Umwelt

Arnsberg: Altlasten-Problem in der Lasmecke

Dieser Bombentrichter im Arnsberger Hasenwinkel soll in den Nachkriegsjahren als Müllkippe benutzt worden sein.

Dieser Bombentrichter im Arnsberger Hasenwinkel soll in den Nachkriegsjahren als Müllkippe benutzt worden sein.

Foto: Wolfgang Becker

Arnsberg.  Der HSK hat eine Teilfläche im Hasenwinkel ins Altlastenkataster eingetragen. Die Betroffenen befürchten einen Wertverlust für ihre Häuser.

Weil in den frühen Jahren der Bundesrepublik Umweltschutz noch ein Fremdwort war und mit der Entsorgung auch vor Ort in Arnsberg oft sehr hemdsärmelig umgegangen wurde, befürchten nun Anwohner im Hasenwinkel durch die Eintragung einer Teilfläche in das Altlastenkataster den Wertverlust ihrer Häuser und Grundstücke.

Betroffen sind acht Grundstücke an der Straße Lasmecke. Eine Gesundheitsgefährdung besteht laut HSK aber nicht.

Im November 2019 hatte der Hochsauerlandkreis als Untere Bodenschutzbehörde die betroffenen Anwohner über den Eintrag der Grundstücke in das Altlastenkataster informiert. Und dabei aber zugleich mitgeteilt, so Anwohner-Sprecher Stefan Sander, „dass die Belastungen keine unmittelbaren gesundheitlichen Gefährdungen darstellen würden“.

Stefan Sander: „Es tritt eine Entwertung der Immobilien ein“

Allerdings, und das bringt die Betroffenen auf die Palme, müssen aufgrund der Eintragung in das Altlastenkataster bei baulichen Veränderungen an den Häusern kostenintensive Maßnahmen wie die spezielle Entsorgung des Bodenaushubs getätigt werden.

Und anders als beim damaligen Erwerb der Grundstücke, sagt Sander, müsse bei einem Verkauf explizit auf die vorhandene Bodenbelastung hingewiesen werden. „Es tritt also eine Entwertung der Immobilien ein.“

Über die Verrohrung der Lasmecke existieren keine Unterlagen

Der Bach Lasmecke wurde in den 1950er bis 1970er Jahren Schritt für Schritt verrohrt und die Fläche auf einer Länge von ca. 330 und einer Breite von etwa 25 Metern mit verschiedenen Materialien unbekannter Herkunft verfüllt. „Vermutlich ohne wasserrechtliche Genehmigung,“ ist sich Dieter Hammerschmidt, Fachdienstleiter Umwelt der Stadt Arnsberg, ziemlich sicher.

„Es handelt sich hier wohl um einen sogenannten Bürgermeisterkanal, wie sie im Sauerland nicht selten sind: Ohne große Fragerei Rohre verlegen, verfüllen und alle nicken das dann ab.“ So sei es auch nicht verwunderlich, dass zu diesen Vorgängen keinerlei Akten, auch beim HSK nicht, zu finden seien.

Dieter Hammerschmidt: Stadt ist für wasserrechtliche Verfahren nicht zuständig gewesen

Für diese wasserrechtlichen Verfahren, so Hammerschmidt, sei aber auch die frühere Stadt Arnsberg nicht zuständig gewesen. „In den 1950er und 1960er Jahren war die Bezirksregierung Genehmigungsbehörde, ab den 1970ern der Kreis als Untere Wasserbehörde.“

Damit sei auch die Stadt für diese Vorgänge nicht haftbar zu machen. Zumal die betreffenden Flächen immer in Privatbesitz gewesen seien. „Von daher ist auch davon auszugehen, dass dort nicht ohne Einverständnis der Besitzer abgekippt worden ist. Aber den Unmut der Betroffenen kann ich gut verstehen.“

Martin Reuther: Untersuchungen lassen Rückschlüsse auf die die gesamte Fläche zu

Nach Erkenntnissen des Hochsauerlandkreises, erklärte dessen Sprecher Martin Reuther, erfolgte die Verrohrung der Lasmecke und die damit einhergehende Verfüllung mit verschiedenen Materialien unbekannter Herkunft.

