Schwangerschaft

HSK: So kann eine Doula eine Schwangerhaft bereichern

Doulas können mit dem Bekanntwerden der Schwangerschaft kontaktiert werden und stehen Schwangeren zur Seite.

Doulas können mit dem Bekanntwerden der Schwangerschaft kontaktiert werden und stehen Schwangeren zur Seite.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Altkreis Brilon.  Anne Weißbach hilft Frauen im HSK während ihrer Schwangerschaften. Sie erklärt ihren Beruf als Doula und welche Aufgaben sie übernimmt.

Im Schwangerschaftsprozess gibt es viele mögliche helfenden Hände, zum Beispiel Ärzte oder Hebammen. Aber auch Doulas. Die „Dienerin der Frau“, wie die altgriechische Übersetzung lautet, kann ab der Schwangerschaft tätig werden und den werdenden Eltern zur Seite stehen. Eine medizinische Ausbildung ist dafür nicht notwendig, dennoch sind Anatomie, Erkrankungen und Fachbegriffe kein Neuland. Anne Weißbach bietet ihre Dienste im Altkreis Brilon an. Die 32-Jährige erklärt, wie ihr Beruf aussieht.

Was genau ist eine Doula?

Anne Weißbach: Eine Doula ist eine geburtserfahrene Frau, die anderen Frauen während der Schwangerschaft und Geburt eine Bereicherung sein kann.

Wie unterscheidet sich das Aufgabenfeld von dem einer Hebamme oder eines Arztes?

Ich nehme keine Untersuchungen, Vorsorgen oder Operationen vor. Ich überwache nicht die körperlichen Zustände von Mutter und Kind während der Geburt. Ich bin ausschließlich für eine Geburtsbegleitung zuständig, lerne den Vater kennen und beziehe ihn dem Wunsch des Paares gemäß mit ein. Ich habe viel Zeit für die Frau, die Vertrauensbasis wird auf mentaler Ebene aufgebaut und gefestigt. Ich habe Kapazitäten für Meditationen oder Aromapflege mit ätherischen Ölen.

Wie sieht die Betreuung vor der Geburt aus?

Eine Betreuung ist sehr individuell auf die werdende Mutter zugeschnitten. Am Anfang jeder Begleitung steht ein Kennenlerngespräch. Darauf folgen mindestens zwei Treffen, bei denen sich einerseits eine Vertrauensbasis bildet. Andererseits greifen wir die persönlichen Themen, Fragen und Gedanken rund um die bestehende Schwangerschaft und die bevorstehende Geburt auf. Auch Begleitungen zu Terminen sind denkbar.

Was ändert sich, wenn die Geburt näher rückt?

Kommt dann der Zeitraum um die Geburt, beginnt meine Rufbereitschaft. Sobald die Geburt los geht, und die Frau das Gefühl hat, dass sie mich bei sich wissen will, reise ich an. Ich bleibe, bis das Kind auf der Welt und die Geburt beendet ist. Im Wochenbett, das ist die erste Zeit nach der Geburt, besuche ich die Mutter. Im Rahmen eines Gesprächs hat sie die Möglichkeit, über ihr Geburtserleben zu sprechen.

Welche Vorteile haben Sie für die werdenden Mütter?

Das Schöne ist, dass ich unabhängig von Ort, Art und Dauer bei der Geburt für die Mutter da bin. Zum Beispiel würde ich bei einer Verlegung einer Hausgeburt in ein Krankenhaus mitkommen. Ich lege auch viel Wert darauf, die Frauen in ihre Selbstbestimmung zu bringen. Ihnen Mut zu machen und ihre unbändige Schöpfungskraft zu erwecken. Doulas sind Fürsorge, Stärke, Mutmacher und Trostpflaster.

Welche positiven Einflüsse haben Sie auf die Geburt?

Es gibt einige Studien, die belegen, dass die Wahrscheinlichkeit, vaginal zu gebären, deutlich höher ist. Es werden weniger schmerzstillende Medikamente benötigt, operative Eingriffe finden seltener statt. Auch auf die Dauer der Geburt und einen Stillstart kann eine Begleitung durch eine Doula positiven Einfluss haben.

Ist das Ziel, mit so vielen helfenden Händen während der Schwangerschaft bis zur Entbindung so etwas wie eine perfekte Geburt zu ermöglichen?

Jede Geburt ist ein individuelles Erlebnis. Wie eine Geburt im Nachhinein bewertet wird, hängt von vielen Faktoren ab. Eine „perfekte Geburt“ kann man nicht verkaufen. Und man sollte sich meiner Auffassung nach davor auch dringlich hüten. Es ist wichtig, von vornherein klar zu kommunizieren, dass eine Doula nicht zaubern kann.

Wie skeptisch sind Familien, die Sie engagieren und noch keine Erfahrungen mit Doulas haben?

Erstgebärende können sich oft unter einer Doula-Begleitung nicht sehr viel vorstellen. Ich höre oft von Frauen, die schon über die Wechseljahre hinaus sind, dass sie sich eine Doula gewünscht hätten. Deutlich ist, dass Frauen, die ihr zweites Kind erwarten, das Konzept der Doula-Begleitung sehr ansprechend finden. Für sie ist der wichtigste Teil die Anwesenheit und Verlässlichkeit unter der Geburt.

Wie sind Sie zu diesem Beruf gekommen?

Nach der Geburt meines zweiten Kindes habe ich mich viel mit anderen Mamas aus der Umgebung über die Themen Schwangerschaft und Geburt ausgetauscht. Eine Geschichte brachte mir die Feststellung, dass eine Doula mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit sinnvoll gewesen wäre. Daraus entstand der Impuls: „Ich werde Doula.“

Was macht Ihnen besonders Spaß an Ihrem Beruf?

Ich mache diesen Job, weil ich das mit Herz, Bauch und Verstand will. Menschen in dieser besonderen Zeit ein Leuchtfeuer sein, Orientierung zu bieten, Stärke zu wecken, Ängste zu bearbeiten, ein Ohr zu bieten für alle Gedanken und Geschichten, Dinge aufzuarbeiten, die Schwangerschaft zu zelebrieren, Bräuche und Traditionen zu festigen und zu gestalten. All das kann ich tun. Frei und passend für die jeweilige Familie. Das ist wundervoll.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben