Sandburg

Evangelos Stafylidis baute die größte Sandburg der Welt

17,66 Meter hoch, am Sockel 27 Meter breit und Evangelos Stafylidis ist mittendrin, um an der größten Sandburg zu arbeiten.

17,66 Meter hoch, am Sockel 27 Meter breit und Evangelos Stafylidis ist mittendrin, um an der größten Sandburg zu arbeiten.

Foto: Bianca Lohr

Brilon.   Der Briloner Evangelos Stafylidis hat es ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft und mit anderen Künstlern die größte Sandburg der Welt gebaut.

Höher, schneller, weiter. Wer es ins Guinness-Buch der Rekorde schafft, hat eine Spitzenleistung vollbracht. Einer von ihnen ist der Briloner Evangelos „Wango“ Stafylidis. Er ist einer der 12 Künstler, die in Binz auf Rügen in den vergangenen Wochen aus 11.000 Tonnen Sand die höchste Sandburg der Welt erschaffen haben.

Herzlichen Glückwunsch vorab nochmal zum Weltrekord. Was war das für ein Gefühl, als Ihnen gesagt wurde, dass ihr es gepackt habt?
Evangelos Stafylidis: Danke. Gänsehaut ging durch meinen ganzen Körper und wir haben alle gejubelt. Das war einfach toll und ging bis unter die Haut. Die Sektkorken schossen durch die Luft und wir waren alle froh und erleichtert, dass wir es geschafft haben.

17,66 Meter hoch, am Sockel 27 Meter breit - Welche Schwierigkeiten bereiten beim Bau mit Sand die größten Probleme?
Es muss statisch bestimmt sein. Das heißt, die Burg darf nicht zu steil sein und das bedarf einer Menge an Erfahrung. Sand ist eben sehr unberechenbar. In dem Ausmaß und mit den äußeren Faktoren, wie dem Wetter, muss sie eine entsprechende Breite für die Höhe haben.

Haben Sie Ihr Ziel jetzt erreicht oder wollen Sie noch höher hinaus und Ihren eigenen Rekord brechen? Erstmal ja. Ich weiß nicht, was für verrückte Projekte sich unser Art Director für die Zukunft ausgedacht hat. Aber solange niemand unseren Rekord knackt, glaube ich, dass wir stolz sein dürfen Rekordhalter zu sein und im Guinness-Buch der Rekorde zu stehen.

Welche Faszination geht von Sand als Baumaterial für Sie aus?
Eine Sandskulptur zu schnitzen bedeutet, dass sie früher oder später wieder zu kleinen Sandkörnchen zerfällt und dieser Gedanke hat etwas Romantisches, das nicht ewig greifbar ist. Das macht es so besonders.

Sie schnitzen auch Eisskulpturen. So waren Sie letztes Jahr zum Beispiel bei der „Eiswelt Leipzig“, Europas größter Eiskunstausstellung, mit Arbeiten vertreten. Während Ihnen auf Rügen die Hitze zu schaffen gemacht hat, mussten Sie dort bei rund minus 10 Grad arbeiten. Was ist für Sie anstrengender? Ich würde sagen, dass Eis auf jeden Fall anspruchsvoller ist. Wir hantieren dort mit Blöcken von 120 Kilo und Kettensägen und bauen bzw. schnitzen bis zu fünf Meter hohe Skulpturen. Dazu kommt noch, dass es sehr rutschig sein kann - und das in Verbindung mit einer Kettensäge erfordert höchste Konzentration.

Wie hat das alles bei Ihnen angefangen?
Nach meinem Wirtschaftsabitur bin ich für eine Saison zum Snowboarden und Arbeiten nach Österreich gegangen. Dort habe ich einen Freund kennen gelernt, der technischer Leiter für Sand- und Eisprojekte in Belgien war und bin den darauf folgenden Sommer 2013 durch ihn zum Aufbau der Sandskulpturen in Blankenberge eingeladen worden. Ich habe anschließend von 2013 bis 2015 an vielen solcher Projekte teilgenommen und mir dadurch ein Netzwerk mit vielen internationalen Künstlern aufgebaut. Schließlich meinte einer, Franco Daga aus Italien, „Wango, du musst mit dem Schnitzen anfangen um diese blöde Arbeit nicht mehr zu machen.“ Das hat mich damals zum Nachdenken gebracht. Ein Künstler ist dann auf mich zugekommen und hat mich gefragt, ob ich mit einem seiner Kollegen an einem Wettbewerb teilnehmen möchte.

Wie ging es dann weiter?
Damals wusste ich nicht, dass mein Partner, mit dem ich am Wettbewerb teilnahm, selbst Art Director bei diversen Projekten ist. Wir haben den zweiten Platz auf der Tatry Ice Masters Championship in der Slowakei gemacht. Übrigens ein sehr schöner Ort für einen Skiurlaub. Ich wurde dann von Martin de Zoete, meinem Partner beim Wettbewerb, gefragt, ob ich ihm nicht auf einer Ausstellung helfen könnte. So habe ich begonnen mich mehr und mehr für Eis- und Sandskulpturen zu begeistern.

Sind schon neue Projekte in Planung?
Auf jeden Fall. Es gab schon Anfragen aus Holland, Finnland und Litauen und ich weiß, dass das eine oder andere Projekt auch in Deutschland geplant ist. Letztes Jahr wurde ich sogar nach China eingeladen um dort an Ausstellungen teilzunehmen. Allerdings werde ich im Winter auch noch meine Thesis schreiben und muss daher vielleicht das eine oder andere Projekt absagen.

Ihre Burg ist im Rahmen der Sandskulpturen-Ausstellung noch bis zum 3. November zu sehen. Wie wird sie vor Umwelteinflüssen geschützt?
Wir imprägnieren den Sand so, dass er vor leichtem Unwetter geschützt ist. Aber ein starkes Gewitter mit Hagel hält keine Skulptur aus. Da muss einer von uns wieder ran und das Ganze wieder schön machen.

Sie gelten als Multitalent. Wie vertreiben Sie sich die Zeit, wenn Sie nicht an einer Ausstellung arbeiten?
Das ist schwer zu sagen. Ich mag alles, was mich kreativ fordert. Malen, Zeichnen und Skaten, aber am allerliebsten mache ich eigentlich Musik. Ich liebe Jam-Sessions. Vor allem, wenn Musiker aufeinander treffen und eine Improvisation zu einem Konzert wird. Das macht mich richtig glücklich.

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