Natur

Platznot in der Vogelpflegestation in der Essenthoer Mühle

In der Vogelpflegestation von Wilfried Limpinsel in der Essenthoer Mühle herrscht große Platznot. Ein Anbau an die erste große Voliere (links) mit Dacherneuerung im Stil der benachbarten Großvolieren könnte Abhilfe schaffen.

In der Vogelpflegestation von Wilfried Limpinsel in der Essenthoer Mühle herrscht große Platznot. Ein Anbau an die erste große Voliere (links) mit Dacherneuerung im Stil der benachbarten Großvolieren könnte Abhilfe schaffen.

Foto: Annette Dülme

Essentho.  In der Ausgewöhnungsstation für Greifvögel der Familie Limpinsel herrscht langsam Platzmangel. Doch Abhilfe ist vor allem eines: sehr teuer.

Im Vogelkrankenhaus in der Essenthoer Mühle herrscht Hochbetrieb. Kein „Krankenzimmer“ für die verletzte Vögel ist mehr frei. Mehr als 70 Vogelpatienten werden momentan in der Ausgewöhnungsstation für Greifvögel aufgepäppelt. Und täglich kommen weitere hinzu.

Wilfried und Mathilde Limpinsel kümmern sich seit rund 40 Jahren ehrenamtlich um ihre gefiederten Patienten. „Wir können die vielen verletzten Vögel kaum mehr unterbringen“, sorgt sich der Vogeldoktor.

Alle Krankenzimmer für die Vogelpatienten sind besetzt

In den vielen weitläufigen Volieren rund um den Mühlenteich werden Uhus, Waldohreulen, Waldkäuze und Schleiereulen gesund gepflegt. In einer Voliere sitzen gleich vier junge Wanderfalken nebeneinander auf der Stange. Einer wurde bei Wewelsburg aufgefunden und von dem besorgten Finder ins Vogelkrankenhaus nach Essentho eingeliefert. Die anderen drei wurden bei Kassel aufgefunden. „Sie lagen auf dem Boden und waren total abgemagert“, erzählt Mathilde Limpinsel. „Ohne menschliche Hilfe hätten sie wohl kaum den nächsten Tag überlebt.“ Da sind sich die Limpinsels sicher.

Aus dem gesamten Hochsauerlandkreis und dem Paderborner Land werden die verletzten Vögel gebracht

In der nächsten Voliere warten junge Milane auf ihre Genesung. Wilfried Limpinsel: „In 14 Tagen etwa können sie wieder gesund und munter in die Freiheit entlassen werden.“ Aber nicht jeder Vogel der bei ihnen eingeliefert wird, hat dieses Glück. Vier ausgewachsene Milane mussten eingeschläfert werden. Sie hätten ihre schweren Verletzungen nicht überlebt.

Junge Bussarde machen erste Flugübungen in der nächsten Voliere. Bei Feldarbeiten hatte ein Bauer in der Nähe von Lüdenscheid einen von ihnen total ausgehungert gefunden. Seit acht Wochen ist er schon in der Obhut der Limpinsels und hat sich prächtig erholt. Mathilde Limpinsel geht davon aus, dass er in acht Wochen so weit ist, dass er wieder entlassen werden kann.

Verletzte und erkrankte Vögel sind auf menschliche Hilfe angewiesen

„Täglich erreichen uns Anrufe mit neuen Hilfegesuchen“, erzählt Wilfried Limpinsel, dass am Sonntag ein weiterer junger Rotmilan gebracht wurde, am Montagabend ein junger Uhu aus dem Raum Schmallenberg und am Dienstag ein junger Wespenbussard. Den hatte die Biologische Station Unna ins Vogelkrankenhaus gebracht. „Die biologische Station hat uns gebeten, zu überprüfen, ob der Wespenbussard ausgewildert werden kann und wenn ja, ihn vorher zu beringen.“ Jeder gesund gepflegte Vogel erhält bei seiner Entlassung aus dem Vogelkrankenhaus einen Ring der Vogelwarte Helgoland. So lassen sich Flugrouten und -aufenthalte der Vogelwelt nachverfolgen.

Doch wo die vielen Neuzugänge unterbringen? Die Limpinsels stehen vor einer schwierigen Aufgabe. Denn nicht jeder Vogel kann mit jedem Vogel in einer Voliere aus. Da kommt es durchaus zum Streit, dass die Federn nur so fliegen. Ein Anbau an die in die Jahre gekommene erste Großvoliere könnte dem Platznotstand Abhilfe schaffen. Gleichzeitig könnte endlich das Dach saniert werden im Stil der neuen Großvolieren gleich daneben. Pläne für den Anbau mit Dacherneuerung samt Baugenehmigung liegen vor. Einzig die Finanzierung ist noch offen. Limpinsel rechnet mit 70.000 Euro und hofft auf Fördermittel von Land und Kreis. Die Förderanträge sind bereits geschrieben.

70.000 Euro kostet Volierenanbau

„Außerdem bräuchten wir unbedingt personelle Unterstützung“, seufzt Mathilde Limpinsel. Sie ist neben der Vogelpflege auch für die Verwaltungsarbeit zuständig: „Wir hätten Arbeit für mindestens einen festen Mitarbeiter.“ Doch allein die Finanzierung ist ein Problem. Von den Zuschüssen vom Land NRW und den freiwilligen Zuschüssen des Kreises Paderborn sind gerade die Unkosten für die Pflege und Unterbringung der gefiederten Patienten gesichert.

Wilfried Limpinsel wird 79 Jahre alt. „Unterstützung wäre dringend notwendig, damit es hier auch in Zukunft weitergehen kann. Wenn nur einer von uns krank wird, dann gehen hier im wahrsten Sinne des Wortes die Lichter aus.“Wieder klingelt das Telefon. Ein fünf Wochen alter Weißstorch wurde auf dem Golfplatz in Thüle bei Salzkotten aufgefunden. Ein Flügel scheint gebrochen.

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