Amtsgericht Arnsberg

Angeklagter aus Ghana will plötzlich viele Jahre jünger sein

Überraschende Wendung im Prozess. Angeklagt ist eine Vergewaltigung.

Überraschende Wendung im Prozess. Angeklagt ist eine Vergewaltigung.

Foto: Ted Jones

Arnsberg.   Eine forensische Untersuchung soll jetzt das Alter des Angeklagten ermitteln. Die Anklage selbst lautet auf Vergewaltigung.

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Ist das Schöffengericht, vor dem ein Schwarzafrikaner wegen Vergewaltigung angeklagt ist, überhaupt zuständig?

Das fragten sich die verdutzten beteiligten Parteien, nachdem der junge Mann aus Ghana bei der vor Beginn der Hauptverhandlung üblichen Feststellung der Personalien behauptete, erst 18 Jahre zu sein. Selbst seine Pflichtverteidigerin und sein Wahlverteidiger waren überrascht.

Ausweispapiere angeblich bei der Flucht verloren

Seine Ausweispapiere, erklärte der Angeklagte, seien bei seiner Flucht aus Afrika verloren gegangen. Bis dato hatte er bei allen Behörden und Ärzten aber angegeben, im Jahr 1991 geboren zu sein, jetzt wollte er davon nichts mehr wissen. Und bei der Haftprüfung am 24. August 2017 hatte er dem Richter mitgeteilt, nicht zu wissen, wann er geboren ist.

Der Grund seiner plötzlichen drastischen Verjüngung, mutmaßen Prozessbeobachter, könnte sein: Wäre er tatsächlich 18 Jahre, müsste er vor einer Jugendstrafkammer angeklagt werden, wo dann ein eventuelles Strafmaß deutlich geringer ausfallen würde als vor einem Gericht für Erwachsene.

Staatsanwältin beantragt Altersfeststellung

„Es ist zu offensichtlich, dass ihnen das ihre Mithäftlinge in der Untersuchungshaft geraten haben,“ erklärte dazu die Staatsanwältin. Sie beantragte eine Altersfeststellung per Forensik, denn ohne Erkenntnisse über das wahre Alter des Angeklagten konnte man die Verhandlung nicht weiterführen.

Mann soll 18-Jährige in Wennigloh vergewaltigt haben

Der Ghanaer soll eine 18-jährige Frau, ebenfalls aus Ghana, von Dortmund in seine Wohnung nach Wennigloh gebracht haben. Dort sollte sie angeblich seine Wohnung putzen.

Dann aber, so der Vorwurf der Anklage, soll er gegen ihren erkennbaren Willen sexuelle Handlungen an der Frau vorgenommen haben, wobei er unter Gewaltanwendung mit der 18-Jährigen den Beischlaf vollzogen haben soll.

Aufgrund von Erkenntnissen war der Angeklagte vor Gericht an Händen und Beinen gefesselt und wurde von drei Wachtmeistern gesichert. Diese Behandlung missfiel ihm offenbar, denn zu Beginn und zum Ende des Prozesses wurde er laut und beschwerte sich offenbar über diese Behandlung.

Der Angeklagte ist HIV-positiv

Der Vorsitzende Richter ordnete schließlich die Altersfeststellung an. Sie wird im Gerichtsmedizinischen Institut Münster durchgeführt. Der Angeklagte ist zudem HIV-positiv.

Sollte die in Kürze weitergeführte Hauptverhandlung vor dem Schöffengericht ergeben, dass der Angeklagte sein Opfer durch die Tat in die Todesgefahr gebracht hat, liegt das Mindeststrafmaß bei fünf Jahren.

Dann würde das Schöffengericht, das Freiheitsstrafen nur bis zu vier Jahren aussprechen kann, den Fall aufgrund der veränderten Zuständigkeit an das Landgericht abgeben.

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