Unwetter

Weshalb nur Medebach von dem Blitz-Sturm getroffen wurde

Mehrere Bäume hat der Sturm in Medebach umgerissen. Darunter auch so große, dass die Feuerwehr sich technische Unterstützung bei den Waldbauern holen musste.

Mehrere Bäume hat der Sturm in Medebach umgerissen. Darunter auch so große, dass die Feuerwehr sich technische Unterstützung bei den Waldbauern holen musste.

Foto: Feuerwehr

Medebach.   Umgewehte Bäume, abgerissene Dachziegel: Der Wetterexperte Julian Pape erklärt, warum das blitzartige Unwetter fast nur Medebach getroffen hat.

Ein kurzer, aber heftiger Sturm hat am Mittwoch Abend in Medebach großen Schaden angerichtet. „Zwischen 21.16 und 1 Uhr wurde die Feuerwehr zu zehn Einsätzen gerufen“, berichtet Andre Krüger, Pressesprecher der Feuerwehr Medebach. Es gab auch Berichte von Bürgern über die Sichtung eines Tornados. Ausgeschlossen sei das nicht, so Wetterexperte Julian Pape.

In Extremfällen können aus Gewitterclustern Tornados entstehen

Betroffen gewesen sei das ganze Stadtgebiet: Den ersten Alarm gab es in Berge, besonders herausfordernd für die Einsatzkräfte war die Lage an der L854 zwischen Medebach und Oberschledorn: Dort stürzten so große Bäume auf die Fahrbahn, dass die Feuerwehr an ihre technischen Grenzen kam und schweres Gerät aus der Forstwirtschaft zur Unterstützung anfordern musste. In der Kernstadt riss der Sturm von Häusern einzelne Dachziegel herunter, die teilweise in Nachbargebäuden steckenblieben. Etliche Pavillons, Mülltonnen und Gartenmöbel wurden umgeweht.

Wahrscheinliche Ursache: starke Fallböen

Aufgrund der Vielzahl der Notrufe sei eine Einsatzzentrale im Feuerwehrhaus Medebach eingerichtet worden, von wo aus die Einsätze koordiniert wurden. „Es war ungewöhnlich“, bilanziert Krüger. „Der Sturm dauerte nur rund 20 Minuten, und es fiel kein Tropfen Regen.“

Bürger hätten auch berichtet, dass sie den Eindruck eines Tornados gehabt hätten – fotografische Belege dafür sind aber nicht bekannt. Ausschließen möchte Julian Pape vom Wetterportal Sauerland diese Möglichkeit aber nicht. „Je kleiner das Schadensgebiet, desto wahrscheinlicher war es so.“ Windhose sei ein verniedlichender Begriff für Tornado. Diese könnten auch in unseren Breiten in Extremfällen aus Gewitterclustern entstehen, wenn auch nicht im selben Ausmaß wie jene in Nordamerika.

Winterberg meldete keine sturmbedingten Einsätze

Doch es gebe noch eine andere, wahrscheinlichere Möglichkeit: starke Fallböen. Sie entstehen, wenn kalte Luft in einem Gewitter nach unten fällt und auf den Boden trifft. Dass genau das in Medebach passiert sein könnte – für diese Theorie spreche, dass die Schäden lokal und zeitlich sehr eng begrenzt aufgetreten sind. Bereits in der Nachbarstadt Winterberg meldete die Feuerwehr auf Nachfrage „keine sturmbedingten Einsätze“. Im nahen Landkreis Waldeck-Frankenberg hingegen gab es wie in Medebach zahlreiche Schäden durch umgestürzte Bäume und abgerissene Dachziegel.

Örtlich und zeitlich sehr begrenzt

Julian Pape checkt für die WP die Wetterdaten vom Mittwochabend. Auf dem Kahlen Asten hat er Windgeschwindigkeiten von maximal 80km/h gemessen, auf der Hohen Bracht von 72 km/h. Die Wetterstation an der Hasenkammer, in der Nähe der Medebacher Kernstadt, habe hingegen die stärkste Böe mit nur 56 km/h gemessen. Das entspricht lediglich Windstärke 7, also steifem Wind. „Dort, wo es Schäden gab, waren die Geschwindigkeiten mit Sicherheit höher“, sagt Pape. Aber die seien praktisch an der Messstation vorbeigegangen.

Neben dem Wind fielen am Abend vielen Bürgern auch ungewöhnliche Wolken auf. „Ein bisschen wie bei Raumschiff Enterprise“, sagt Pape und meint damit das Phänomen der sog. Shelf Cloud oder Böenwalze. Diese tiefen, dunklen und oft bedrohlich wirkenden Wolken treten vor allem in Verbindung mit Gewittern auf.

Exakt vorhersagen lasse sich diese Art von Unwettern nicht, erklärt der Wetterexperte. Man könne zwar davor warnen, dass zum Beispiel in einem Landkreis in einem gewissen Zeitraum eine erhöhte Gefahr bestehe. „Das haben wir am Dienstagmorgen auch für das gesamte Sauerland auf unserer Website getan.“ Über welchem Ort genau es sich am Ende aber entlade, „das steht erst fünf Minuten vorher fest.“

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