Trauerbegleitung

In Winterberg gibt es eine neue Trauergruppe für Kinder

Helga Hermann aus Winterberg, Daniela Janine Peetz aus Westfeld und Marina Lenze (von links) haben für diese jungen Menschen eine Trauergruppe gegründet und „Seelenbeben“ genannt.

Helga Hermann aus Winterberg, Daniela Janine Peetz aus Westfeld und Marina Lenze (von links) haben für diese jungen Menschen eine Trauergruppe gegründet und „Seelenbeben“ genannt.

Foto: Steffi Rost / WP

Winterberg.  Um Kinder in ihrer Trauer nicht sich selbst zu überlassen, hilft die Gruppe „Seelenbeben“ beim richtigen Umgang nach Todesfällen im Umfeld.

Der Tod nimmt keine Rücksicht, sondern er kommt schleichend oder schlagartig mitten ins Leben. Und dann heißt es, ihn auszuhalten, vieles zu organisieren, den Alltag zu bewältigen und mit dem Verlust klarzukommen, während das restliche Leben weitergehen muss. Sehr häufig sind auch Kinder und Jugendliche betroffen, weil Großeltern sterben, gute Bekannte, manchmal auch Elternteile, Geschwister oder Freunde. Kinder trauern anders als Erwachsene, unterdrücken ihre Tränen oft, passen sich an, um den Großen nicht noch zusätzlichen Kummer zu bereiten. Andere werden vielleicht rebellisch, aggressiv oder unnahbar.

Daniela Janine Peetz aus Westfeld sowie Marina Lenze und Helga Hermann aus Winterberg haben für diese jungen Menschen eine Trauergruppe gegründet und „Seelenbeben“ genannt. Sie alle sind Mütter, gelernte Erzieherinnen und haben sich u.a. als Notfallseelsorgerinnen, Trauerbegleiterinnen oder Hospizhelferinnen weiter qualifiziert. Durch ihre Arbeit und persönliche Erlebnisse haben die drei Frauen immer wieder festgestellt, dass gerade junge Menschen in ihrer Trauer oft nicht wirklich aufgefangen werden und es bisher keine professionellen Angebote für sie gibt: „Wir möchten Kindern und Jugendlichen deshalb Zeit und einen Raum geben, wo sie sich mit allen ihren Emotionen sicher fühlen und sein dürfen, wie sie sind: Wütend, traurig, verzweifelt, schweigsam, aber auch fröhlich, obwohl doch zuhause gerade niemandem zum Lachen zumute ist.“

Der Umgang fällt Erwachsenen schwer

Trauernde Kinder sind in ihrem gewohnten Freundeskreis meistens Einzelfälle. Viele – oft auch Erwachsene – wissen nicht, wie sie mit ihnen umgehen sollen, worüber man reden darf und worüber nicht. Oft wird aus Hilflosigkeit geschwiegen, manchmal zerbrechen sogar Kontakte. Im „Seelenbeben“ sollen die Betroffenen erleben, dass es auch andere Gleichaltrige gibt, die Schicksalsschläge erlitten haben, denen es nicht gut geht, die vielleicht noch ganz am Anfang stehen oder schon weiter sind, so dass man sich auch gegenseitig helfen kann.

Das Beben der Seele zulassen und es aber trotz allem Kummer auch mit schönen Erinnerungen verbinden, das ist das Ziel der drei Pädagoginnen. Deshalb haben sie neben Gesprächsrunden auch kreative Angebote wie Malen und Basteln oder sportliche Erlebnisse wie Klettern, Wasserskifahren, Bogenschießen, Bauernhofbesuche oder vieles mehr geplant. Dinge, bei denen die Kinder über ihre eigenen Grenzen gehen und Erfolgserlebnisse haben in einer Zeit, in der ihnen durch den Tod ungewollte Grenzen gesetzt worden sind. Oder bei denen sie für sich Rituale finden, die gut tun und loslassen helfen.

Wer teilnehmen kann

Wer kann teilnehmen? Das können Kinder und Jugendliche ab drei Jahren sein, die ein Elternteil, die Großeltern oder Geschwister verloren haben. Vielleicht auch einen Freund, einen Mitschüler oder eben einen Menschen, der ihnen nahe gestanden hat und um den sie trauern. Die Todesfälle können auch schon länger zurückliegen, denn nicht bewältigte Trauer lässt sich nicht verdrängen, sondern sucht sich ihren Weg.

Das Seelenbeben-Team arbeitet komplett ehrenamtlich. Die Trauerbegleitung und die Angebote der Gruppenstunden sind für die betroffenen Familien kostenlos. Das Familienzentrum Edith Stein in Winterberg stellt Räume für die Gruppenstunden zur Verfügung, der gemeinnützige Verein „Building One World“ aus Hallenberg hat die Trägerschaft übernommen. Ärzte, Psychologen, Schulen und Kindergärten bilden bei Bedarf ein hilfreiches Netzwerk im Hintergrund – damit die Seele nach dem Beben irgendwann wieder zur Ruhe kommt. Das wissen die drei Initiatorinnen aus Erfahrung: „Trauer ist keine Krankheit, aber nicht trauern macht krank.“

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