Sprachförderung

In Siedlinghausen macht Deutschlernen ganz viel Spaß

Lernen mit Bewegung: Auf den Boden haben die Kinder das Alphabet geschrieben, jetzt springt erst jedes Kindseinen Namen. Danach werden Wörter gesprungen, die die anderen dann erraten. Fotos:Stefanie Bald

Lernen mit Bewegung: Auf den Boden haben die Kinder das Alphabet geschrieben, jetzt springt erst jedes Kindseinen Namen. Danach werden Wörter gesprungen, die die anderen dann erraten. Fotos:Stefanie Bald

Siedlinghausen.   Spielen, Einkaufen, Kochen, Toben: Im FIT-Ferienkurs vertiefen Kinder mit anderen Muttersprachen ihre Deutschkenntnisse. Ausgelacht wird keiner

„Ich habe nicht geschummelt!“ Merey verteidigt sich energisch. Sie hat gerade beim Kartenspiel eine echte Glückssträhne – und Zahra und Ahmad finden es ein bisschen komisch, dass Merey so viele Asse hat. Eigentlich ist an diesem Feriennachmittag in der Sekundarschule aber ganz etwas anderes wichtig: Die drei diskutieren und haben Spaß zusammen – alles auf Deutsch.

Merey, Zahra und Ahmad nehmen zusammen mit sieben anderen Kindern am Programm FIT in Deutsch – Ferienintensivtraining teil. Es wurde vom NRW-Schulministerium entwickelt und soll außerhalb der Schulzeit Schülerinnen und Schülern fördern, deren Muttersprache nicht Deutsch ist.

„Ferienintensivtraining klingt natürlich ziemlich anstrengend“, sagt Ursula Hantke. Die Sprachlernbegleiterin betreut die Gruppe zusammen mit Reiner Howe und Jutta Fischer. Aber mit Paukerei habe das Ganze überhaupt nichts zu tun. „Das Schönste ist: Die lernen hier und merken es gar nicht.“

Alles wird in der Praxis geübt

Es gibt viel Abwechslung, Spiele, Bewegung, gemeinsames Kochen und Essen. Alles ist darauf ausgerichtet, den Kindern Anreize zum Sprechen zu geben – unter ihresgleichen und ohne Angst, für Fehler ausgelacht zu werden.

Wenn etwas Neues besprochen wurde, wird es auch praktisch geübt. Die Namen der Obst- und Gemüsesorten sind den Kindern beim anschließenden Einkauf fürs Mittagessen gleich wieder begegnet. Wörter wie Straße, Zug, Weiche, Ampel und viele andere haben sie bei einem Ausflug zur Modellbahnanlage in Siedlinghausen vertieft. „Da war es cool“, findet Merey.

Das Betreuerteam zeigt vollen Einsatz, springt auch mit den Kindern im Indoorspielplatz ins Bällebad und freut sich sehr über deren Fortschritte. „Einer der Jungen war am Anfang ganz schüchtern. Aber beim Toben auf dem Trampolin ist er total aufgetaut“, sagt Hantke.

Normalerweise gibt sie Deutschkurse für Erwachsene. Für das FIT-Programm hat sie wie ihre Teamkollegen zur Vorbereitung noch eine zweitägige Schulung absolviert.

Erfolgserlebnisse mit der Sprache

Für sie ist es ungeheuer wichtig für die Zukunft der Kinder, ihnen Erfolgserlebnisse mit der Sprache zu verschaffen: sich ausdrücken zu können und verstanden zu werden. Dazu gehört, dass beim Ausflug zum Eiscafé jedes Kind seine Bestellung selbst aufgibt, mit „Bitte“, „Danke“ und allem, was noch dazu gehört – auch wenn es dadurch länger dauert. Denn zu lernen, wie Dinge in Deutschland laufen, gehört auch zum Kurs: Aufräumen und Kochen sind Aufgaben für Jungen und Mädchen, und wenn einer der muslimischen Jungs meint, sich von den Mädchen bedienen lassen zu können, lernt er schnell, dass er sich seine Siebensachen hier selbst holen muss. Am Ende der Ferien soll es übrigens eine kleine Abschlussfeier mit den Eltern geben. Dafür haben die Kinder schon Einladungskarten geschrieben.

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