Kirchenkritik

Ehemaliger Marsberger Pfarrer kehrt Amtskirche den Rücken

Der katholische Pfarrer Norbert Wohlgemuth vor der Marienkirche in Fröndenberg, seiner letzten Wirkungsstätte. Foto: Alexander Lück

Der katholische Pfarrer Norbert Wohlgemuth vor der Marienkirche in Fröndenberg, seiner letzten Wirkungsstätte. Foto: Alexander Lück

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Fröndenberg.  Pfarrer Norbert Wohlgemut, der bis Ostern 2015 fast 20 Jahre lang Meerhof, Essentho, Oesdorf und Westheim betreute, legt sein Priesteramt nieder.

Paukenschlag für die katholischen Christen in Fröndenberg: Pfarrer Norbert Wohlgemuth verlässt nicht nur mit sofortiger Wirkung den Pastoralverbund. Er ist auch vom Priesteramt zurückgetreten. Bis 2015 war Wohlgemuth 17 Jahre lang in Meerhof, Essentho, Oesdorf und Westheim als Seelsorger tätig. Als Grund für den jetzigen Schritt nannte er in einem Gottesdienst in Fröndenberg seine große Unzufriedenheit mit der Situation in der Kirche.

Am Sonntagvormittag wurde in der dortigen Marienkirche ein festlicher Gottesdienst gefeiert in erster Linie um den dortigen Pastor Georg Toborek zu verabschieden. Kurz vor Ende des Gottesdienstes ließ Pfarrer Norbert Wohlgemuth als Chef des Pastoralverbundes dann die Bombe platzen: Er werde nicht nur mit sofortiger Wirkung die Gemeinde verlassen, es sei auch sein letzter Gottesdienst als Priester gewesen. Einige der Gottesdienstbesucher hatten Tränen in den Augen.

Kritik an Dogmen und Zölibat

Bereits Anfang der Woche habe er beim Erzbistum Paderborn um seine Suspendierung vom Priesteramt gebeten, so Wohlgemuth. Er sehe sich nicht mehr in der Lage, diesen Dienst auszuüben. Die Entfernung der Kirche und ihrer Lehren von der Lebenswirklichkeit der Menschen belaste ihn schwer. Die Antworten, die die Institution Kirche auf die Probleme der Menschen, zum Beispiel auch auf ein Scheitern von Lebensplanungen wie einer Ehe, finde, seien entweder gar nicht vorhanden oder völlig unzureichend. Stattdessen gebe es ein Festhalten an Dogmen und Lehrmeinungen.

Die immer noch untergeordnete Rolle der Frauen in der katholischen Kirche, ein fast vollständiges Ausbremsen jeden Fortschritts, zu wenige Anstrengungen für die Ökumene, eine Fokussierung der Amtsträger auf Hierarchie und Macht statt auf die Sorgen und Wünsche der Gläubigen, kritisierte Wohlgemuth in der Erklärung ebenso scharf wie das verpflichtende Zölibat. „Ich halte das Zölibat für überholt, machtbegründet, menschenunwürdig und krankmachend. Und für einen zu tiefen Eingriff in das Intimleben eines Priesters.“

Erzbistum „gestattet Auszeit nicht“

Seine abweichenden Meinungen von Teilen der katholischen Lehre hatte der 57-Jährige nicht nur in dieser Erklärung seines Rücktritts, sondern auch immer wieder schon in Predigten oder im persönlichen Austausch deutlich gemacht. „In den Augen der Oberen bin ich kein guter Priester", sagte Wohlgemuth an die Gemeinde gerichtet, wo er - nach knapp zwei Jahren in Hagen-Haspe - zweieinhalb Jahre wirkte. Zuvor war er 17 Jahre lang im Raum Marsberg, zuletzt auch als Leiter des Pastoralverbundes Sintfeld-Diemeltal, tätig gewesen. In Meerhof feierte er am 1. März 2015 einen bewegenden Abschied.

„Ich war sehr gerne bei Euch in Fröndenberg. Hier sind Freundschaften entstanden die jetzt hoffentlich nicht abreißen werden“, so Wohlgemuth am Sonntag zu seiner Gemeinde. Und dann wurde er noch einmal etwas allgemeiner zu werden: „Ich liebe diese Kirche und alle Menschen, die sie bilden. Sie ist mir Heimat.“

Aber so wie bisher gehe es für ihn nicht weiter, schloss der Pfarrer. Seinen Wunsch, statt dieses endgültigen Schritts zunächst eine Auszeit anzutreten, habe das Erzbistum Paderborn trotz zunächst einer mündlichen Zusage schließlich doch nicht gestattet.

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