Justiz

Sexuelle Belästigung: Arzt kämpft in Brilon um Reputation

Ein Arzt muss sich wegen sexueller Belästigung vor dem Amtsgericht Brilon verantworten.

Ein Arzt muss sich wegen sexueller Belästigung vor dem Amtsgericht Brilon verantworten.

Foto: Frank May / dpa

Brilon.  Ein wegen sexueller Belästigung angeklagter Klinik-Arzt aus dem Altkreis bleibt dabei: Er streitet ab, eine Auszubildende begrapscht zu haben.

Der angeklagte Arzt bleibt dabei: Er bestreitet, im Krankenhaus-Aufzug der angehenden Gesundheits- und Krankenpflegerin (23) zu nahe gekommen und sie sexuell belästigt zu haben. Auch nachdem Richter Härtel ihn darauf hingewiesen hatte, dass bei einem Geständnis eine Geldstrafe in Höhe von 30 Tagessätzen im Raum stehen würde, er im Falle einer weiteren Beweisaufnahme bei einem Schuldspruch aber mit 45 Tagessätzen und somit mit Kosten von insgesamt rund 9000 Euro rechnen müsse, blieb er seiner Linie treu.

„Meinem Mandanten geht es um seine Reputation“, sagte der Verteidiger, Rechtsanwalt Brock. Deshalb hatte der Arzt auch im Vorfeld der Hauptverhandlung die Möglichkeit, den Vorfall mit einem Strafbefehl zu erledigen, ausgeschlagen.

Zeuginnen erscheinen nicht zum Termin

Weiter gebracht hat der zweite Verhandlungstag am Montag das Verfahren nicht. Die beiden Zeuginnen, die den Vorfall aus dem November vergangenen Jahres aufklären helfen sollen, waren nicht erschienen. Die eine, eine Ärztin, hatte sich urlaubsbedingt entschuldigt. Die andere, eine Kollegin der 23-Jährigen, war nicht ordnungsgemäß geladen worden; zumindest sei das, so Richter Härtel, nicht sichergestellt.

Denn die Ladung war über ihre Arbeitsstelle, das Krankenhaus, erfolgt. Der Briefzusteller habe dort jedoch nicht nach ihr gefragt, um es ihr zukommen zu lassen, sondern das Schreiben wieder mitgenommen. Deshalb sei nicht gewährleistet, dass die die in der vergangenen Woche an die Privatadresse gerichtete neuerliche Ladung die Zeugin bis Samstag erreicht habe.

Das mutmaßliche Opfer soll erneut aussagen

Wie berichtet, hatte die Schwesternschülerin unter Eid ausgesagt, dass der Arzt sie bei einer gemeinsamen Fahrt im Aufzug an die Wand gedrückt und versucht habe, sie zu küssen. Rechtsanwalt Brock sagte, dass Richter Härtel mit der Abnahme des Eides ein Signal dafür gesetzt habe, dass er der Zeugin Glauben schenke.

Der Verteidiger zieht in Erwägung, die Glaubwürdigkeit der 23-Jährigen gutachterlich untersuchen zu lassen. Er hält es nicht für ausgeschlossen, dass bei der jungen Frau „etwas von Verliebtheit“ im Spiel gewesen sein könnte, der Arzt diese Avancen jedoch zurückgewiesen habe und die 23-Jährige ihm mit den Beschuldigungen zeigen wolle, dass sie „am längeren Hebel sitze“. Brock über die dem Arzt zu Last gelegten Vorwürfe: „Warum sollte er das machen?“ Der Verteidiger stellte den Antrag, die 23-Jährige noch einmal zu vernehmen.

Die Verhandlung wird am 11. November fortgesetzt.

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