„Aufgrund dieser Informationen wurde diese Altablagerung von uns zunächst als sogenannte Altlastverdachtsfläche eingestuft.“

Weitere Untersuchungen, „die Rückschlüsse für die gesamte Fläche zulassen“, hatten dann zur Folge, dass diese Fläche entsprechend den gesetzlichen Vorgaben als sogenannte schädliche Bodenveränderung in das Altlastenkataster aufgenommen wird. „Aber Hinweise auf die Ablagerung von Hausmüll liegen nicht vor.“

Grundbesitzer muss Einzelprüfung zahlen

Natürlich, räumt Reuther ein, könne eine Einzelfallprüfung mittels Detailuntersuchung für betroffene Grundstückseigner in Abstimmung mit dem Kreis erfolgen. Dies aber würde mit hoher Wahrscheinlichkeit zum gleichen Ergebnis führen. „Es sei denn, es würden auf dem Grundstück keine belasteten Materialien gefunden.“ Knackpunkt: Die Kosten der Einzelfallprüfung muss der Grundbesitzer zahlen.

Auch Grundstücke im Altlastenkataster, die nicht untersucht wurden

Das Eintragen der Gesamtfläche in das Altlastenkataster findet wenig Anklang bei den Anwohnern. „Besonders fragwürdig erscheint,“ so Stefan Sander, „dass in die definierte Altlastenfläche Grundstücke einbezogen werden, auf denen gar keine Bohrungen erfolgten. Man unterstellt schlechthin, stellt uns aber anheim, auf eigene Kosten den Gegenbeweis zu erbringen und sieht diese den üblichen Rechtsprinzipien widersprechende Beweislastumkehr als gerechtfertigt an.“

Hinweise auf regelrechten Deponiebetrieb an einem Bombentrichter

Ein weiterer Kritikpunkt: Im März 1945 entstand bei einem Großangriff auf die Stadt ein großer Krater im Bereich des Lasmecke-Mittellaufs. Dieser sei dann laut Augenzeugen nach und nach mit Schutt und Hausmüll verfüllt worden.

Und nach deren Beobachtungen, sagt Sander, habe sich auf diesem Gebiet mit der Zeit eine Deponie gebildet, die sogar von Stadtreinigungsfahrzeugen regelmäßig angefahren worden sei. Danach habe es sogar eine zuständige Person gegeben, der dort die Annahme reguliert habe. „Wir müssen also von einer mehr oder weniger professionellen Infrastruktur ausgehen.“

Stefan Sander: Spätestens beim Hausverkauf müssen Betroffene die Zeche zahlen

1955 sei dann der Trichterbereich vollständig verrohrt, die Fläche beigefüllt, planiert, in Baugrundstücke umgewandelt, geteilt und die Parzellen veräußert worden. „Auch Baugenehmigungen wurden erteilt.“ 1979 sei dann unter anderen die Verrohrung aus Bebauungsgründen auf Anforderung der Stadt noch einmal mit erheblichem finanziellen Aufwand der Eigentümer verlegt worden.

„Auch in dieser Zeit hat es noch niemand für nötig erachtet,“ schimpft Sander, „eine nachträgliche wasserrechtliche Genehmigung einzuholen und auch keine übergeordnete Behörde hat je Aufsicht geführt.“ Und die Zeche dafür müssten jetzt die Betroffenen zahlen. Spätestens bei einem Hausverkauf.

Verlangt wird ein Nachweis über die tatsächliche Höhe der Schadstoffbelastung

Stefan Sanders Fazit: „Als gutgläubige Erwerber eines Hauses sind wir jetzt in die Mühlen der Behörden geraten, die sich für nicht zuständig oder handlungsunfähig erklären. Ich glaube wohl, dass man damals unter dem Eindruck von Wohnungsnot gehandelt hat und die Umweltproblematik noch nicht im Mittelpunkt stand. Dass man uns nun im Stich lässt, sehe ich aber als ungerechtfertigt an. Eine Stadtverwaltung kann die Interessen der Bürger im Jahr 2020 nicht geringer einschätzen als vor 40 oder 50 Jahren.“

Sander verlangt daher einen Nachweis über die tatsächliche Höhe der Schadstoffbelastung. Liege diese unterhalb der Grenzwerte, fordere er, den Eintrag im Kataster zu löschen, liege sie oberhalb, möchte er die Kosten für einen Bodenaustausch ersetzt bekommen.

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