Justiz

Mann aus Brilon gilt nach Kopfschuss als nicht therapierbar

Foto: David Ebener

Brilon.   Aufgrund eines Kopfschusses ist ein Mann aus dem Altkreis Brilon nicht therapierbar. Er hat 21 Vorstrafen - und muss jetzt wieder hinter Gitter.

21 Vorstrafen, darunter auch eine fahrlässige Tötung und drei Jahre im Gefängnis, haben nichts genützt: Den „vordergründigen Strafzweck“, nämlich „eine Besserung des Angeklagten zu erreichen“, hielt Amtsrichter Dietmar Härtel für aussichtslos. Und deshalb schickte er einen 47 Jahre alten Mann für acht weitere Monate hinter Gitter. Die Geschichte des 47-Jährigen ist tragisch.

Damit werde wenigstens dem Sühnegedanken und ein Stück weit dem Schutz der Bevölkerung Rechnung getragen, sagte der Richter. Das Vergehen des 47-Jährigen: ein paar Ladendiebstähle in Olsberger Supermärkten und im Zuge der dabei fälligen Personalienfeststellung vorgekommene Beleidigungen und kleinere Handgreiflichkeiten.

Rückfälle und Bewährungsversagen haben Ursache

Die ständigen Rückfälle und Bewährungsversagen haben eine Ursache: Ein Gutachter stuft den Angeklagten nach einem sich selbst zugefügten Kopfschuss Anfang der 90er Jahre in Kasachstan als „hirnorganisch eingeschränkt“ ein. Deshalb sei er gar nicht in der Lage, einer eventuellen psychotherapeutischen Behandlung zu folgen. Damit fällt einerseits eine Unterbringung im Maßregelvollzug als Strafe weg. Andererseits wurde die potentielle Gefahr für die Allgemeinheit noch nicht als so groß eingestuft, dass sie die Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie erfordere.

Verteidiger: Macht Strafe hier Sinn?

Verteidiger Felix Füchtmeier stellte die Frage in den Raum, ob angesichts der bei seinem Mandanten festgestellten Einschränkung der Einsicht- und Steuerungsfähigkeit ein weiterer Gefängnisaufenthalt überhaupt Sinn mache. Zumal der 47-Jährige seit einiger Zeit bei Verwandten Halt gefunden hat.

„Dafür bewundere ich Sie“, sagte auch Richter Härtel zu den zum Prozess mitgekommenen Schwester und Schwager. Mit deren Unterstützung hält er offensichtlich auch seine Alkoholabhängigkeit unter Kontrolle.

Die hatte ihn im Frühsommer vergangenen Jahres noch voll im Griff, als er in Olsberg insgesamt dreimal beim Ladendiebstahl erwischt wurde. Jedesmal war er dabei mehr oder weniger stark angetrunken, und jedesmal ging es um Alkohol - Sekt, Wein, Kräuterlikör und einmal ein Fehlgriff nach einer Flasche Rotwein-Essig. Aber sogar den kippte er sich bei der Feststellung seiner Personalien runter. Derart weggetreten spulte er das gängige Repertoire an Beleidigungen gegenüber den Supermarkt-Mitarbeitern und der Polizei ab, Griff ans Gesäß einer Mitarbeiterin und einschlägige Obszönitäten inklusive.

Staatsanwältin: Hohe Rückfallgeschwindigkeit

Staatsanwältin Sophie Schlothmann führte die hohe Rückfallgeschwindigkeit gegen den Angeklagten an. So gut wie jährlich sei er seit seiner Übersiedelung nach Deutschland straffällig geworden. Diebstahldelikte, Bedrohungen, Beleidigungen, Hausfriedensbruch und Körperverletzung finden sich im Bundeszentralregister, aber auch eine 20monatige Bewährungsstrafe wegen eines Verkehrsunfalls, bei dem ein Mensch sein Leben verlor, und Fahrens ohne Fahrerlaubnis. Auch wenn der Schaden diesmal nur gering sei, kam für sie eine weitere Bewährung nicht in Frage; sie forderte acht Monate Haft.

Richter: „Künftig weitere Phasen von Haft und Freiheit“

Verteidiger Füchtmeier sah die Strafhöhe zwar als „tat- und schuldangemessen“ an, plädierte aber gleichwohl auf eine Therapie.

Dem folgte Richter Härtel allerdings nicht, er schloss sich dem Plädoyer der Staatsanwältin an. „Mag sein“, sagte er zum Angeklagten, dass es nach der Verbüßung dieser acht Monate „für Sie auch künftig weitere Phasen von Haft und Freiheit geben kann“.

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