Corona-Krise

Kita-Brandbrief aus HSK an Ministerium: "Am Rande der Kraft"

Lesedauer: 3 Minuten
Kinder laufen mit einer Erzieherin durch einen Gang in der Kita-Notbetreuung: Gehen die Lockdown-Regeln ins Kitas nicht weit genug?

Kinder laufen mit einer Erzieherin durch einen Gang in der Kita-Notbetreuung: Gehen die Lockdown-Regeln ins Kitas nicht weit genug?

Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

Hochsauerlandkreis/Marsberg  In einem Brandbrief wendet sich ein Kita-Träger aus dem HSK ans NRW-Familienministerium. Die Forderung: Mehr Pflichten statt Appelle:

Die Fachberatungen der Evangelischen Kindertagesstätten sind in Sorge um Gesundheit der Mitarbeitenden: Die Corona-Pandemie hat das Land weiter fest im Griff und der Lockdown mutet an, zur Dauerlösung zu werden. Aber anders als im Frühjahr wurden die Kindergärten dieses Mal nicht geschlossen. Und das stellt die Einrichtungen vor große Probleme. Der Evangelische Kirchenkreis Soest-Arnsberg betreibt insgesamt 50 Kitas, die für mehrere tausend Kinder verantwortlich sind - unter anderem steht auch den Jona Kindergarten in Marsberg sowie fünf Einrichtungen aus Arnsberg und eine aus Sundern in seiner Trägerschaft. In einem Brandbrief wenden sich die Verantwortlichen jetzt ans Ministerium. Sie fordern zum Maßnahmen zum Schutz der Kita-Mitarbeiter, die sich von der Politik zum Teil im Stich gelassen fühlen.

Nachbesserungen verlangt

Seit der zweiten Januarwoche arbeiten die Erzieherinnen und Erzieher nach den Regeln des „eingeschränkten Pandemiebetriebes“. In einem „Brandbrief“ an Familien-Minister und stellvertretenden Ministerpräsidenten Dr. Joachim Stamp haben Diana Junker-Thiemann, Charlotte Bierkamp und Eike Ströbel, Pädagogische Fachberatungen im Kirchenkreis, nun auf die Probleme hingewiesen, die sich durch diese Regelung ergeben und bitten das Ministerium um dringende Nachbesserungen.

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„Unsere Mitarbeitenden sind am Rande ihrer Kräfte“, heißt es dazu in dem Schreiben. Dies liege vor allem daran, dass es keine verbindlichen Regelungen gebe: „Die neuen Regelungen haben nichts mit einem Lockdown zu tun. Die Eltern dürfen entscheiden, ob sie ihre Kinder in die Kita schicken oder nicht.“ Das sorge für große Verunsicherungen: „Durch nicht deutlich formulierte Regeln versuchen die meisten, ihre Kinder in den Kitas betreuen zu lassen.“

Homeoffice-Pflicht

Täglich führe dies zu Diskussionen mit den Eltern: „Die Leitungen und Mitarbeitenden müssen sich teilweise beschimpfen oder Vorwürfe machen lassen.“

Die Fachberatungen fordern den Minister daher dazu auf, die Bestimmungen eindeutiger zu formulieren, sodass „keine Auslegung in verschiedene Richtungen möglich ist“. Pandemieregeln als eine Art Appell seien wirkungslos. Nur wenn Eltern diese als Verpflichtung ansehen, seien sie wirksam. Dazu gehöre auch, dass der Druck auf Arbeitgeber zu einer „Homeoffice-Pflicht“ erhöht werde.

Sorge bereitet den Pädagoginnen des Kirchenkreises auch der mangelnde Gesundheitsschutz für ihre Mitarbeitenden. Zwar hat das Land NRW alle Einrichtungen großzügig mit FFP-2-Masken ausgestattet, jedoch sei es pädagogisch nicht vertretbar, den Kindern dauerhaft mit Maske zu begegnen.

Wie groß die reale Gefahr einer Corona-Ansteckung in den Kindergärten tatsächlich sei, zeige ein Blick ins benachbarte Unna: Dort sind in einer Kita 32 von 64 Kindern positiv getestet worden. Hinzu kommen noch neun Mitarbeitende. Besonders tragisch ist der Tod einer 44-jährigen Erzieherin, die an Corona gestorben ist: „Das versetzt uns Mitarbeitende in große Angst.“

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