Serie „Auf’nen Kaffee“

Antoni über Polizeiberuf, Björn Höcke und SPD-Vergangenheit

„Auf'nen Kaffee“ mit Jürgen Antoni.

„Auf'nen Kaffee“ mit Jürgen Antoni.

Foto: Ted Jones

Arnsberg.   Beim Gespräch „auf’nen Kaffee“ setzt Landtagswahl-Kandidat Jürgen Antoni (AfD) auf leise Töne. Als politischer „Buhmann“ sieht er sich nicht.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

So richtig will das nicht zusammenpassen. Da die harschen und in der Vergangenheit bewusst provozierenden Töne auf der Facebookseite der Partei in Arnsberg, und hier der Mann, der sich mit der Redaktion „auf’nen Kaffee“ trifft und ruhig und sachlich argumentiert. „Manche Themen muss man durch Überspitzung und Polarisierung nach vorne bringen“, sagt Jürgen Antoni von der Alternative für Deutschland (AfD). Er kandidiert bei der Landtagswahl am 14. Mai für die AfD im Wahlkreis Arnsberg, Sundern, Eslohe und ­Schmallenberg um ein Direktmandat für das NRW-Parlament.

Opa war CDU-Ortsbürgermeister

Da saß er schon einmal in den Jahren 2009/2010. Als Nachrücker über die Liste erhielt der in Balve-Mellen groß gewordene Politiker das Mandat für die SPD. „Ich habe immer Interesse gehabt, politisch mit gestalten zu können“, sagt Antoni. Sein Opa war CDU-Ortsbürgermeister in Mellen.

Jürgen Antoni selbst war als junger Mann in die SPD Mellen eingetreten, als er sich gegen die Verbindungsstraße zwischen Mellen und dem Sorpesee engagierte. „Mein Großvater war ein Befürworter dieser Straße“, so Jürgen Antoni.

Über 20 Jahre in der SPD

Diesem Mann ist anzumerken, dass er sich ärgern und daraus Konsequenzen ziehen kann. „Wenn mich ‘was stört, dann erhebe ich mich“, sagt Jürgen Antoni (52). Das trieb ihn in die SPD, und das ließ ihn 20 Jahre später auch aus der sozialdemokratischen Partei austreten. „Ich war mit der Politik der SPD, vor allem beim Umgang mit der Polizei, nicht mehr zufrieden“, erinnert er sich.

Beim Thema Polizei kennt er sich aus. Jürgen Antoni ist Polizist bei der Kriminalpolizei in Dortmund. Der 52-Jährige lebt seit einigen Jahren in Arnsberg. Er ist verheiratet, hat drei Kinder. In der Regierungsstadt gehörte er im Jahr 2014 zu den Gründungsmitgliedern der AfD, für die er nun auch im Rat der Stadt Arnsberg sitzt. Was zog ihn zur AfD? „Bernd Lucke und die Europolitik – das hat mir gefallen“, sagt Antoni.

Bernd Lucke ist bei der AfD längst Vergangenheit, und auch um die eurokritischen Positionen ist es bei der AfD in der öffentlichen Wahrnehmung ruhig geworden. Die Partei hatte in der Vergangenheit scharf gegen Merkels Asylpolitik gewettert und sich so das Attribut des „Rechtspopulismus“ verdient. Nun muss Jürgen Antoni – ob er will oder nicht – in der politischen Szene der Stadt Arnsberg die Rolle des Buhmannes spielen. „Dieses Image wird von den Altparteien und einigen Medien gemacht“, sagt er.

Von öffentlichen Positionen seiner Partei distanziert er sich nicht. Als Mitglied des Landesvorstands kann er entscheidend am NRW-Parteiprogramm mitwirken. „Ich will Politik neu denken“, sagt Antoni, „weg von der Ideologie hin zum Pragmatismus“. Er rechnet damit, dass sich seine Partei mehr und mehr finden wird, wenn sie erst einmal in die Parlamente eingezogen ist.

Kritisierte rechte Extrempositionen der AfD, wie imm er wieder vom thüringischen AfD-Sprecher Björn Höcke geäußert, nimmt Jürgen Antoni nicht in den Mund, während er im Arnsberger Café Krengel in seinem Kaffee rührt. „Einen Höcke muss man aushalten“, sagt er aber und fügt hinzu, „ich weiß von mir, dass ich nicht Rechts bin!“.

Der Arnsberger will einen AfD-Wahlkampf in Arnsberg machen, in dem Jürgen Antoni wiederzuerkennen ist. Seine Themen sind Bildungspolitik („Ich sehe die Inklusion in der Schule als gescheitert an. Wir brauchen Förderschulen“) und die Innere Sicherheit. Er fordert die Bekämpfung der Einbruchskriminalität und eine Umstrukturierung der Polizei („Alles muss besser vernetzt werden“).

Gegen Überwachungsstaat

Politik und Beruf kann Jürgen Antoni in seinen Schlussfolgerungen nicht ganz trennen. „Der Polizeiberuf prägt“, sagt er, „wir bekommen gesellschaftliche Fehlentwicklungen sehr früh mit.“ Wichtig sei ihm aber auch der Austausch mit Menschen, die andere Blickwinkel haben. Den Überwachungsstaat will er nicht. „Ich halte nichts davon, wenn wir jetzt an allen Ecken Kameras haben“, sagt er, „Sicherheit darf nicht zum Nachteil der Freiheit erreicht werden.“

Täglich nimmt sich Antoni mehrere Stunden Zeit für die Politik. „Viele frühere Forderungen von uns sind von anderen Parteien schon übernommen worden. Man bewirkt ‘was“, sagt Jürgen Antoni.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben