Fahrsicherheit

Kinder in Hallenberg lernen mit dem Fahrrad umzugehen

Dieser Schüler macht alles richtig: Er hat sich vor dem Linksabbiegen umgeguckt, den hinter ihm fahrenden Autos ein Handzeichen gegeben und ordnet sich jetzt mit beiden Händen am Lenker in der Straßenmitte ein. Foto:Rita Maurer

Dieser Schüler macht alles richtig: Er hat sich vor dem Linksabbiegen umgeguckt, den hinter ihm fahrenden Autos ein Handzeichen gegeben und ordnet sich jetzt mit beiden Händen am Lenker in der Straßenmitte ein. Foto:Rita Maurer

Hallenberg/Altkreis.   Vielen Schülern in den vierten Klassen der Grundschule fehlt es am Grundverständnis. Im Training gibt es Unterschiede zwischen Mädchen und Jungs.

Zugegeben, da kommt auch so mancher Erwachsener ins Überlegen: Das richtige Verhalten in acht Schritten beim Linksabbiegen auf dem Fahrrad? Die Grundschüler der vierten Klasse in Hallenberg wissen es jetzt ganz genau: Umgucken, Handzeichen, in der Straßenmitte einordnen, Vorfahrtsregeln einhalten, stehenbleiben, auf den Gegenverkehr und Fußgänger achten, nochmal umgucken und erst, wenn die Straße wirklich frei ist, im großen Bogen abbiegen.

Für die Kinder standen in dieser Woche jeden Tag zwei Schulstunden Radfahren mit Ludger Degenhardt aus Bad Fredeburg auf dem Programm. Der Polizeihauptkommissar ist Verkehrssicherheitsberater der Kreispolizei und kümmert sich seit 20 Jahren an allen Grundschulen im östlichen Hochsauerlandkreis zusammen mit den Lehrern, den Eltern und dem zuständigen Bezirks-Polizeibeamten um das Verkehrssicherheitstraining für die Schüler.

Fahrrad-TÜV und Geschicklichkeit

Bevor es das erste Mal überhaupt aufs Rad geht, steht eine technische Kontrolle an: Funktionieren die Vorder- und die Hinterrad-Bremse, geht mein Licht, sind genug Reflektoren an meinem Rad angebracht, habe ich eine Klingel? Ist der Sattel richtig eingestellt? Erst wenn diese und weitere Punkte beim Fahrrad-TÜV erfolgreich abgehakt sind, gibt es eine Plakette fürs Rad.

Als nächster Unterrichtsinhalt folgt ein Übungsparcours, der auf dem großen, flachen Vorplatz an der Hallenberger Schützenhalle aufgebaut wird. Hier trainieren die Kinder ihre Geschicklichkeit und Sicherheit auf dem Fahrrad. Sie müssen dabei u.a. Figuren und einen Slalomkurs fahren, ihr Rad sicher über ein schräg gestelltes Brett lenken, mit einer Hand eine Kette transportieren oder eine punktgenaue Zielbremsung absolvieren. Als Anreiz gibt es jeweils Punkte und Urkunden für die drei besten Mädchen und Jungen.

Eltern als Helfer-Team

Dem Radfahrtraining der Kinder ist an allen Grundschulen ein Elternabend mit der Polizei vorangestellt, in dem die Inhalte und Anforderungen und auch die Wichtigkeit der gesamten Radfahrausbildung erläutert wird: „Manche Eltern meinen, ihr Kind könne doch schon seit Jahren radfahren. Das stimmt, aber fast immer nutzen die Kinder das Fahrrad nur als Spielgerät, beherrschen aber das richtige und vorausschauende Fahren mit allen Regeln im Straßenverkehr noch nicht“, betont Ludger Degenhardt.

Insgesamt sei die Akzeptanz und die Unterstützung der Eltern, die beim Training auf der Straße jeden Tag eine Helfermannschaft stellen müssen, aber immer erfreulich groß, was auch Schulleiterin Bibiana Nissen bestätigt: „Das Zusammenspiel aus Polizei, Schule und Eltern ist ganz wichtig, sonst würde das Verkehrssicherheitstraining nicht so gut funktionieren.“

Die Verkehrserziehung beginne schon im ersten Schuljahr mit dem Üben des richtigen Verhaltens auf dem Schulweg. Auch das Bewegen auf dem Schulhof und dem Niedrigseilgarten gehöre dazu, weil hier mit Motorik, Teamfähigkeit oder Rücksichtnahme Kompetenzen trainiert würden, die auch im Straßenverkehr wichtig seien.

Mädchen fahren besser als Jungen

Einen Trend zur besseren oder schlechteren Beherrschung des Fahrrads kann Ludger Degenhardt über die Jahre hinweg nicht unbedingt beobachten. Oft seien die Kinder von den kleinen Dörfern sicherer auf dem Rad als ihre Schulkollegen aus den größeren Orten mit mehr Verkehr, wo eher das „Taxi Mama“ als Transportmittel als das Fahrrad eingesetzt würde. Und nicht selten schneiden die Mädchen bei den Radprüfungen besser ab, weil sie zurückhaltender fahren und sich die Regeln besser merken als die draufgängerischen Jungen.

Den Kindern sind solche Erfahrungswerte egal. Für sie zählt nur eins: „Fahrradfahren ist viel cooler als Schule!“

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