KULTUR

Essen wird zur Kunst mit der Ausstellung „Hungry Hearts“

Ausstellung der besonderen Art in Brilon: Hungry Hearts mit der Künstlergruppe C3000 und heimischen Köchen. Links Kuratorin Therese Keßler, rechts Andreas Piorek (Jägerhof) und Mathias Engels (Haus Starke).

Foto: Jürgen Hendrichs

Ausstellung der besonderen Art in Brilon: Hungry Hearts mit der Künstlergruppe C3000 und heimischen Köchen. Links Kuratorin Therese Keßler, rechts Andreas Piorek (Jägerhof) und Mathias Engels (Haus Starke).

Brilon.   Kryptische Pfannkuchen-Botschaften: Circus3000 kommt mit jeder Menge Kreativität von Karlsruhe nach Brilon. Leckeres wird aufregend umgewandelt.

Keinesfalls „brotlose“ Kunst gibt’s heute ab 19 Uhr im Briloner Rathaus. Bei der Vernissage von „Hungry Hearts“ geht’s rund um das Thema „Essen“. Die Ausstellung, mit der „Circus3000“ aus Karlsruhe ins Hochsauerland kommt, widmet sich dem Thema interdisziplinär und multimedial. Das Kollektiv befasst sich mit Bildender Kunst, Fotografie, Malerei, Installationen und Videokunst.

Wer zum Beispiel wissen möchte, wie Pfannkuchen dekodiert und zu kryptischer Lebensberatung werden oder wieso Frau Dr. van gen Hassend den Kosmos verschlingt, den bitten die Künstler zu Tisch. Organisiert hat die Ausstellung Therese Keßler, aus Dresden stammende, in Kassel aufgewachsene und in Brilon lebende Tochter des 1984 aus der DDR ausgebürgerten Künstlers Jürgen Keßler und selbst Künstlerin.

Die WP sprach mit der Kuratorin über das Projekt, das die Restaurants Jägerhof und Starke gemeinsam mit dem IT-Unternehmen TCB Hard- und Software realisieren.

Sagen Sie uns etwas zu Ihrer Vita. Therese Keßler: Ich habe mein Diplom in Freier Kunst an der Karlsruher Akademie der bildenden Künste erworben. Studienbegleitend und im Anschluss war ich dann am ZKM | (Zentrum für Kunst und Medien, Karlsruhe), unter anderem in der Funktion der kuratorischen Assistenz und der Assistenz der Registrarin tätig. Darüber hinaus habe ich an verschiedenen Projekten des ZKM als freie Mitarbeiterin und in der Projektleitung gearbeitet z.B. für die Akademie der Bildenden Künste in Berlin.

Wie hat es Sie nach Brilon verschlagen? Eigentlich wollte ich von Karlsruhe wieder zurück in meine Heimatstadt Kassel. Meine Familie lebt da. Mein Partner wohnte in Brilon, und wir wollten von hier eine Wohnung in Kassel suchen. Die verbindliche und hemdsärmelige, direkte Sauerländer Art hat mich aber einfach in Beschlag genommen. Ich fühle mich nicht zuletzt wegen eben dieser Verbindlichkeit sehr wohl in Brilon und habe vor, zu bleiben.

Wie sind Sie zum Hotel Restaurant Starke gekommen? Ich habe vor Ort eine Festanstellung gesucht und hatte das große Glück an die Familie Starke zu geraten, die eine hohe Affinität zu dem Thema Kunst hat, u.a. durch ihre Verwandtschaft zu Karl Gröppel, dem bekannten Sammler „entarteter“ Kunst.

Die Sammlung beeinhaltet Werke von so bekannten Künstlern wie August Macke, Marc Chagall und Ernst Barlach und ist dauerhaft im Dortmunder „U“ untergebracht. Wir haben schnell festgestellt, dass diese Zusammenarbeit von beidseitigem Nutzen ist und sich tolle Synergien ergeben.

Wie kam es zu der Ausstellung? Kurz nach dem ich mich „vor Ort“ eingelebt hatte, wollte ich mich über die lokalen Gegebenheiten bzgl. Förderungsmöglichkeiten von Kunst informieren. Dabei bin ich zügig auf Thomas Mester und die BWT gekommen. Als Thomas Mester mir die Möglichkeit offerierte, das Foyer des historischen Rathauses mit einer Ausstellung zu bespielen, war mir schnell klar: Es soll um Essen gehen.

Welche Rolle spielt Kunst in Ihrem Alltag? Wenn die Menschen sich nur noch in geringem Umfang für Kunst interessieren, kann hier ein Anknüpfungspunkt liegen, eben mit dieser Kunst zu den Leuten zu kommen. Kunst gehört meiner Meinung nach in die Mitte der Gesellschaft, das ist mein Anliegen.

Die gesamte Entwicklungsgeschichte des sich bewusst werdenden Menschen ist begleitet von Kunst. Kunst heißt für mich, die Fähigkeit zu entwickeln, Dinge nach seinen Vorstellungen und Wünschen zu gestalten. Das kann eine Höhlenmalerei, ein Essen oder das eigene Leben und damit auch das Leben seiner Mitmenschen sein.

Ich meine, dass es wichtig ist, genau dieses Bewusstsein für Kunst wieder in der Gesellschaft zu verankern. Viele Menschen fühlen sich machtlos und sind sich ihrer gestalterischen Fähigkeiten nicht mehr bewusst. Ästhetik bekommt hierbei eine viel weitreichendere Bedeutung als man auf den ersten Blick meinen könnte.

Die Geradlinigkeit der Sauerländer z.B. ist im ersten Moment nicht unbedingt bequem. Ich empfinde sie aber dennoch als ästhetisch, weil sie mir Orientierung gibt. Wie eine gerade Linie. In der Praxis gibt es bei Starke natürlich auch immer wieder Diskussionen über die Beschaffenheit und das Aussehen einer Serviette oder darüber, wie wir unseren Arbeitsalltag gestalten wollen.

Stellen Sie uns die Künstler vor. Fangen wir bei den Künstler-Künstlern an. Das Künstlerkollektiv Circus3000 hat mein Verständnis von Kunst und meine bisherige Arbeit maßgeblich geprägt und inspiriert. Sie verschmelzen verschiedene künstlerische Disziplinen wie Video, Performance, Musik und Literatur zu einem Gesamtkunstwerk, und wenn es gelingt, und man sich darauf einlässt, entsteht ein neuer Raum, in dem man sich im besten Falle für eine Weile selbst vergisst.

Eben wie im Zirkus. Dann haben wir unsere Koch-Künstler Mathias Engels (Hotel Starke), von dem wir uns sehr freuen, dass wir ihn als Koch gewinnen konnten und Andreas Piorek („Jägerhof“), der mit seiner kreativen und unkomplizierten Art die Ausstellung mit auf den Weg gebracht hat.

Allerdings wäre eine solche Ausstellung nicht möglich, ohne Menschen mit Engagement und Offenheit für neue Sichtweisen. Wie zum Beispiel der Hauptsponsor für diese Medienkunst-Ausstellung, Frank Tilli und seine Firma TCB Hard und Software, deren jüngste Entwicklung „yourscreen“ in der Ausstellung Premiere feiert.

Folgen Sie der Westfalenpost im Altkreis Brilon auch auf Facebook.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik