Kultur

Kirchengemeinden im Altkreis Brilon suchen Organisten

Die Orgel gilt nicht umsonst als Königin der Instrumente. Doch immer weniger wollen - um im Bild zu bleiben - der Königin dienen. Die Verpflichtungen an Wochenenden hält viele davon ab, den Dienst zu übernehmen.

Die Orgel gilt nicht umsonst als Königin der Instrumente. Doch immer weniger wollen - um im Bild zu bleiben - der Königin dienen. Die Verpflichtungen an Wochenenden hält viele davon ab, den Dienst zu übernehmen.

Foto: Peter Gercke

Altkreis.   DieTeilnehmerzahl an den Ausbildungskursen hat sich beinahe halbiert. Das Freizeitverhalten ändert sich und nur wenige wollen sich binden.

„Die Königin der Instrumente braucht ihre Meister!“ Mit diesem Titel hat Brilons Propst Dr. Reinhard Richter jüngst im Pastoralbrief ein Problem angesprochen, das viele Kirchengemeinden haben. Es fehlt an Organisten. Das betrifft allerdings katholische und evangelische Gemeinden gleichermaßen. „Die Teilnehmerzahl in den C-Kursen - das ist die zweijährige Ausbildung zum nebenamtlichen Kirchenmusiker - hat sich in den vergangenen fünf Jahren nahezu halbiert“, bestätigt Dekanatskirchenmusiker Werner Komischke aus Medebach den Trend. Nur 25 gab es zuletzt bistumsweit in einem Kurs.

Orgelmusik und -spiel gelten inzwischen als Immaterielles Kulturerbe. „Wer das lernen möchte, verspürt den Wunsch schon früh. Deshalb mache ich mit jeder Kindergarten- oder Kommuniongruppe Orgelführungen, um das Interesse zu wecken. Ob die Bemühungen Früchte tragen, muss die Zukunft zeigen“, sagt der Medebacher Kantor. Bei aller Euphorie für Musik und Instrument darf man aber nicht vergessen: Regelmäßiger Kirchgang und damit ein Erleben der Klangwelt Orgel sind für viele nicht mehr die Regel.

Zu 50 Prozent von Paderborn mitgetragen

Noch habe man nebenamtliche Organistinnen und Organisten, die ihre Dienste in Sonntags- und Werktagsmessen redlich tun, so der Propst weiter. Doch nicht jede Messe komme in den Genuss einer Orgelbegleitung. Man werde „mit Phantasie die Kirchenmusik neu denken müssen“, heißt es weiter im Briloner Pastoralbrief. Der Propst regt an, über die Einrichtung einer sogenannten kirchenmusikalischen Leuchtturmstelle im pastoralen Raum nachzudenken. 22 Inhaber dieser Stellen gibt es derzeit im Erzbistum; sie sollen sich für die Entwicklung der Kirchenmusik in den neuen pastoralen Räumen einsetzen. „Auf mittelfristig 25 und langfristig 30 soll die Zahl der Leuchttürme ansteigen“, sagt Bistumssprecher Mario Polzer.

Alle Kirchenvorstände und auch die Erzdiözese seien gefordert, neue „Rahmenbedingungen“ zu entwerfen, heißt es weiter im Pfarrbrief, womit auch ein Knackpunkt angesprochen wird: Diese Stellen werden zu 50 Prozent von Paderborn mitgetragen; die andere Hälfte muss die Gemeinde aufbringen. Werner Komischke: „In unserem gesamten Dekanat Hochsauerland-Ost gibt es zurzeit nur eine Vollzeitstelle, die aus familiären Gründen nur in Teilzeit besetzt ist.“ Und das ist seine.

Hoher Stellenwert der Musik

Sorgen darum, dass das Ende der Orgelmusik bevorsteht, hat Werner Komischke nicht. „Dafür hat die Musik einfach einen zu hohen Stellenwert. Sicherlich ist es gut und wichtig, die Kirchenmusik nicht nur auf die Orgel zu reduzieren; sie erweitert sich mit neuen Elementen“, so der Kantor. Dass in den Gemeinden auf die Problematik des mangelnden Organistenachwuchses hingewiesen werde, sei ein ausdrücklicher und richtiger Wunsch auf Dekanatsebene. „Man darf aber auch nicht vergessen, dass jungen Leuten neben Schule und Vereinsaktivitäten oft die Zeit fehlt, sich auf eine solche Ausbildung einzulassen. Ich kann aber versichern, wer das lernen möchte, den lassen wir nicht im Regen stehen.“ Auch wenn das Geld für viele nicht im Vordergrund steht, müssen die katholischen Gemeinden über die Bezahlung nachdenken: 42,50 Euro plus Fahrtkosten zahlt die evangelische Kirche pro mindestens 45-minütigem Gottesdienst an Honorar für nicht-angestellte Organisten mit Mindestbefähigung. Die katholische Kirche zahlt je nach Qualifikation und nach kirchlicher Vergütungsordnung. Dem Vernehmen nach ist das Honorar aber um einiges geringer.

>>>Unterschiedliche Ausbildung

Die Situation in den evangelischen Kirchengemeinden ist nicht besser. Drei Hauptamtliche versehen im Kirchenkreis Soest-Arnsberg den Kantoren- und Organistendienst. „Ansonsten haben wir viele, die das auf Honorarbasis machen“, sagt Kirchenmusikdirektor Gerd Weimar. Aber auch längst nicht genug.

Wer in der evangelischen Kirche die Orgel spielen möchte, muss mindestens eine D-Prüfung ablegen. Auf dem Weg dorthin wird der angehende Organist von den drei Profis selbst oder von anderen Fachleuten dezentral begleitet. Der Honorar-Satz für den Unterricht orientiert sich an den Preisen der HSK-Musikschule. Es gibt aber auch spezielle Möglichkeiten, sich in den Bereichen Bläser und/oder Chorleitung fortbilden zu lassen. „Wir sind sehr aktiv, gehen in die Gemeinden und bieten Workshops für Leute an, die schon Klavier spielen können. Sie wollen wir durch gezielte Angebote für die Kirchenmusik interessieren“, sagt Gerd Weimar.

Mehr als 1200 Personen, so weist es die Internetseite für Kirchenmusik im Erzbistum Paderborn aus, sind zum überwiegenden Teil neben- bzw. ehrenamtlich als Organisten und/oder Chorleiter tätig. „Derzeit gibt es 52 Kirchenmusiker und -musikerinnen, die hauptamtlich als solche arbeiten“, sagt Mario Polzer, Sprecher des Erzbistums in Paderborn. Die Kosten für die C-Ausbildung liegen bei 50 Euro monatlich. Das Bistum hat zurzeit 19 Dekanate mit 657 Pfarrgemeinden, die in 105 pastorale Räume eingeteilt sind.

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