Wurst-Skandal

Wilke-Wurst-Skandal ist Katastrophe für ganze Branche

Der Skandal um die mit Keimen belastete Wurst aus Twistetal-Berndorf hat einer ganzen Branche Schaden zugefügt.

Der Skandal um die mit Keimen belastete Wurst aus Twistetal-Berndorf hat einer ganzen Branche Schaden zugefügt.

Foto: Uwe Zucchi / dpa

Korbach/Usseln.  Wilke-Wurst und kein Ende: der Kreistag will das Thema nicht diskutieren. Andere Firmen bangen unterdessen um ihren guten Ruf.

Der Skandal um mit Listerien belastete Wilke-Wurst, nach deren Verzehr drei Menschen gestorben sind, wird nach jetzigem Stand nicht in den öffentlichen politischen Gremien des Kreistages besprochen. Das geht aus einem Schreiben des Landkreises Waldeck-Frankenberg hervor.

Allein Aufgabe der Ordnungsbehörde

Die Fraktionen der Grünen und der FDP fordern öffentliche Aufklärung. Peter Dreier, Fachdienstleiter Kreisorgane, teilte den Oppositions-Fraktionen mit, dass ihre Begehren zurückgewiesen werden. „Der Landrat nimmt die Aufgaben in den Bereichen Veterinärverwaltung, Lebensmittelüberwachung und Verbraucherschutz als Auftragsangelegenheit wahr. Für den Vollzug von Vorschriften ist der Landrat als Kreisordnungsbehörde tätig“, schreibt Dreier. Eine Mitwirkung des Kreisausschusses oder des Kreistags bei der Erledigung der Auftragsangelegenheiten finde daher nicht statt.

Firma nicht wieder öffnen

Für das Verwaltungsgericht Kassel war in dieser Woche eines ganz klar: Die Firma Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren aus Berndorf darf auf keinen Fall wieder geöffnet werden, weil sonst die Gefahr besteht, dass gesundheitsgefährdende Lebensmittel in den Verkehr geraten.

Verwechslungsgefahr

Unterdessen haben andere Firmen Sorge, mit der Firma aus Berndorf in einen Topf geworfen zu werden. „Waldecker Wurstwaren“ Wilke aus Berndorf und „Waldecker Fleischwaren“ Saure aus Usseln: Die Heimatregion kommt in beiden Namen vor, doch es sind zwei verschiedene Betriebe. Für Einheimische ist das klar, doch nach dem Listerien-Skandal muss der Upländer Betrieb Kunden von außerhalb beruhigen. Es habe Verwechslungen und Erklärungsbedarf gegeben, erklärt die Inhaberfamilie. Online und in Schreiben an Kunden klärt sie nun auf, dass „Waldecker“ für die Region steht und nicht für eine einzelne Firma. „Es ist eine Katastrophe für die ganze Branche“, sagt Heinrich Saure, zusammen mit Sohn Maximilian Geschäftsführer – die geschilderten Zustände seien nicht die Regel, betont seine Frau Anja.

Andere Unternehmensphilosophie

Der Umsatz habe unter dem Skandal um den Namensvetter nicht gelitten, erklärt Heinrich Saure. Großhändler hätten sich zwar gemeldet, um ihr Fleisch in Usseln statt in Berndorf zu beziehen – doch das könne der Betrieb bloß zu Bruchteilen leisten, ohne seine Stammkunden zu vernachlässigen. „Den Markt, der sich hier eröffnet, werden wir uns nicht erschließen“, sagt Maximilian Saure. „Wir haben eine ganz andere Unternehmensphilosophie: Der Verbraucher denkt um, auf Qualität und Nachhaltigkeit“, so Maximilian Saure, wenn er auch auf noch mehr Umdenken hofft. Bislang müsse der Betrieb sich oft für seine Preise rechtfertigen, sagt sein Vater. Mit der Marke „Upländer Feinkost“ wachse er wieder kräftig: Verzehrfertige Convenience-Produkte, Suppen und auch Vegetarisches sind zum Sortiment gestoßen.

Anbau bezugsfertig

So wird dieser Tage auch ein Anbau für deren Produktion bezugsfertig – wenn die verschiedenen Produkte nebeneinander produziert und verpackt werden, erhöht sich die Gefahr, dass etwa Allergene von einer Ware auf die andere gelangen. Bislang wurde das durch unterschiedliche Produktionszeiten verhindert, doch mit dem Wachstum wird räumliche Trennung nötig. Nachts und am Wochenende ruht der Betrieb, um ihn gut zu lüften und zu trocknen. „Das ist das A und O gegen Listerien“, sagt Maximilian Saure. Beheizte Zwischendecken verhindern, dass Schwitzwasser entsteht.

Auch dass die Maschinen vom Keller aus wartbar sind und ein eigener Fuhrpark die Hygiene bei der Lieferung sicherstellt, gehört dazu. Und der Einsatz des Personals, betont Heinrich Saure: Bei einer kurzfristig vereinbarten Besichtigung des Betriebs ist für den Laien nach sechs Stunden Produktion kein Schmutz zu sehen, keine Quelle von Feuchtigkeit.

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