Natur

Weshalb der Wolfgangsee vielleicht kein Wasser mehr führt

Die Erdarbeiten am Wolfgangsee sind beendet. Baumstämme sollen die Ansiedlung von Pflanzen und Tieren begünstigen, die Steine links markieren die spätere Wasserlinie und sollen in diesem Bereich Besuchern Sitz- und Spielmöglichkeiten bieten.

Die Erdarbeiten am Wolfgangsee sind beendet. Baumstämme sollen die Ansiedlung von Pflanzen und Tieren begünstigen, die Steine links markieren die spätere Wasserlinie und sollen in diesem Bereich Besuchern Sitz- und Spielmöglichkeiten bieten.

Foto: Jürgen Hendrichs

Madfeld.   Die Signalkrebse sind weg, die Erdarbeiten längst beendet, der Wasserspiegel am Wolfgangsee bei Brilon-Madfeld will und will aber nicht steigen.

Die Bagger sind seit gut zwei Wochen weg, aber die braune Brühe hält sich hartnäckig. „Jetzt fehlt nur noch das Wasser“, sagt Dipl.-Ing. Wolfgang Klein vom gleichnamigen Büro für Wasserwirtschaft und Gewässerökologie aus Warstein. Wird sich der Wolfgangsee je wieder mit Wasser füllen?

Es sieht nicht gut aus mit dem Grundwasser

Dabei ist dem Experten klar: Es sieht nicht gut aus mit dem Grundwasser am Escherholz bei Madfeld. Nach dem vergangenen Dürresommer prophezeien Wetterexperten für dieses Jahr flächendeckend eine weitere Trockenperiode. Dabei ist die Anlage so schön geplant. Die Randzonen des Sees sind abgeflacht und neu modelliert worden, eine Geländenase ragt ins Wasser hinein. Gut dreiviertel des Ufers sollen der natürlichen Entwicklung überlassen werden.

Getrennte Freizeit- und Öko-Zonen

Dort ist üppig Totholz hingebracht worden: An und zwischen dicke Baumstämme, mächtigen Wurzeln und dichtem Astwerk im und über Waser sollen sich Flora und Fauna frei entfalten. „Natur und Landschaft brauchen zur Entwicklung Zeit und Kontinuität,", sagt Schubert, Leiter der Biologischen Station des HSK, das dauere sicher 10 bis 15 Jahre. Schubert: „Ungeduld ist nicht angebracht.“

Im Bereich des Parkplatzes jedoch erhalten Besucher Gelegenheit, nicht nur die Seele, sondern auch die Beine baumeln zu lassen. Dicke Steinblöcke markieren die ausgerechnete künftige Wasserlinie. „Das ist nicht schlecht gemacht“, findet Ortsvorsteher Heinz Bickmann. Da stimmt ihm auch Andreas Hester, der regelmäßig mit seinem Hund Sam unterwegs ist, zu.

Im Herbst 2016 hatte der Aabachverband bei einer Routineinspektion sieben ausgewachsene Signalkrebse entdeckt. Die ausgesetzten Tiere stellten eine potentielle Gefahr für die auf über 500.000 Tiere geschätzte Edelkrebs-Population der Aabachtalsperre dar. Bei einer Übertragung der Krebspest wäre dieser gesamte Bestand binnen weniger Tagen zusammengebrochen und die gewaltigen Kadavermassen hätten nach Ansicht des Verbandes die Trinkwasserversorgung gefährdet.

Radikalkur – die komplette Verfüllung des Sees

Nachdem im Herbst 2017 nach monatelangem ergebnislosen Bereusen des Sees doch noch im Uferbereich zwei Signalkrebse gefangen wurden, setzten der Aabachverband und der Hochsauerlandkreis als Radikalkur die komplette Verfüllung des Sees an.

Kosten für die gesamte Maßnahme verdoppelt

Damals waren, so der HSK, als Kostenrahmen rund 100.000 Euro angesetzt worden. In der jüngsten Sitzung des Kreis-Umweltausschusses war dagegen von rund 200.000 Euro die Rede. Zwar fließen nach wie vor davon 80 Prozent aus EU-Mitteln zur Förderung des Ländlichen Raumes (ELER) zum Escherholz, allerdings verdoppelt sich auch der vom Aabachverband und dem HSK zu tragende Rest.

Wobei der Kreis dabei auf das sog. Ersatzgeld aus dem Bau von Windrädern zurückgreift. Wie Aabachverbands-Vorsteher Gutknecht sagt, sei der Kostenanstieg u.a. auf die generell gestiegenen Baupreise zurückzuführen, und Gewässer-Fachmann Klein sagt, dass zum Beispiel das Verfüllen aufwändiger geworden sei als geplant.

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