Gericht

Mit Blaulicht und Kinderkelle in Brilon Polizei gespielt

Ein mobiles Blaulicht.

Ein mobiles Blaulicht.

Foto: dpa

Brilon.   Amtsanmaßung ist kein Spaß. Einen Angeklagten schickte der Richter in Brilon ins Gefängnis, der andere kam jetzt mit einem blauen Auge davon.

Da hatte der Angeklagte (29) aus dem Waldeckschen in der Tat recht: „Das war eine total dumme Aktion.“ Seinen Kumpel brachte sie für fünf Monate hinter Gitter, er selbst kam mit 1200 Euro Geldstrafe davon. Der Fall, der von Richter Dietmar Härtel verhandelt wurde: Amtsanmaßung.

An einem frühen Samstagmorgen im Sommer vergangenen Jahres hatten der 29-Jährige und sein Kumpel eine Bekannte, die sich bei einem gemeinsamen feucht-fröhlichen Einstieg ins Wochenende an einer Tür das linke Ohr eingerissen hatte und stark blutete, ins Briloner Krankenhaus gefahren. Und damit das schneller ging, hatte der Kumpel am Steuer ein Blaulicht aufs Dach gepappt und dem 29-Jährigen eine Spielzeug-Polizeikelle in die Hand gedrückt, mit der dieser dann aus dem Beifahrerfenster hinaus gestikulierte. Was einem Zeugen merkwürdig vorkam.

Ersten Prozesstermin geschwänzt

1,04 Promille hatte der 29-Jährige damals beim Pusten intus, 1,41 waren es bei seinem Kumpel. Einen ersten Termin zur Hauptverhandlung hat es bereits im Dezember gegeben. Da war der Kumpel zu der fünfmonatigen Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt worden. Neben der Amtsanmaßung waren das Autofahren unter Alkoholeinfluss und Vorstrafen ins Gewicht gefallen. Der 29-Jährige hatte den Prozess geschwänzt. Wegen diverser Vorstrafen standen bei ihm allerdings sogar zwei Jahre Haft auf dem Spiel. Die sind noch bis 2021 zur Bewährung ausgesetzt.

Einen kleinen Einblick in das Leben hinter Gittern konnte der Angeklagte gleichwohl schon nehmen. Weil er den ersten Prozesstermin unentschuldigt hatte sausen lassen, war er vor zwei Wochen in sogenannte Hauptverhandlungshaft genommen worden.

Seine Verteidigerin wollte eine „irrtümliche Notstandshandlung“ bei der Verwendung des Polizei-Equipments nicht ausschließen und hielt eine Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu je 30 Euro für ausreichend.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft machte es nicht so billig: Sie plädierte auf 30 Tagessätze zu je 50 Euro. Dieser Strafantrag, sagte Richter Härtel, sei für den Angeklagten „ein Geschenk“. Schließlich stand wegen der Vorstrafen „für so einen Blödsinn“ der Verfall der Bewährung auf dem Spiel. Bei einer „lebensbedrohlichen Situation“, so Richter Härtel, dürfe man ohnehin schneller fahren als erlaubt. Und auch wenn man sich bei Lebensgefahr „Tricks bedienen“ dürfe, habe hier für eine Amtsanmaßung kein objektiver Anlass bestanden. Härtel: „Sie wussten, dass das eine große Gaudi war.“

Mit neuer Freundin neues Leben

Dem Angeklagten redete der Richter ins Gewissen: „Ich werde hier noch die nächsten Jahre sitzen. Sie spielen mit dem Feuer!“ Die Bewährungshelferin hatte seit der Distanzierung von früheren Freunden und der Absage an Drogen nur Gutes über ihn zu berichten. Nach der Verhandlung schloss der 29-Jährige seine schwangere Frau, die er nach dem Vorfall und seinem früheren Leben kennengelernt hatte, lang und innig in die Arme.

Hier finden Sie noch mehr Nachrichten, Fotos und Videos aus dem Altkreis Brilon.

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben