Grausamer Fund

Wanderer findet Überreste von gerissenem Reh am Wegesrand

 Ausgeweidetes Reh in Nähe eines Wanderweges bei Olsberg-Antfeld gefunden. Foto: privat

 Ausgeweidetes Reh in Nähe eines Wanderweges bei Olsberg-Antfeld gefunden. Foto: privat

Foto: Privat

Antfeld.   Überall verteilt liegen Teile eines Reh-Kadavers: Ein grausamer Anblick bietet sich einem Wanderer am Waldes- und Wegesrand in Olsberg-Antfeld.

Wer war das und warum liegt alles so verteilt direkt an der Wiese? Diese Fragen stellt sich nicht nur der Wanderer, der am 20. Mai unverhofft auf diese Überreste stößt. Er ist auf einem Wanderweg oberhalb der Straße „Himmelreich“ in Antfeld (unweit der Vogelstange) unterwegs. Ein grausamer Anblick, findet auch Nicole Heitzig, Vorsitzende der Kreisjägerschaft HSK. Vermutlich sei das Reh gerissen worden. Aber wann? Und von welchem Tier? Womöglich sogar von einem Wolf?

Beine, das Skelett mit Kopf und Restfell sowie die Gedärme sind am Wegesrand verstreut. „Es sieht schon wild aus“, sagt Heitzig. Aber was genau passiert sei, dass sei reine Spekulation, sagt sie und schildert einige mögliche Szenarien.

Ein Wolf hätte Tier in einer Nacht so herrichten können

Sie hält es allerdings aufgrund der Fotos für ausgeschlossen, dass hier ein Jäger solche Überreste dagelassen hat. Außerdem lasse der Tierkopf auf ein weibliches Stück Wild schließen, das im Moment gar nicht geschossen werden dürfe. Das Tier sei wahrscheinlich gerissen worden. „Wir wissen aber nicht, wann.“ Sei dies alles in nur einer Nacht passiert, hätte es durchaus ein Wolf gewesen sein können. Nicht aber ein Hund, der die Mengen an Fleisch in so kurzer Zeit gar nicht bewältigen könne.

Auch mehrere Hunde als Verursacher denkbar

Über mehrere Tage können auch mehrere Hunde dies anrichten. Gerade die weiblichen, zurzeit trächtigen Tiere sind viel eher zu fangen als männliches Wild. Heitzig selbst hat schon einmal miterlebt, wie ein großer Husky in kürzester Zeit ein Reh gerissen hat.

Und erst vor zwei Wochen gab es einen Vorfall am Kurpark Brilon. Ein freilaufender Hund riss ein trächtiges Reh, Anwohner hatten die Angstschreie der Ricke gehört.

Die Mutter und die zwei ungeborenen Kitze wurden in der Nähe einer Hausterrasse gefunden - alle drei tot. Hunde sollten im Wald unbedingt angeleint werden, es droht ansonsten mindestens eine Geldstrafe.

Schwer, den Vorfall zeitlich einzuordnen

„Es kann auch ein älterer Riss gewesen sein und ein weiteres Tier hat den Kadaver an den Wegesrand gezogen“, spekuliert die Jägerin weiter. Auch könne das Reh einfach verendet sein und dann hätten sich Tiere, auch Füchse, daran zu schaffen gemacht, alles an den Wegesrand gezogen.

„Nach dem Aufbruch lässt ein Jäger das Tier nicht so zurück“, kann sie aufgrund der Bilder ausschließen, dass hier geschossen und ausgeweidet wurde. Zwar würden Gedärme vergraben oder für die Füchse im Wald gelassen. Aber das geschossene und aufgebrochene Tier würde ja mit Fell, im Jägerdeutsch: Decke, in den Wildkühlschrank zum Abhängen gebracht.

Revierpächter, Forstamt oder Polizei den Fund melden

Was wirklich passiert ist, lässt sich also nur noch schwer nachvollziehen. „Wäre der Revierpächter direkt verständigt worden, hätte er, falls wirklich ein Wolfsverdacht bestünde, mit dem Wolfsbeautragen des HSK Kontakt aufgenommen. Der hätte dann Biss- und DNA sowie Pfotenspuren gesucht, was jetzt aufgrund des zeitlichen Abstandes schwierig geworden wäre“, so Heitzig.

Und damit liefert sie ein wichtiges Stichwort: „Wer einen Tierkadaver am Wegesrand findet, kann sich an den Revierförster, den Revierinhaber oder an die Polizei wenden“, sagt Friedel Baumann, Leiter des Hegerings Brilon, den die WP ebenfalls zu dem Fund befragt hat. Die Polizei habe ein Verzeichnis der Revierpächter, allein schon, weil sie diese ja auch bei Wildunfällen informieren müsse. Wer für das Revier zuständig sei, der müsse auch die Überreste entsorgen, sie entweder im Wald eingraben oder durch einen Tierentsorger abholen lassen, erklärt Baumann und verspricht: „Ich informiere den zuständigen Pächter.“

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