Extrem-Wandern

Warum ein Sauerländer zum dritten Mal zu Fuß nach Rom geht

Michael Mause geht zu Fuß von Hallenberg nach Rom.

Michael Mause geht zu Fuß von Hallenberg nach Rom.

Foto: Rita Maurer

Hallenberg.   Michael Mause hat sich zum dritten Mal zu Fuß auf den Weg nach Rom gemacht. Ein schwerer Schicksalsschlag hat ihn bewegt, die Reise anzutreten.

Wie kommt man von Hallenberg nach Rom? Von Frankfurt aus wären es zwei Stunden mit dem Flieger, 12 Stunden mit der Bahn. Oder knapp sechs Wochen wandern. So macht es Michael Mause. Am Ostermontag ist er zum dritten Mal zu Fuß in die Hauptstadt Italiens aufgebrochen. Ankommen will er dort in der ersten Juni-Woche. Warum tut er das?

„Warum nicht“, entgegnet Michael Mause dann. Nur der Name des Ziels ist gleich, der Weg dorthin mit seinen unzähligen Etappen, Stationen und Zufallsbekanntschaften wird ganz anders sein. Dieses Mal peilt er eine Strecke entlang des Rheins und über die Schweizer Alpen an.

2012 und 2017 bereits nach Rom gewandert

Zweimal ist Michael Mause bereits nach Rom gelaufen - 2012 und 2017. Eigentlich hat der 60-jährige beide Male danach mit der Ewigen Stadt abgeschlossen und andere Pläne gemacht - vielleicht einmal den Rhein vom Gotthard-Massiv im Quellgebiet flussaufwärts bis zur Mündung in den Niederlanden wandern. Oder die ehemalige deutsche Zonengrenze. Eigentlich.

Entschluss, als Freund und Jagdkollege verunglückt

Doch ganz tief im Hinterkopf arbeitet es unentwegt bei ihm, denn ihn lässt das Gefühl nicht los, dass er mit Rom noch eine Rechnung offen hat.

Als im vergangenen Sommer ein Freund und Jagdkollege von ihm tödlich verunglückt und Michael Mause abends fassungslos von seinem Balkon auf den Kreuzberg gegenüber blickt, schießt es ihm durch den Kopf: „Rom! Geh noch mal hin. Mach es einfach und schieb nichts mehr auf, es kann so schnell alles vorbei sein!“

35 bis 40 Kilometer täglich zu Fuß unterwegs

Seitdem bereitet sich der selbstständige Versicherungsberater konsequent vor. Als Training für die vor ihm liegenden rund 1600 Kilometer ist er viel gelaufen - wobei lange Märsche bei ihm als versiertem Wander- und Stadtführer sowieso zur Tagesordnung gehören. 35 bis 40 Kilometer will Michael Mause jeden Tag bei Wind und Wetter schaffen. Die Etappen sind grob abgesteckt, alles andere überlässt er seiner Intuition.

Aber auch mental muss er fit sein, das weiß er aus Erfahrung nur zu gut. Denn er wird unterwegs viel allein mit sich sein. Andererseits freut er sich aber auch jetzt schon wieder auf die vielen Gespräche am Wegesrand, die sich tagsüber und auch abends ergeben werden - mit Menschen, die neugierig auf den einsamen Wanderer sind und ihm Tür und Herz öffnen - vielleicht gerade, weil er am nächsten Tag weiter zieht und sie nie wieder sehen wird.

Zwölf Kilo Gepäck sind im Rucksack

Am Karfreitag hat Mause seinen Rucksack gepackt und seinen Mietern und Verwandten letzte Instruktionen für die Zeit seiner Abwesenheit gegeben. Zwölf Kilo nimmt er mit, darunter eine Notfallausrüstung aus Isomatte, Schlafsack und Mülltüte als Ersatzzelt für die Nacht, falls er einmal keine Unterkunft finden sollte. Nach der Alpenüberquerung wird das Reisegepäck leichter, denn dann schickt er die warmen Wintersachen per Paket zurück nach Hause.

Skyline von Frankfurt schon im Blick gehabt

Ostermontag ist er morgens um 9 Uhr gestartet, nachdem er einige Minuten in der Unterkirche vor dem Gnadenbild der Muttergottes verweilt hat.

Schon jetzt steht fest, dass das Gnadenbild auch sein erstes Ziel bei seiner Rückkehr nach Hallenberg sein wird: „Ich habe das von meiner Mutter - vor jedem Weg ein Kreuzzeichen mit Weihwasser aus unserer Unterkirche. Und wenn man gut wieder zu Hause angekommen ist, kurz reinspringen und Danke sagen.“

Am Mittwoch Mittag ist Michael Mause durch Bad Homburg gekommen und hat kurz darauf bei dem klaren Wetter schon die Skyline von Frankfurt gesehen: „Das ist einer der vielen Meilensteine, die ich mir für die Tour vorgenommen habe.“

Am Donnerstag am frühen Nachmittag will er in Mainz den Rhein erreichen, ein weiterer Meilenstein. Es läuft. Er läuft.

Hier finden Sie noch mehr Nachrichten, Fotos und Videos aus dem Altkreis Brilon.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben