vor dem Schwurgericht statt.

Der Prozess findet vor dem Schwurgericht statt.

Foto: Olaf Fuhrmann

Arnsberg.  Ein Werler muss sich wegen versuchten Mordes an seiner 18-jährigen Ex-Freundin verantworten. Der Prozess startet holprig und sehr emotional.

Ein blutiges Beziehungsdrama vor dem Landgericht Arnsberg. „Ich kann nicht reden, ich muss raus“, sagte die junge Frau, als sie am Donnerstag vor dem Arnsberger Landgericht gegen ihren einstigen Verlobten aussagen sollte. Dem Werler wird ein gescheiterter Versuch vorgeworfen, sie umzubringen. Auch dem Angeklagten kamen die Tränen: entweder aus Reue oder der Aussicht, dass nach sechs Monaten Untersuchungshaft in der JVA Hamm eine deutlich längere Strafe folgen dürfte.

Wegen versuchten Mordes muss sich der 33-jährige Werler am Donnerstag verantworten. Er soll am 31. Mai versucht haben, seine 18-jährige Ex-Freundin in einer Hüstener Wohnung umzubringen .

. Laut Anklage der Staatsanwaltschaft näherte er sich dem Opfer nach einem Streit von hinten, packte ihren Kopf und verdrehte ihn in der Absicht, ihr das Genick zu brechen. Als das misslang, soll er ihr mit einem Messer angegriffen haben. Mit einem Küchenmesser mit einer acht Zentimeter langen Klinge versetzte er ihr zehn Stiche in den Oberkörper. Fünfmal traf er sie in den oberen Rücken im Bereich des Schulterblattes mit Schnitten zwischen 1,1 und 1,5 Zentimeter Breite, drei davon trafen die Brusthöhle. Weitere Stiche trafen den rechten Oberarm und die rechte Hüfte. Sie erlitt eine lebensgefährliche Verletzung der Lunge. Weil das Opfer laut schrie, kam eine weitere Person hinzu und der Täter ließ von seinem Opfer ab. Mit einer Notoperation konnte das Leben der Frau gerettet werden.

Zehnmal zugestochen

Nach den ersten Erkenntnissen zu der Bluttat am Pfingstwochenende ermittelte die Staatsanwaltschaft Arnsberg direkt wegen versuchten Mordes. Der zum Tatzeitpunkt 32-jährige Werler - ein irakischer Staatsbürger - so die damaligen Ermittlungsergebnisse - hatte sich am Sonntagmorgen um 5 Uhr von hinten im Badezimmer der Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in der Hüstener Wibbeltstraße an das damals 18-jährige Opfer herangepirscht und soll dann zehnmal zugestochen haben.

Zu diesem Zeitpunkt war die junge Frau - sie ist eine Serbin - nicht alleine in der Wohnung gewesen. Unter anderem sei ihr dreijähriges Kind und auch ihre 14-jährige Schwester vor Ort gewesen. Als die Schwester, den ehemaligen Freund des Opfers, stoppen wollte, so die Polizei damals, sei auch sie von dem Mann bedroht worden. Sie solle sich heraushalten, „sonst steche ich dich auch ab“.

Zuvor soll es in dem sozial-strukturell schwierigen Umfeld einen Streit über eine mögliche Fortsetzung der Beziehung gegeben haben. Die 18-Jährige konnte nach dem Angriff schwer verletzt aus dem Haus fliehen.

Not-Operation rettet Frau das Leben

Weil das Opfer laut schrie, kam eine weitere Person hinzu und der Täter ließ von seinem Opfer ab. Mit einer Notoperation konnte das Leben der Frau gerettet werden. Der Angeklagte sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Täter wollte sich selbst töten

Die Polizei schilderte dem Gericht die Lage am Tatmorgen in Hüsten: Da die von einer Zeitungsbotin gerufene Polizei nur schwer einschätzen konnte, was sie drinnen in der Wohnung erwartet, habe man kurzfristig sogar ein Sondereinsatzkommando rufen wollen, umstellte in jedem Fall aber das Gebäude, so einer der Beamten in seiner Befragung. Der Täter flüchtete in den Keller des Mehrfamilienhauses, nicht unbemerkt von den Beamten. Aufgrund der Blutspuren im Flur konnten sie ihm leicht folgen. Als sie ihn fanden, versuchte er gerade, seiner Selbstmorddrohung Taten folgen zu lassen und stach sich mit dem Messer mehrfach in Brust und Bauch. Erste Verletzungen hatte er sich bereits im Bad beigebracht und dies live auf Facebook gestreamt. Das Video wurde später von Facebook gelöscht. Die Beamten setzten ihn mit Pfefferspray schachmatt. Auch seine Lunge fiel dadurch zusammen, so die Rechtsmedizinerin, die beide -Täter und Opfer - an jenem und dem folgenden Tag untersuchte. Beide landeten mit lebensgefährlichen Verletzungen auf Intensivstationen in Arnsberg und Soest.

Start mit Verzögerungen

Zum Auftakt des Prozesses, der mit Verzögerungen begann, weil aufgrund von Plexiglasscheiben und Masken Verständnisprobleme auftraten und Mikrofone erst eingerichtet werden mussten, standen die Aussagen des Opfers. Nach dem emotionalen ersten Auftritt des Opfers zogen sich die Juristen zu einem Rechtsgespräch zurück, um der Frau vielleicht ihre Aussage zu ersparen. „Aber ich will aussagen“, gab sie, die als Nebenklägerin auftritt, ihrem Anwalt zu verstehen. Als es weitergehen sollte, meldeten die Gerichtsdiener den Anwälten des Angeklagten: „Ihr Mandant kotzt gerade.“ Auch das sorgte für Verzögerungen.

Erst Verlobung, dann Trennung

Die Beziehung, die blutig endete, begann im Verlauf des Jahres 2019. „Alles war schön, er war nie aggressiv, hat mir nie etwas getan“, sagte die junge Frau vor Gericht. Als sie 18 wurde, habe sie zu einer Verlobung eingewilligt. Einige Zeit später wollte sie ihrem Kind zuliebe zu dessen Vater zurückkehren. Der Iraker wollte das nicht hinnehmen. Er versuchte immer wieder Kontakt zu ihr aufzunehmen.

Zufälliges Treffen vor der Tat

Einen Monat nach der Trennung am Tatwochenende liefen sich beide in Werl offenbar zufällig über den Weg. Erneut sei der Angeklagte hartnäckig geblieben, sei gegen ihren Willen mit ihm in den Bus nach Arnsberg gestiegen und auch noch in die Wohnung gefolgt. Dort habe er auch den Bus zurück nach Werl warten wollen. Als er auf ihrem Handy ein gemeinsames Foto sah von ihr, ihrem Kind und dessen Vater, sei er durchgedreht. Er habe aus der Küche ein Messer geholt und gedroht, sich damit umzubringen. Sie habe ihn aufgefordert, das Messer zurück in die Küche zu bringen. Zurück im Bad, habe er zu ihr gesagt: „Schau mal da, am Fenster!“ Als sie sich umdrehte, habe er sie am Hinterkopf gepackt und erst mit der anderen Hand gewürgt, dann mit dem Messer auf sie eingestochen.

Der Täter ließ sich auf Rat seiner Verteidiger zunächst nicht ein. Die Verteidigung habe ein Gutachten zu spät erhalten und wolle daher die Vorstellung des Gutachtens vor dem Gericht zunächst abwarten. Das soll bei der Prozessfortsetzung passieren.

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